Gesellschaft Freunde der Künste
Zwischen den Fronten einer Ehekrise

Ein grimmiges Vergnügen - Julia Jentsch, in "Was Marielle weiß"

Ein (Alp-)Traum wird wahr: Mühelos errät ein Teenager, was seine Eltern in ihrer Abwesenheit gesagt und getan haben.

Das klingt nach dem Stoff eines klassischen Märchens, doch den verwandelt Regisseur Frédéric Hambalek mit "Was Marielle weiß" in ein grimmig satirisches Familiendrama, das nur stellenweise ein wenig überfrachtet wirkt - in der Hauptrolle glänzt Laeni Geiseler als Superkraft-Heldin wider Willen.

(Kinostart: 17.4.) Wenn Kindermund den Rand nicht hält: Im satirischen Familiendrama von Frédéric Hambalek durchschaut eine Tochter unwillentlich die Lügengebäude ihrer Eltern – dank glänzender Besetzung ein grimmiges Vergnügen, das der Regisseur genüsslich unter der glatten Oberfläche brodeln lässt.

Manchmal ist es besser, nicht alles zu wissen. Bei Marielle (Laeni Geiseler) ist neuerdings das Gegenteil der Fall.

Seit sie in der Schule eine Freundin als Schlampe beschimpft und dafür von dieser eine Ohrfeige kassiert hat, kann die 13-Jährige alles sehen und hören, was Vater Tobias (Felix Kramer) und Mutter Julia (Julia Jentsch) in ihrem Alltag so treiben – auch wenn sie selbst nicht anwesend ist.

Ihre Gabe sorgt zuhause rasch für Probleme:

Als Tobias und Julia von der neu erworbenen Fähigkeit ihrer Tochter erfahren, wird aus ihrem Unglauben schnell Verunsicherung.

Plötzlich greifen all die Lügen nicht mehr, die sie sich gerne selbst und gegenseitig auftischen. Je schonungsloser Marielle die Wahrheit ausspricht, desto angespannter wird die Situation.

Unfreiwillige Zeugin

Marielles neue Begabung macht sie zur unfreiwilligen Zeugin: Sie weiß jetzt, dass Julia raucht und von ihrer Ehe derart gelangweilt ist, dass sie im Büro mit einem Kollegen flirtet.

Gleichzeitig stellt Tobias sich als Weichei heraus. Bei einer Redaktionssitzung im Verlag schafft er es nicht, sich gegenüber einem arroganten Kollegen durchzusetzen, der auch noch deutlich jünger ist.

Als er die Geschichte am Abend zu seinen Gunsten abwandelt, wird er von seiner Tochter berichtigt – ein herrlich peinlicher Moment.

 

Zwischen den Fronten einer Ehekrise

Für ihre Ehrlichkeit muss das Mädchen bezahlen: Julia schleppt sie zum Arzt, Tobias erteilt ihr Tablet-Verbot. Bald gerät Marielle zwischen die Fronten einer elterlichen Ehekrise, die schon länger hinter der Fassade des schicken Eigenheim-Idylls brodelt.

„Marielle, du musst mitspielen“, wird sie von ihrer Mutter ermahnt. Und der Vater verspricht, seiner Tochter den Tablet-Computer zurückzugeben, wenn sie ihm dafür die Geheimnisse seiner Frau verrät.

Kunst+Film-Redaktion

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WAS MARIELLE WEISS | Trailer