Gesellschaft Freunde der Künste
Ein verdrängtes Kapitel spanischer Geschichte

Die Suche nach bis heute ungesühnten Opfern, in Der Lehrer, der uns das Meer versprach

Der kurze Sommer der Reformpädagogik: Ein Lehrer in der spanischen Provinz begeistert seine Schüler mit neuen Methoden – bis der Bürgerkrieg ausbricht.

Die Suche nach bis heute ungesühnten Opfern begleitet die Roman-Verfilmung von Regisseurin Patricia Font so nüchtern wie ergreifend.

Im Jahr 2010 lebt die alleinerziehende Ariadna (Laia Costa) in Barcelona. Sie hat eine Phase der Arbeitsunfähigkeit aus ungenannten Gründen hinter sich.

Eines Tages erreicht sie eine Nachricht, die eigentlich für ihren im Pflegeheim lebenden Großvater Carlos bestimmt ist:

Er hat vor Jahren einen Sammelantrag unterzeichnet, ein Massengrab in der nordspanischen Region Burgos auszuheben.

Offenbar hoffte er, dabei könnten die sterblichen Überreste seines Vaters identifiziert werden, der dort vermutlich 1936 von spanischen Falangisten ermordet worden war.

Die zuständige NGO informiert Ariadna darüber, dass die Exhumierungen nun begonnen haben. Da ihr Großvater weder reisen noch darüber sprechen kann, fährt sie nach Burgos – zum Unwillen ihrer Mutter.

An der Ausgrabungsstätte angekommen, macht Ariadna die Bekanntschaft eines alten Mannes namens Emilio (Ramón Agirre).

Er bemerkt ihren katalanischen Akzent und macht sie auf eine Geschichte aufmerksam, die mit der ihres verschollenen Urgroßvaters verknüpft ist.

Reform-Lehrer löst Priester ab

Nun macht der Film einen Sprung zurück ins Jahr 1935.

Ein Jahr vor dem Wahlsieg der linken Volksfront und dem Ausbruch des Bürgerkriegs kommt der idealistische Katalane Antoni Benaiges (Enric Auqeir) ins ländliche Burgos, um dort eine Stelle als Dorflehrer anzutreten.

Diese Aufgabe lag bisher in den Händen eines Priesters, der den Neuankömmling entsprechend misstrauisch beäugt.

Auch die Schüler, darunter Ariadnas Großvater Carlos (Gael Aparício), können kaum fassen, was der neue Lehrer unter Erziehung versteht. Voller Elan bildet er sie im Gebrauch einer Druckerpresse aus, die er mitgebracht hat.

So entstehen kleine Aufsatzhefte, die selbst die argwöhnischen Eltern verblüffen. Als Antoni erfährt, dass die meisten seiner Schützlinge noch nie das Meer gesehen haben, beginnt er, einen Ausflug nach Katalonien zu planen.

Doch bevor er die Erlaubnis aller Eltern einsammeln kann, endet der kurze Sommer der Republik.

Reaktionäre Kräfte in Gestalt der faschistischen Falange-Partei übernehmen im traditionell konservativen Norden wieder das Kommando – es ist der Auftakt des spanischen Bürgerkriegs, der rund einer halben Million Menschen das Leben kostete.

Davon galten viele Jahrzehnte lang als verschollen.

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DER LEHRER, DER UNS DAS MEER VERSPRACH | Trailer | deutsch/german