Einem ebenso unschönen Tabu-Thema geht Filmemacher Appolain Siewe in der Doku "Code der Angst" nach: dem Hass auf Homosexuelle in Afrika.
Dort werden LGBTQ+-Personen mit drakonischen Strafen und totaler Ächtung verfolgt. In seiner Heimat Kamerun sucht der Regisseur nach den Ursachen:
Früher predigten europäische Missionare eine rein heterosexuelle Moral - heute wird sie von Afrikanern als Teil ihrer kulturellen Identität verteidigt.
(Kinostart: 5.6.) Warum dieser Hass? Militante Homophobie, die vor Gewalt nicht zurückschreckt, ist in Afrika weit verbreitet. Doku-Regisseur Appolain Siewe sucht in seiner Heimat Kamerun nach den Ursachen – er trifft auf einen Kulturkampf um Sexualmoral als Vehikel zur mentalen Dekolonialisierung.
Ein Tabu-Thema? Das sagt sich leicht in unserer dauerpalavernden Mediengesellschaft, die alles bis zum Überdruss zerredet.
Der kamerunische Filmemacher Appolain Siewe, der seit 1997 in Deutschland lebt, erfährt jedoch rasch, was es bedeutet, wenn etwas wirklich tabuisiert wird.
Obwohl er eigens nach Kamerun geflogen ist, um mit seinem Vater über Homosexualität zu sprechen, lässt sich dieser verleugnen und schickt seinen Onkel vor.
Der bedeutet seinem Neffen in barschen Worten, er solle sich fortscheren, solange er sich mit solchem „Unsinn“ beschäftige. Zuvor müsse er aber noch den Ahnen seine Achtung erweisen, indem er ein Huhn für sie opfere.
Was Siewe nicht mehr beherrscht, denn er kann kein Blut sehen. Deutlicher lässt sich der kulturelle Bruch zwischen einem in Europa lebenden Exilanten und seiner afrikanischen Familie im Heimatdorf kaum veranschaulichen.
Drei Jahre Haft für „Ich liebe Dich!“
Damit führt der Regisseur allmählich in das Sujet ein.
Nach eigener Aussage heterosexuell, wurde Siewe durch Presseberichte über den Mord am Journalisten und LGBTQ-Aktivisten Eric Lembembe 2013 auf die in Afrika weit verbreitete Verfolgung von Homosexuellen aufmerksam.
In vielen Ländern wird sie mit drakonischen Strafen geahndet, auch in Kamerun: Wegen einer SMS mit den Worten „Ich liebe Dich!“ an seinen Chef wurde ein junger Mann zu drei Jahren Haft verurteilt, die er absitzen musste.
Kunst+Film-Redaktion


Tänzer in einer von Homosexuellen besuchten Bar in der Hauptstadt Yaoundé. Foto: Drop-Out Cinema.



