Gesellschaft Freunde der Künste
Politisch ambitioniert

Geschlechtliche Freuden - Sex Now - Nur volljährige Besucher haben Zugang zur Ausstellung

Politisch ambitioniert ist  "Sex Now" - aber zugleich hoffnungslos gestrig.

Die Ausstellung im Düsseldorfer NRW-Forum will ausloten, wie sich heutiges Liebesleben in der Gegenwartskunst widerspiegelt.

Doch ihr Insistieren auf politisch korrekter Libertinage mit skurrilen Erotik-Gadgets ignoriert, dass sich der Zeitgeist angesichts von Digitalisierung, KI und Krisen völlig verändert hat.

Liebesspiele von gestern: Das NRW-Forum will vorführen, wie geschlechtliche Freuden in der Gegenwarts-Kunst dargestellt werden.

Doch possierliche Bastelkunst, Fixierung auf Minderheiten-Praktiken und Ignoranz der heutigen Neo-Prüderie lassen den propagierten Hedonismus recht angestaubt wirken.

„Über Sex kann man nur auf Englisch singen“. Diesen Song veröffentlichte die Grungerock-Band „Tocotronic“ schon 1995, aber seine zweite Zeile ist von zeitloser Gültigkeit:

„Allzu leicht kann’s im Deutschen peinlich klingen.“ 31 Jahre später gibt sich das NRW Forum jede Mühe, diese Einsicht aufs Neue zu bewahrheiten.

Adults only: Nur volljährige Besucher haben Zugang zur Ausstellung. Nach dem Drehkreuz steht man in einem Rotlicht-Raum mit sacht pochender Lounge-Musik.

Wahlplakat „Fickt euch doch alle“

Ringsum wird mit Leihgaben aus dem Bonner „Haus der Geschichte“ die Sittengeschichte der Bundesrepublik im Schnelldurchgang abgehandelt: von der ersten Anti-Baby-Pille 1961.

Über billige Softpornos wie den „Schulmädchen-Reports“ der 1970er Jahre und der Berichterstattung über AIDS ab 1983 bis zum Wahlplakat „Fickt euch doch alle“ (2024) der Spaßpartei „Die Partei“.

Dessen Regenbogenfarben seien „eine klare Absage an Diskriminierung und Anpassungsdruck“, heißt es.

Springbrunnen aus sex toys

Die Wände werden von zwei Foto-Tapeten bedeckt. Melody Melamed aus den USA kontrastiert Akt-Aufnahmen non-binärer Personen mit Natur-Bildern von Holz oder Sand, was „queeres Sein als natürlichen Teil unserer Umwelt zeigen“ soll.

Und Martin de Cringis lichtet dutzendfach nackte Männer aller Altersklassen und Körperformen ab – gegen normierende Schönheitsideale.

Beide Nackedei-Fotostrecken umrahmen eine bizarre Skulptur in der Mitte: Röhrenförmige sex toys mit Mündern und Zungen stehen in einem Bassin. Alle paar Minuten spritzt aus ihnen Wasser wie bei einem Springbrunnen.

 

Kunst+Film-Redaktion

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