Dem Postimpressionismus sind eine ganze Reihe eigenwilliger Maler zuzurechnen, die abseits von Gruppierungen ihre eigenen künstlerischen Wege gingen. Paul Gauguin (1848–1903) ist, wie auch Vincent van Gogh, ein besonders kompromissloser Exponent dieser Strömung.
Der repräsentative Band zeichnet Gauguins künstlerische Entwicklung anhand großer Meisterwerke aus dem Bereich der Malerei und Skulptur nach, von den facettenreichen Selbstporträts und sakralen Bildern aus Gauguins bretonischer Zeit über die idyllisch-sehnsüchtigen Gemälde und archaisch-mystischen Skulpturen aus Tahiti bis hin zu den späten Werken seiner letzten Station auf den Marquesas-Inseln. Dabei untersucht die Publikation Gauguins vielschichtiges Schaffen ebenso wie dessen Einfluss auf moderne und zeitgenössische Künstler.
Paul Gauguin - Malerei war die Schönst aller Künste
Auf seiner Suche nach der Ursprünglichkeit der Welt und der menschlichen Seele ist Paul Gauguin (1848 – 1903) einen radikalen Weg gegangen. Er hat sich von seiner bürgerlichen Existenz und den Konventionen seiner Zeit abgewandt und ein Leben voller „Ekstase, Ruhe und Kunst“ vorgezogen. Die Malerei war für ihn „die Schönste aller Künste“ und „die Summe allen Fühlens“.
Suche nach dem Paradies
Auf seiner Suche nach dem verlorenen Paradies zog er nach einem Pariser Börsenkrach, der seiner gutbürgerlichen Existenz als Börsenmakler ein jähes Ende bereitete durch die Welt Richtung Südsee: Nach Aufenthalten in der bretonischen Künstlerkolonie Pont-Aven bricht er 1891 erstmals nach Tahiti auf, um ein paar Jahre später für immer in die Südsee auszuwandern. Das erhoffte Paradies findet er allerdings nicht. Zu stark waren auch dort schon die Einflüsse der bürgerlichen Gesellschaft spürbar. Vielleicht erklärt dies die melancholischen Zwischentöne, die Andeutung von Abgründen in Gauguins scheinbar idyllischen Inselbildern. In vielen seiner leuchtenden Gemälde feiert der Künstler seine Idealvorstellung von einer heilen, ursprünglichen Welt. Die Südsee wurde Gauguins Projektionsfläche für seine Vision vom einfachen Leben, für sein Fernweh nach dem Exotischen und die Heimatsuche eines Entfremdeten.
Ausstellung: Fondation Beyeler, Riehen/Basel: 8.2.–28.6.2015
Neben Gauguins Selbstporträts und den visionären, spirituellen Bildern aus seiner Zeit in der Bretagne stehen jetzt in der Ausstellung der Fondation Beyeler die weltbekannten, auf Tahiti entstandenen Werke des Symbolisten Gauguin im Mittelpunkt. Bilder von betörender Anmut und tiefer Symbolik. Seine exotischen, paradiesischen Landschaften erzählen von der Natürlichkeit des Menschen, von der Harmonie einer unversehrten Welt mit symbolhaften Tiere und sinnlich-schönen Frauen. Gauguins Bilder sind Ikonen der modernen Kunst und zählen zu den bedeutendsten Kulturschätzen der Welt.
Berühmte Meisterwerke von Gauguin
Zusammen mit Vincent van Gogh, Cézanne und Monet sei Gauguin einer der wichtigsten und populärsten Künstler unserer Zeit, sagt Museumsdirektor Sam Keller. Lange gab es in Europa keine bedeutende Gauguin Ausstellung, zuletzt zum 100. Todestag in Paris. Die Basler Ausstellung zeigt nun 50 Meisterwerke ̶ Gemälde und Zeichnungen, aber auch einige seiner rätselhaften, berühmten Skulpturen. Vier Jahre lang wurde organisiert und vorbereitet, für die vielleicht ambitionierteste und aufwendigste Ausstellung der Fondation Beyeler, die am 8. Februar eröffnet wurde.
Bilder von Paul Gauguin sind sehr rar und kostbar, wie Kurator Raphaël Bouvier betont, und wurden allesamt mit einer gewaltigen Versicherungssummer (2,5 Milliarden Franken) für diese Ausstellung ausgeliehen. Da es weltweit kein Kunstmuseum gibt, das ganz dem Werk Gauguins gewidmet ist, kommen die Leihgaben aus 13 Ländern. Gauguins vielleicht schönstes und geheimnisvollstes Gemälde, die »Contes barbares« von 1902, wird auch zu sehen sein.


Kunst von Paul Gauguin, Rupe Rupe, Tahiti is a Wonderland, 1899, Moskau, The Pushkin State Museum of Fine Arts, Quelle: Hatje Cantz Verlag
