Mit einem Meisterwerk der modernen Oper setzt das Staatstheater Kassel seine Erkundung des zeitgenössischen Musiktheaters fort:
Am 17. Mai kommt im Opernhaus Thomas Adés Oper „The Tempest" nach William Shakespeare zur Premiere. Die musikalische Leitung liegt bei Marco Comin, Regie führt Julia Lwowski vom Kollektiv Hauen und Stechen, das für seine unkonventionellen Zugriffe bekannt ist.
Die Handlung folgt Shakespeares gleichnamigem Drama:
Ein heftiger Sturm fegt über das Meer, „Hell is empty, all the devils are here", schreit die Schiffsbesatzung im Kampf gegen das Ertrinken.
Doch schnell offenbart sich, dass ganz andere Mächte im Spiel sind: Der schiffsbrüchige Mailänder Königshof landet auf der Insel des Zauberers Prospero, dem gestürzten rechtmäßigen Machthaber Mailands.
In einem chaotischen Spiel von Intrigen und verdrehten Hierarchien verfolgt der Magier gemeinsam mit Luftgeist Ariel seinen Racheplan an den Gestrandeten, während sich seine Tochter Miranda ausgerechnet in den Königssohn Ferdinand verliebt.
Thomas Adés multipliziert in seiner Oper, deren moderne Klangsprache die Basis der traditionellen Harmonik nie ganz verlässt, das Spiel um Macht und Herrschaft mit großem Orchester, üppigem Schlagwerk, Chor und Solopartien, die an die äußersten Grenzen des menschlich Möglichen gehen.
2004 in London uraufgeführt, gilt „The Tempest" schon jetzt als ein Klassiker des Opernrepertoires mit erfolgreichen Inszenierungen u.a. in Amsterdam, Wien, New York Budapest und Frankfurt.
Regisseurin Julia Lwowski bringt Ades' Oper als stürmisches Spiel von Macht und Untergang auf die Kasseler Opernbühne und macht die Aktualität des 400 Jahre alten Geflechts aus Überirdischem und allzu Menschlichem erlebbar.
Julia Lwowski, geboren in Odessa, studierte Musiktheaterregie an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin.
Seit 2009 inszeniert sie performatives Musiktheater, Oper, Schauspiel und Tanz u. a. an der Staatsoper Stuttgart,
der Deutschen Oper Berlin, der Bayerischen Staatsoper, der Hamburgischen Staatsoper, dem HAU Berlin, in den Sophiensaelen, am Ballhaus Ost, im Schwere Reiter München, am Théâtre de L'Athénée in Paris und der Roten Fabrik Zürich.
In der Spielzeit 2023/24 inszenierte Lwowski u.a. die Stückentwicklung „You Don't Nomi" an der Staatsoper Unter den Linden und „Nixon in China" von John Adams an der Deutschen Oper in Berlin.
Neben langjähriger Arbeit im von ihr mitgegründeten Musiktheaterkollektiv Hauen und Stechen, mit dem sie 2022 für den deutschen Theaterpreis „Der Faust" nominiert war, arbeitet sie seit 2018 an einem radikal inklusiven Musiktheater, für das sie 2019 die Initialförderung des Fonds Darstellende Künste erhielt.
Marco Comin, der als Gast die musikalische Leitung übernimmt, war von 2008 bis 2012 erster Kapellmeister und stellvertretender GMD am Staatstheater Kassel, bevor er als Chefdirigent ans Gärtnerplatztheater in München wechselte.
Seit 2017/18 arbeitet Comin freiberuflich u.a. als Gastdirigent an der Staatsoper Stuttgart, der Ungarischen Staatsoper Budapest, der Oper Graz, dem Aalto Theater Essen und dem Theater Bremen.
Darüber hinaus leitete er Konzerte u.a. mit den Münchner Philharmonikern, der Philharmonie Essen, den Dortmunder Philharmonikern und den Budapester Philharmonikern.
Am Staatstheater Kassel übernahm er in dieser Spielzeit bereits die musikalische Leitung des Tanzabends „Mozart_Requiem: Selig sind die Toten".
Oper von Thomas Adès; Libretto von Meredith Oaks nach William Shakespeare
Musikalische Leitung: Marco Comin, Regie: Julia Lwowski, Bühne: Mirella Oestreicher, Kostüme: Lea Sørsø, Mirella Oestreicher, Teresa Heiß, Dramaturgie: Felix Linsmeier, Video: Martin Mallon, Chor: Marco Zeiser Celesti
Mit: Filippo Bettoschi (Prospero), Marie-Dominique Ryckmanns (Ariel), Maren Engelhardt (Miranda), Johannes Strauß (Caliban), Diego Godoy (als Gast: Ferdinand), Stefan Hadžić (Sebastian), Serhii Moskalchuk (Stefano), Aleksandar Timotic (als Gast: Trinculo), Lars Rühl (König von Neapel), Don Lee (Gonzalo), Seong Ho Kim (Antonio), Gina Lisa Maiwald (als Gast: Sycorax)
Sneak In (öffentliche Probe): Donnerstag, 8. Mai, 19 Uhr, Opernhaus, ANTIPOLIS
Premiere: Samstag, 17. Mai, 19.30 Uhr, Opernhaus, ANTIPOLIS
Weitere Vorstellungen: 31. Mai, 4., 11., 13. und 19. Juni (jeweils 19.30 Uhr) sowie 21. Juni (18 Uhr)
Erste Einblicke in „The Tempest" ermöglicht für nur 8 Euro Eintritt ein Sneak In – eine öffentliche Bühnen-Orchester-Probe – am Donnerstag, 8. Mai, um 19 Uhr. Karten für das Sneak In, die Premiere und die Folgevorstellungen sind erhältlich an der Theaterkasse, Tel. (0561) 1094-222, und online unter www.staatstheater-kassel.de.


Tempest Lars Rühl (König von Neapel) und Seong Ho Kim (Antonio) (c) Sylwester Pawliczek



