20.05.2015 09:00 Anmeldung ab sofort möglich

Architekturfestival Make City in Berlin belebt vom 11. bis 28. Juni den Diskurs über die Stadtentwicklung

Make City Festival fuer Architektur und Andersmachen

Die Kernthemen des Architekturfestivals Make City: Urbanes Gemeingut – the urban commons, Neue Formen des Wohnen und Arbeiten, Gemeinsam Gestalten – Urban Open Source. Quelle: Veranstalter

Von: GFDK - Susanne Kumar-Sinner

Noch ein Monat: Am 11. Juni startet das Architekturfestival MAKE CITY / Berlin wird zum Schauplatz internationaler Auseinandersetzung mit dem Thema Stadtentwicklung / Drei Wochen / Über 150 Veranstaltungen / Eintritt frei / Anmeldung seit 18. Mai online.

Berlin, Mai 2015. MAKE CITY ist das erste stadtweite Festival für Architektur. Es stellt sich dem aktuellen Diskurs über urbane Ressourcen und Stadtplanung in einer Phase in der Investoren in die Stadt strömen und städtische Freiräume zunehmend kostbares Gemeingut werden. Vom 11.–28. Juni zeigt MAKE CITY, dass Berlin noch eine Chance hat, „Stadt anders zu machen“. Lokale und internationale Experten ziehen Vergleiche zu anderen Städten, Modellen und Möglichkeiten. „In Berlin entstehen Prototypen für das Bauen der Zukunft, die viele Grenzen sprengen und ganze Berufsbilder und Prozesse in Frage stellen.

Wir laden deshalb alle Stadtneudenker der Architektur- und Kreativszene, Vertreter von Bürgerinitiativen und Kiezprojekten, politische Verhandler sowie die Berlinerinnen und Berliner ein, sich über städtische Freiräume, neue urbane Lebensmodelle und Strategien für Partizipation auszutauschen,“ sagt Francesca Ferguson, Initiatorin des Festivals.

Die Gründungspartner von MAKE CITY, die das Festival ermöglicht haben, stellen nicht nur Ihre Projekte und Entwürfe vor, sie stellen auch Fragen, die sie in Studio Talks, bei Führungen oder Open-House-Einladungen mit den Besuchern diskutieren werden. Welchen Einfluss hat der Klimawandel auf das Bauen von morgen? Wem gehören die Ufer der Stadt? Gibt es feminine Räume? Bauen wir für die Patchwork-Familie? Helfen unsere Dächer bedrohte Tierarten zu retten? Dürfen wir auf Friedhöfen bauen? Wieviel Potenzial für Stadt- entwicklung steckt im Erbbaurecht? Diese und viele weitere Fragen rückt MAKE CITY in drei Themenschwerpunkten in den Fokus:

1. Urbanes Gemeingut – the urban commons

Das Potenzial von Gemeingut für das städtische Leben ist bisher kaum untersucht worden. Am ersten Festivaltag widmet sich daher ein Panel im Festivalzentrum dem Thema „Gemeingut definieren, Gemeingut gestalten“ mit einem Keynote-Vortrag von Massimo de Angelis (11.06.). Die Landschaftsarchitekten Atelier Loidl, Topotek 1, A24 und SINAI sprechen anschließend über „Smart Parks“ – Neue urbane Landschaften, bei denen sich die Grenzen zwischen Öffentlichem und Privaten auflösen. An Bord der M.S. Schiffkontor sprechen Christian Schöningh und Dr. Michael LaFond über „Das Spreeufer für alle?“ (14.06.).

Atelier Loidl, Robertneun und Heide & von Beckerath führen in den Park am Gleisdreieck, der den Anwohnern seit 2013 als Parklandschaft mit Sport-, Spiel- und Erholungsangeboten dient. Die angrenzenden Wohnungen entstanden unter sehr unterschiedlichen Bedingungen: geplant und gebaut haben hier Gruppen, private Träger und internationale Immobilienkonzerne (13.06). Das Projekt Hack your City der Initiative Wissen- schaft im Dialog und der Open Knowledge Foundation im Rahmen des Wissenschaftsjahrs 2015 – Zukunftsstadt, bringt Bürger mit Nachwuchswissenschaftlern, Entwicklern, Architekten und Designern zusammen. Gemeinsam tüfteln sie an Lösungen – Hacks – für die realen Probleme ihrer Stadt (20.06.).

Die Landschaftsarchitekten von Atelier le Balto laden zum Picknick in ihren Garten hinter dem Hamburger Bahnhof ein. Das vor 10 Jahren gestartete Projekt „Woistdergarten?“ war eine Eigeninitiative mit dem Ziel, Gärten an unvermuteten Stellen zu gestalten (21.06).

2. Neue Formen des Wohnen und Arbeiten

MAKE CITY präsentiert eine Mischung aus urbaner Arbeitskultur, innovativen Wohnkonzepten und urbanen Lebensmodellen. „Das Festival bietet die perfekte Gelegenheit, die Qualität selbstinitiierter urbaner Lebens- räume vorzustellen, die das Herz der Entwicklungen in Berlin bilden,“ sagt Kristien Ring, AA Projects. Sie moderiert am 13. Juni das Panel „Self Made City“ im Festivalzentrum und ist Kuratorin der Ausstellung „Urban-Living“ im Deutschen Architektur Zentrum, die bereits am 21. Mai 2015 eröffnet. Do-it-yourself (DIY) ist nicht mehr genug. Do-it-together (DIT) liegt im Trend. Die Macher des „Instituts für kreative Nach- haltigkeit“ erkunden die Co-Working, Co-Housing und Community-Gardening Projekte Spreefeld, Spreeacker und TeePee Land.

Sie zeigen in der „Stadt der Singles“ neue Modelle des Wohnens und Arbeitens gegen das Alleinsein (13.06.). Am gleichen Tag stellt Beginenwerk e.V. das kollektive Wohnprojekt von und für Frauen vor. 600.000 Frauen leben in Berlin allein. Eine Herausforderung, die zeitgemäße und zukunftsfähige Wohnkonzepte braucht. Seit 2012 kämpft die Mieterinitiative Kotti & Co gegen höhere Mieten im Sozialen Wohnungsbau.

Die Führung von Ticket B stellt das Neue Kreuzberger Zentrum als ambitioniertes Beispiel für Selbstorganisation durch seine Anwohner vor (14.06.). MAKE CITY bietet auch die Gelegenheit neue Architekturtypologien (wieder-) zu entdecken: Baulücken in Mitte (12.06., Niche Tours mit Arno Brandlhuber), Hinterhof 2.0. (12.06., Artis + Ziegert Roswag Seiler), Plattenbau als Wohnsinn-Kultur (14.06., WBM & IWUP), Wohnen im Erdgeschoss (16.06., bfstudio Architekten), vom Sakralbau zur Galerie (19.06., mit Dr. Thomas Köhler, Berlinische Galerie) oder Konzepte für die größte Dachfläche Berlins (20.06., Tempelhof Projekt & Ziegert Roswag Seiler). Hervorgegangen aus Berlins ersten großen Neubau-Konzeptverfahren bietet die Bauhütte in der südlichen Friedrichstadt am ehemaligen Blumengroßmarkt diverse Veranstaltungen an.

Das Panel „Anders Wohnen“ im Festivalzentrum stellt außergewöhnliche Wohnkonzepte vor (25.06.). Es findet eine Fortsetzung in den Ausstellungen „Affordable Living – Housing for everyone“ von AIT und „Designing the urban commons“ von Theatrum Mundi im HO Berlin (11.-28.06.). MAKE CITY gipfelt im Tag der Architektur XL (27./28.06.), zu dem die Architektenkammer Berlin in ihrem 20. Jubiläumsjahr mit einem besonders umfangreichen Programm einlädt.

3. Gemeinsam Gestalten – Urban Open Source

Der dritte Themenkomplex von MAKE CITY widmet sich dem urbanen Raum als Open Source. Menschliche Ressourcen und partizipative Planungsprozesse werden in der Diskussion um eine nachhaltige und innovative Stadtplanung immer wichtiger. Immobilienentwickler werden verstärkt mit dem Konzeptverfahren für öffent- liche Liegenschaften konfrontiert. Über ein mögliches Berliner Modell diskutieren im Festivalzentrum Andreas Krüger, Christian Schöningh, Florian Schmidt u.a. (11.06.). MAKE CITY knüpft an die wachsende Tendenz einer Zivilwirtschaft an, die aus der Design und „Maker Szene“ entsteht und durch partizipative Prozesse auf wirtschaftliche und politische Veränderungen reagiert.

Gast-Keynote-Vorträge hierzu von Fran Tonkiss (18.06.), Indy Johar und Dan Hill (19.06.). Bei Liebscher Tauber + Tauber treffen Initiatoren und Bau- gruppenplaner auf Theoretiker und Betroffene. Sie laden zu einem Studio Game für Baugruppenprojekte in die Villa Elisabeth ein (14.06.). Die Architekten von GRAFT und Triad Berlin stellen in einem Workshop die Rahmenbedingungen für die Entwicklung eines Wohnquartiers vor und welche Konsequenzen, Initiativen wie 100% Tempelhofer Feld in diesem Zusammenhang mit sich bringen (18.06.). Die Heinrich-Böll-Stiftung hat für MAKE CITY eine Diskussions-Reihe mit vier Veranstaltungen entwickelt.

Es geht u.a. um „Globale Strategien erfolgreicher Stadtentwicklung“. Beispiele einer weltweiten Bürgerbeteiligungspraxis aus der Schweiz, den Niederlanden, Deutschland, Brasilien und Nigeria werden herangezogen um herauszufinden, was die Länder trotz unterschiedlicher Ausgangssituationen voneinander lernen können (17.06.). Actors of Urban Change, ein Programm der Robert Bosch Stiftung in Kooperation mit MitOst e.V. zeigt im CLB Berlin Collaboratorium im Aufbau Haus eine Ausstellung über Kultur als Stadtentwicklung. Dazu gehören Interventionen im öffentlichen Raum (11.–28.06.). „Was mich interessiert, ist die Bedingungen zu schaffen, in denen ganz normale Stadtbewohner ein neues Verständnis davon gewinnen, wie sie ihre Teilhabe am Gemeinwesen gestalten können, seien diese technisch, politisch, ökonomisch oder psychologisch“, sagt Adam Greenfield, Schriftsteller und Stadtplaner, New York Universität, New York. Greenfield ist Keynote- Sprecher am 19. Juni im Festivalzentrum, und bildet damit den Auftakt für das Symposium „Beware of Smart People“, das am 20. Juni im Institut für Architektur der TU Berlin fortgeführt wird.

Das vollständige Programm von MAKE CITY mit allen Veranstaltungen und Terminen steht unter www.makecity.berlin. Das Programm wird auch zum Download zur Verfügung stehen. Zum Festival erscheint eine Festivalzeitschrift, die im Tschechischen Zentrum und in den Festival-Hubs ausliegt.

MAKE CITY Festivalzentrum

Das Tschechische Zentrum in der Wilhelmstraße 44 in Berlin Mitte wird an drei Wochenenden (Donnerstag bis Sonntag) zwischen dem 11. und 28. Juni zum Festivalzentrum. Hier fließt der internationale Diskurs zusammen. Die Panels sind in englischer Sprache (mit Simultanübersetzung). Das Programm im Festivalzentrum sowie die Führungsangebote finden im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2015 – Zukunftsstadt, gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, statt.

Festival Hubs, Studio Talks, Führungen und Open-House in Berlin

Neben dem Tschechischen Zentrum gibt es 24 weitere „Hubs“ in der Stadt, darunter die Heinrich-Böll- Stiftung, das Deutsche Architektur Zentrum (DAZ), die Technische Universität Berlin sowie viele Kulturinstitute der Europäischen Länder (u.a. Großbritannien, Italien, Polen, Rumänien, Schweiz, Spanien). Sie alle beschäftigen sich mit den Kernthemen des Festivals und tragen mit Ausstellungen, Konferenzen oder Interventionen im öffentlichen Raum zu MAKE CITY bei. Hinzu kommen stadtweit über 30 Studio Talks, 40 Führungen und Open-House-Veranstaltungen der Gründungspartner.

Eintritt und Anmeldung
MAKE CITY ist ein offenes Format und lädt Experten und alle Interessierten zum Dialog ein. Der Eintritt ist frei. Da viele Veranstaltungsangebote ein begrenztes Platzkontingent haben, bitte die Anmeldebedingungen beachten. Das Festival ist zweisprachig. Seit 18. Mai ist die Anmeldung unter www.makecity.berlin möglich.

Hauptpartner und Sponsoren von MAKE CITY
Wissenschaftsjahr 2015 – Zukunftsstadt, Ziegert – Bank- und Immobilienconsulting, Big Board a.s., Heinrich- Böll-Stiftung, Architektenkammer Berlin, Stassen LLP, Tschechisches Zentrum Berlin, Ton, AIT Architektur- salon, Perspective. Vollständige Übersicht der Gründungs- und Medienpartner unter: www.makecity.berlin

Das Festival wird ausgerichtet von der Make_Shift gGmbH, einer gemeinnützigen Gesellschaft für Architektur und urbane Gestaltung.


Susanne Kumar-Sinner
press@make-shift.info

Weiterführende Links:
www.make.city.berlin