Als eine „unvergleichliche Künstlerin" – so bezeichnet die italienisch-amerikanische Kuratorin Cecilia Alemani die Düsseldorfer Künstlerin, die nun, bereits ausgezeichnet mit dem Goldenen Löwen der Biennale Venedig, auch den wichtigsten deutschen internationalen Kunstpreis erhält.
Die Verleihung des Kaiserrings findet am 11. Oktober in der Kaiserpfalz in Goslar durch Oberbürgermeisterin Urte Schwerdtner statt.
Im Anschluss daran wird eine Ausstellung im Mönchehaus Museum eröffnet, kuratiert von Bettina Ruhrberg, der scheidenden Direktorin des Mönchehaus Museum.
Mit ihren Skulpturen hat Katharina Fritsch den Bildhauerei-Begriff neu definiert. Der internationale Durchbruch gelang ihr noch als Studentin von Fritz Schwegler in der Ausstellung »Von hier aus« 1984 in Düsseldorf.
1987 stellte sie zu den Skulptur Projekten Münster eine lebensgroße gelbe Kunststoffversion der Lourdes-Madonna ins Stadtzentrum.
Die schlichte Nachbildung einer Heiligen in der gelben Farbe löste die unterschiedlichsten Reaktionen aus. So wurde die erste Version demoliert, aber es lagen auch Blumen neben der Figur.
Fritschs figurative Skulpturen leben in einer seltsamen Spannung aus Nähe und Distanz. Obwohl die Motive auf den ersten Blick erkennbar sind, wird das Vertraute plötzlich fremd und erhält einen beunruhigenden Aspekt.
Was den Arbeiten diese Mehrdeutigkeit verleiht, ist nicht zuletzt die minimalistische Konzentration des Formprozesses und die monochrome Farbgebung.
Staunen und Erschrecken wohnen dicht beieinander. Typisch für alle Skulpturen ist das Pendeln zwischen größter Künstlichkeit und größter Natürlichkeit.
Die Arbeiten der 1980er und 1990er Jahre spiegeln die Ambivalenz dieser Zeit, die von Drogen, Aids, Alkohol und insgesamt von Existenzangst bestimmt war.
Heute reflektiert die Künstlerin in ihren Arbeiten weiterhin die digitale Welt ebenso wie sie Geschlechterrollen erneut kritisch hinterfragt.
Die blauen, auf ihr Handy fixierten Männer wirken seltsam erstarrt. Die anziehende Form der Muschel lässt Assoziationen vom Fundstück über das Kaurigeld bis zum Symbol der weiblichen Sexualität zu.
Fritsch hat sie wiederholt in verschiedenen Varianten realisiert, vom handlichen Objekt bis zur Großskulptur.
„Die Auseinandersetzung mit Raum, Architektur und der Wahrnehmung von Kunst wird begleitet von Fragen nach Tod und Leben, Abgrund und Schönheit. Die Objekte und Bilder sind ambivalent, die Figuren Stereotypen."
Helga Meister über Katharina Fritsch
2022 erhielt Katharina Fritsch den Goldenen Löwen der Biennale in Venedig. Die Jury des Kaiserrings stimmt mit der damaligen Chefkuratorin Cecilia Alemani überein, dass der Beitrag von Katharina Fritsch zur Kunst der Gegenwart unvergleichlich sei.
Es fühle sich an, so Alemani, als würde man Denkmäler einer fremden Zivilisation betrachten oder Artefakte, die in einem seltsamen posthumanen Museum ausgestellt sind.


Hohle Maus (Edition), 2009, 18,5 x 23,5 cm, Kunststoff, Acrylfarbe



