25.09.2011 08:08 ihr neues album hat sie herbie hancock gewidmet

Konzert Jazz: Die schwedische Jazz-Sängerin Viktoria Tolstoy tourt im Oktober durch Deutschland und der Schweiz

Viktoria Tolstoyn© ACT / Jörg Grosse Geldermann + 1 video

Von: ACT Music - 5 Bilder

Zuletzt hat Herbie Hancock, als Pianist wie Komponist einer der letzten ganz Großen des Jazz, gerne auf Standards aus Jazz, Rock und Pop zurückgegriffen und sich dafür viele illustre Gäste eingeladen.

Schon auf „Possibilities“ 2005, zuletzt bei „The Imagine Project“ sangen und spielten sich Weltstars von Santana und Sting bis Christina Aguilera und Pink an seiner Seite durch Klassiker der Musikgeschichte.

Nun hat ein Fan den Spieß umgedreht und dem 71-Jährigen musikalische „Letters to Herbie“ geschrieben: ACT-Star Viktoria Tolstoy hat 12 Songs für (und zumeist von) Herbie Hancock auf ihre ganz persönliche Weise eingespielt.

Viktoria Tolstoy war schon seit frühester Jungend eine große Bewunderin von Hancock.
Der Anstoß zum Hommage-Projekt liegt ebenfalls schon eine Weile zurück: „Ich glaube, es war 2004“, erzählt Tolstoy, „als ich beim Jazz Baltica Festival in Salzau die Ehre hatte, mit Herbie und seiner Band, darunter der wundervolle Wayne Shorter, auf einer Bühne zu stehen.

Wie immer in Salzau war danach eine große Late Night Jam Session im Gange. Ich saß hinter dem Schlagzeug und fing gerade an zu spielen, als jemand rief: ,Viktoria - Herbie fragt nach dir … Herbie will mit dir essen!‘

Sofort ließ ich die Drumsticks fallen und lief die Treppen herunter, wo bereits Herbies komplette Band wartete. Ich wurde dann direkt gegenüber meinem großen Idol platziert, Wayne Shorter neben mir. Es war tatsächlich eine völlig surreale Erfahrung - und ich habe jede Sekunde genossen!“

Natürlich war es die Offenheit gegenüber Pop, Soul und Funk, die Viktoria Tolstoy schon immer für Hancock eingenommen hat. Sie selbst wurde ja vor allem mit dem Pop-orientierten Album „White Russian“ (an ihrer Seite übrigens das Esbjörn Svensson Trio) in den Neunzigern zum Star und ist seither dem melodiösen, wechselweise von skandinavischer, russischer oder amerikanischer Populär- und Volksmusik durchdrungenem Jazz treu geblieben.

Bei „Letters to Herbie“ stand Tolstoy nun vor der Qual der Wahl: „Es war nicht einfach, Songs aus seinem überreichen Katalog herauszusuchen, aber ich habe einfach auf mein Herz gehört.“ Auf die ganz großen, allzu oft gecoverten Hits wie „Cantaloupe Island“ oder „Watermelon Man“ verzichtete sie klugerweise: Ihre Auswahl wirkt wie aus einem Guss, obwohl sie verschiedene Epochen Hancocks abdeckt.

Im Zentrum stehen Stücke aus seiner Funk-Periode in den Achtzigern, beispielweise vertreten durch „I Thought It Was You“ oder „Give It All Your Heart“ aber auch Klassiker finden sich wieder, wie Hancocks „Butterfly“ oder John Coltranes „Naima“, den er zuletzt 2002 in einer bezwingenden Fassung einspielte.

Ob Balladen wie „Chan’s Song“ oder schwer groovende Nummern wie der Bonus Track „Come On, Come Over“, alle Songs klingen zeitlos und klassisch, nie entfremdet oder gewaltsam um Aktualität bemüht. Und alle sind sie getragen von Tolstoys Stimme, die mit ihrer unaufdringlichen Brillanz und ihrem Phrasierungsreichtum allem einen eigenen Ausdruck verleiht.

Der rundum überzeugende Eindruck verdankt sich auch einem eingespielten Team: Allen voran Nils Landgren, der das Album produzierte und den Posaunenpart übernahm, im Duett mit Tolstoy sang und gemeinsam mit ihr und Magnus Lindgren den Titelsong schrieb, in dem Tolstoy ihre Begegnungen mit Hancock Revue passieren lässt.

Die Herausforderung, sich an den Tasten direkt mit dem Meister zu messen, nahm Tolstoys langjähriger Pianist Jacob Karlzon an, mit bezwingenden Soli am Flügel und vielen Klangfarben an Keyboard und Fender Rhodes.

Für die groovende Rhythmik sorgen Mattias Svensson am Bass und Rasmus Kihlberg am Schlagzeug. Eine soulig grundgestimmte, an George Benson erinnernde Gitarre, die aber auch das Wah-Wah-Pedal nicht verachtet, steuert Krister Jonsson bei, die bestechenden Bläserparts und –arrangements stammen von Magnus Lindgren.

Man muss die Stücke mehrmals hören, um die technischen Feinheiten, musikalischen Rafinessen - man nehme nur einmal die Bläsersätze auf „Come Running To Me“ - und die individuelle Klasse dieser Interpretationen zu erfassen, so gelungen ist der Flow dieses Albums. „I wrote a letter to Herbie, he never answered”, singt Viktoria Tolsoy im Titelstück. Diesmal dürfte sich Herbie melden.

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