04.10.2012 07:02 Ein bürgerliches Trauerspiel in fünf Aufzügen von Gotthold Ephraim Lessing

Theater in Wiesbaden: Miß Sara Sampson - Premiere am 5.10.2012

Bilder: Martin Kaufhold 9Bilder

Von: GFDK-Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Ein junger Mann und eine junge Frau sind in einem heruntergekommenen Hotel an der englischen Küste gestrandet. Von dort aus planten sie nach Frankreich überzusetzen; der Mann hat der Frau die Hochzeit versprochen. Immer ungeduldiger wartet sie auf die Abreise, aber der Mann zögert. Eine ungeklärte Erbangelegenheit, sagt er, hindere ihn vorerst an der Weiterfahrt. Als hinderlich erweist sich auch das Auftauchen seiner ehemaligen Geliebten, die nichts anderes will, als diesen Mann zurückzugewinnen.

Der erbitterte Kampf, der nun entbrennt, gleicht den typischen Familiendramen unserer Tage. Der Mann scheut die Verbindlichkeit einer Ehe und will sich alle Türen offen halten. Die Frau hat sich zu lange den rosagefärbten Illusionen einer großen Liebe hingegeben und nicht bemerkt, wie unstet das Objekt ihrer Gefühle eigentlich ist. Die verlassene Geliebte ist so verbittert, dass ihr nur noch Zerstörung bleibt.

Gotthold Ephraim Lessings Fünfakter ‚Miß Sara Sampson‘ gilt als das erste der sogenannten Bürgerlichen Trauerspiele. Es ist ein radikaler Gegenentwurf zu den gängigen Theaterstoffen seiner Zeit: Endlich sollten die Menschen der bürgerlichen Mitte ihre ganz spezifischen Themen wiederfinden, sollten über die Geschichten weinen und auch lachen, die ihre eigenen sein könnten. Bis heute ist das möglich, noch immer können wir uns mit Lessings Figuren identifizieren, als wären sie unsere Zeitgenossen. Blinde Liebe, Beziehungsunfähigkeit, der Kampf ums Kind mit allen Mitteln – das sind Phänomene, die uns prägen und Lessings Stück zu einem Drama der Gegenwart machen.

Die Regisseurin und Bühnenbildnerin Ricarda Beilharz ist neben Arbeiten bei den Berliner Festwochen, den Salzburger Festspielen, dem Theater Basel, dem Thalia Theater Hamburg, dem Staatstheater Hannover, den Wiener Festwochen u.a. Gast am Staatstheater Wiesbaden. Im Schauspiel hat sie mit großem Erfolg Yasmina Rezas ‚Der Gott des Gemetzels‘, Schillers ‚Die Räuber‘, Lessings ‚Emilia Galotti‘ und Brechts ‚Der gute Mensch von Sezuan‘ inszeniert. Für den Opernregisseur Markus Bothe schuf sie die Bühnenbilder für ‚Viva la Mamma‘, ‚Die Krönung der Poppea‘ und ‚Don Pasquale‘.

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