Bereits 1974 erschienen ist Literaturnobelpreisträger Heinrich Bölls Erzählung »Die verlorene Ehre der Katharina Blum«, die sich kritisch mit den Praktiken der Boulevardpresse auseinandersetzt.
Die titelgebende Katharina Blum, eine einfache Angestellte, verbringt im Karneval eine Nacht mit einem, wie sie später erfährt, mutmaßlichen Verbrecher.
Sie gerät ins Visier von Polizei und Boulevardpresse und sieht sich von übertrieben wirkenden Ermittlungsarbeiten und einer massiven Medienkampagne derart in die Enge getrieben, dass sie schließlich selbst zur Mörderin wird.
Wenngleich die Parallelen zum heutigen Sensationsdurst in den klassischen und insbesondere den sozialen Medien augenfällig sind, vertraut Regisseur Tom Kühnel auf den ursprünglichen Stoff.
Vor dem zeitgeschichtlichen Hintergrund der sich radikalisierenden politischen Bewegungen der späten 1960er- und 70er- Jahre in der BRD inszeniert er eine ambivalente weibliche Heldin, die durch eine mediale Hetzjagd und einen tief in der Gesellschaft verankerten Sexismus zur Täterin wird.
Durchaus skeptisch sieht Tom Kühnel dabei, dass das Werk nahelegt, mit der Titelfigur zu sympathisieren: »Ein Mord an einem Journalisten ist ja mindestens fragwürdig.
Geht es vielleicht nur vordergründig um einen Boulevard-Krimi? Steckt da noch mehr drin?«, beschreibt der Regisseur seine Überlegungen.
Optisch verwandelt sich die brechtbühne in eine kleine, heile Welt, die immer einsichtiger wird und buchstäblich zu kippen droht (Bühne: Thomas Rump).
Die Kostüme sind in der Zeit der 1970er verankert und arbeiten augenzwinkernd die militaristischen Elemente von Karnevalsuniformen heraus (Kostüme: Daniela Selig).
Die musikalische Gestaltung und Einstudierung des Bürgerchors (Statisterie) leitet Stefan Leibold.
Die Rolle der Katharina Blum übernimmt Ensemblemitglied Katja Sieder, in den weiteren Rollen sind Thomas Prazak, Sebastian Müller-Stahl, Michael Schrodt, Jannis Roth und Natalie Hünig zu erleben.
An insgesamt zehn Spielterminen bis März 2027 steht »Die verlorene Ehre der Katharina Blum« in der brechtbühne im Gaswerk auf dem Spielplan, Premiere ist am 9. Oktober 2026.
Alle Termine, Tickets & weitere Infos zum Saisonstart am Staatstheater Augsburg unter www.staatstheater-augsburg.de.


Die verlorene Ehre der Katharina Blum (c) Staatstheater Augsburg