24.10.2012 08:02 ein neuer, spannender Blick auf die Sammlung Frieder Burda

Ausstellung in Baden-Baden: „Menschenbilder“ bis zum 6.1.2013

© Gerhard Richter, 2012/ © VG Bild-Kunst, Bonn 2012/© Georg Baselitz, 2012 - 3 Bilder

Von: GFDK - Museum Frieder Burda

Die Ausstellung „Menschenbilder“ im Museum Frieder Burda bietet vom 17. November 2012 bis 6. Januar 2013 einen neuen, spannenden Blick auf die Sammlung Frieder Burda, in der die Darstellung des Menschen ein häufig wiederkehrendes Motiv ist. Die ausgewählten Werke greifen in unterschiedlicher Weise das Thema der Figuration auf und zeigen, wie abwechslungsreich sich die verschiedenen Künstler inhaltlich und stilistisch damit auseinandersetzen.

Wie ein roter Faden zieht sich das Thema „Mensch“ durch die Ausstellung. Dabei führt die Zusammen- und Gegenüberstellung der Gemälde zu außergewöhnlichen Dialogen und überraschenden Berührungspunkten. 

Zu sehen sind rund 60 Arbeiten, bekannte Werke von Georg Baselitz, Gerhard Richter und Sigmar Polke, aber auch unbekanntere von Künstlern der jüngeren Generation wie Tim Eitel, Susanne Kühn oder Simon Pasieka, die zum Teil noch nicht gezeigt wurden. 

Aus unterschiedlichen Blickwinkeln wird in den verschiedenen Ausstellungsräumen des Museums vom Menschsein erzählt und verdeutlicht, wie das Thema von Künstlern der Sammlung aufgegriffen wird und seinen Weg in individuelle Ausdrucksformen findet. Somit dokumentiert die Ausstellung auch einen akzentuierten Querschnitt durch die Kunstströmungen der vergangenen fünfzig Jahre.

Menschenbilder bei Baselitz, Lüpertz, Polke, Rainer, Richter und Schönebeck

Menschenmotive finden sich in der Malerei von Georg Baselitz, Sigmar Polke und Gerhard Richter. Baselitz verhalf mit seiner Kunst ab den 1960er Jahren im westlichen Nachkriegsdeutschland zur Wiederbelebung der gegenständlichen Malerei. Mit der Umkehrung des Bildmotivs, den so genannten Kopfbildern, in denen er die Darstellung von Inhalt und Bedeutung befreite, wurde Baselitz international bekannt. Die Ausstellung präsentiert eine Reihe von figürlichen Kopfbildern sowie Skulpturen des Künstlers.

In Sigmar Polkes Werk steht vordergründig vor allem das Spiel mit den verwendeten Materialen und Bildvorlagen im Mittelpunkt, aus deren Vielseitigkeit heraus er seinen geistreichen Figurenkosmos entwickelt.

Gerhard Richter schlägt in seinen frühen Bildern den Weg der Figuration als deutsche Version der Pop Art ein, indem er Fotos aus Zeitungen auf die Leinwand überträgt. Sein Frühwerk zeugt jedoch gelegentlich auch von einem zerstörerischen oder prozesshaften Aspekt, da Richter seine Gemälde zuweilen verändert und überarbeitet. Exemplarisch dafür ist die berühmte Arbeit „Party“ in der Sammlung Frieder Burda.

Unzufrieden mit dem vollendeten Bild, schlitzte Richter die Leinwand auf, vernähte sie mit einer groben Schnur, um sie später in Anlehnung an seinen Künstlerfreund Günther Uecker mit Nägeln zu traktieren. Das Verdecken und Auslöschen von Figürlichem macht auch der Österreicher Arnulf Rainer in seinen Arbeiten zum Thema. 

Figuration, die in erster Linie eine inhaltliche Aussage vermitteln soll, veranschaulichen die Arbeiten von Eugen Schönebeck oder Markus Lüpertz. Schönebecks flächige, in bunten Farben gehaltenen Porträts kommunistischer Persönlichkeiten wie „Mao Tse-Tung“ oder „Majakowski“ stehen zum einen für die Kunstströmung der Pop-Art, sind in ihrer Art als Heldenbild aber vor allem Ausdruck der politischen Haltung des Künstlers.

Markus Lüpertz vereint in dem Triptychon „Zyklop I, II, III – dithyrambisch“ verschiedene Bedeutungsebenen, wie durch die Motivwiederholung den Verweis auf Nietzsches Hymnen auf den antiken Gott Dionysos oder durch die militärisch anmutende Montur des „Zyklopen“ auf die schwierigen Aspekte der deutschen Geschichte. Zugleich aber unterstreicht Lüpertz mit der auffällig pompösen Darstellung, dass Malerei ihr eigentliches Leben diesseits der Motive entfaltet.

Menschenbilder der jungen Künstlergeneration

Das Menschenbild in der Kunst wirft auch gesellschaftliche oder emotionale Fragen auf. So konzentrieren sich die figurativen, fotorealistischen Positionen der jüngeren Künstlergeneration eher auf Aspekte des menschlichen Seins. Es sind atmosphärisch aufgeladene Stimmungsbilder, die Situationen des gemeinsamen Erlebens einfangen, von Freundschaft, Freiheit und dem Erleben der Natur erzählen, so wie Tim Eitel in seinem romantischen Bild „Abend“ eine junge Frau durch die Landschaft streifen lässt.

Dieser, der Jugend überlassenen Traumwelt, steht eine Werkgruppe gegenüber, deren Bildgeschichten im Privaten, Häuslichen stattfinden. Dazu gehören Susanne Kühns starre Architekturkulissen, aber auch die Bilder Almut Heises, die Erinnerungen an die beklemmend enge Welt des biederen Bürgertums wachrufen oder Momente der Einsamkeit einfrieren. Menschen in ihrem Arbeitsumfeld, isoliert oder frei, visualisieren zum Beispiel Eberhard Havekost und Heribert C. Ottersbach in ihren Darstellungen internationaler Börsenparketts.

Erste Videoarbeit der Sammlung Frieder Burda stammt von Bill Viola

Die abschließende Gruppe bilden Fotografie und Videokunst mit Arbeiten von Gregory Crewdson und Bill Viola. Beide Künstler thematisieren in ihren Inszenierungen die Verstörung und Melancholie bringenden dunklen Seiten im Menschenleben, in dem sie mit aufwendigen und sehr raffinierten Mitteln beim Betrachter Gefühle der Einsamkeit und Frustration auslösen.

Bill Viola hat als Pionier in den 1970er Jahren begonnen, das Medium Video künstlerisch zu bearbeiten und international bekannt zu machen. Er gilt heute als einer der weltweit anerkanntesten Vertreter der Videokunst. 2011 hat sich der Sammler Frieder Burda, der bis dato immer sagte, er werde keine Kunst mit Stecker sammeln, nach langen Überlegungen entschlossen, eine Arbeit von Bill Viola zu erwerben.

Die sieben Minuten dauernde Videoarbeit „The Far Shore“ (Die entfernte Küste) besticht durch ihre hohe ästhetische Qualität und außergewöhnliche Bildhaftigkeit. Auf zwei nebeneinander angebrachten Bildschirmen nähern und entfernen sich durch einen Regenvorhang hindurch ein Mann und eine Frau in Zeitlupentempo. Existentielle Themen wie Geburt, Alter, Sterben, aber auch das Element Wasser spielen in den erzählerischen und ausdrucksstarken Arbeiten des 1951 geborenen Künstlers eine große Rolle. 

Die ausgestellten Werke aus der Sammlung Frieder Burda spiegeln in ihrer Vielschichtigkeit alle Facetten des Menschseins, sie zeugen vor allem aber auch von Frieder Burdas sammlerischer Passion, seiner Faszination an Farben und den emotionalen Ausdrucksqualitäten von Malerei.

Werke aus der Kinderkunstwerkstatt

Parallel zur Ausstellung „Menschenbilder“ werden in einer Studioausstellung im Museum Frieder Burda neueste Arbeiten von Kindern und Jugendlichen aus der Kinderkunstwerkstatt des Museum Frieder Burda präsentiert: raumgreifende Assemblagen, Wandgemälde, spielerische Perlenkunstobjekte, Architekturmodelle, Drucke und Gemälde. Erneut erzählt die Ausstellung, mit welcher beeindruckenden Kreativität Kinder und Jugendliche Kunstwerken großer Künstler begegnen, Impulse aufgreifen und diese zu eigenständigen Werken verarbeiten.

Kontakt

Lichtentaler Allee 8b
D - 76530 Baden-Baden
T: 0049 (0)7221 39898-0
F: 0049 (0)7221 39898-30
E: office@remove-this.museum-frieder-burda.de
W: http://www.museum-frieder-burda.de