Überladen wirkt auch die Ausstellung "Para-Moderne – Lebensreformen ab 1900". Sie will das weite Spektrum alternativer Bewegungen im 20. Jahrhundert nachzeichnen und verzettelt sich dabei:
Manches wird übermäßig aufgeblasen, anderes – etwa die Antroposophie von Rudolf Steiner – praktisch ignoriert.
So geht es in der Bonner Bundeskunsthalle zu wie auf einer Esoterik-Messe: Interessantes und Ödes, Tiefsinniges und Lächerliches in bunter Reihe.
Nonkonformismus als Freakshow:
Die Bundeskunsthalle will Entstehung und Ideen alternativer Bewegungen nachzeichnen, verzettelt sich aber mit einem so geschichtsvergessenen wie gegenwartsblinden Sammelsurium.
Darin findet sich Erhellendes wie Lächerliches – nur Emanzipation ist immer gut.
Alles muss anders werden: Dieser Gedanke ist fast genauso alt wie die europäischen Kulturen selbst. Man findet ihn bereits bei antiken Moralisten und christlichen Ordensgründern im Mittelalter.
Die Wortführer von Bauernaufständen beschworen Utopien irgendwo zwischen Bronzezeit-Dörfern und Paradies.
Der Aufklärer Jean-Jacques Rousseau war im 18. Jahrhundert wohl der erste, der diese Losung als Entwicklungspfad aus einer verdorbenen Zivilisation zurück zur heilbringenden Natur beschrieb.
Davon weiß die Ausstellung „Para-Moderne“ nichts.
Den erklärungsbedürftigen Titel beschreiben die Kuratoren Johanna Adam und Robert Eikmeyer recht vage als „Geflecht, das man rückblickend als das ökologisch-emanzipatorische Projekt der Moderne bezeichnen kann“.
Nur um im nächsten Absatz ihre Definition gleich wieder aufzuheben: „Kunst – Wissenschaft – Esoterik.
Das alles war/ ist die Moderne, ein vieldimensionales Projekt, das immer das Andere schon enthält, immer über sich hinaus ist und selbst sein Gegenteil inkorporiert. Die Moderne ist eine Para-Moderne“.
Alles hängt mit allem zusammen
Wenn Para-Moderne also alles und zugleich das Gegenteil ist, kann eine Ausstellung über sie alles Mögliche enthalten.
Ohne die Bezüge zwischen den einzelnen Elementen deutlich herauszuarbeiten, denn irgendwie hängt ja alles mit allem zusammen.
Wobei die Schwerpunkte willkürlich gesetzt werden können; Hauptsache, sie sind bunt, lustig – und kleistern die Brüche im Konzept zu.
Kunst+Film-Redaktion
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Johann Adam Meisenbach: Tanzende am Lago Maggiore bei Ascona (um Rudolf von Laban), 1914. © Kunsthaus Zürich, Bibliothek, Nachlass Suzanne Perrottet, 1990, Foto: © Erben Johann Adam Meisenbach . Fotoquelle: Bundeskunsthalle
Karl Wilhelm Diefenbach: Per Aspera ad Astra, 1892. © Magistrat der Stadt Hadamar, Foto: Norbert Miguletz . Fotoquelle: Bundeskunsthalle
Martin Hesse: Der Schriftsteller, Dichter und Maler Hermann Hesse rauchend in der Bibliothek der Casa Rossa in Montagnola, aufgenommen im Jahr 1935. (KEYSTONE/MARTIN-HESSE-ERBEN/Martin Hesse) . Fotoquelle: Bundeskunsthalle



