10.12.2015 schirn kunsthalle

Ausstellung in Frankfurt: Daniel Richter - Hello. I Love you

von: GFDK - Schirn

Die Schirn Kunst­halle Frank­furt zeigt in einer fokus­sier­ten Einzel­prä­sen­ta­tion eine neue Serie des deut­schen Malers Daniel Rich­ter.

Die rund 30 Gemälde, die in der Schirn zum ersten Mal der Öffent­lich­keit präsen­tiert werden, stel­len eine Zäsur im Werk des Künst­lers dar. Daniel Rich­ter (* 1962) ist einer der prägen­den Künst­ler seiner Gene­ra­tion, dessen male­ri­sches Werk seit den späten 1990er-Jahren in zahl­rei­chen Ausstel­lun­gen gefei­ert wurde. Mit seinen neuen Arbei­ten bricht Rich­ter mit dem, was in seiner Male­rei bislang vertraut erschien. In den letz­ten zwei Jahren hat er sich mit der ihn heraus­for­dern­den Frage beschäf­tigt: „Wie lässt sich ein Bild formal redu­zie­ren und doch gleich­zei­tig inhalt­lich aufla­den?“

Ausstellung Gerhard Richter

Auf der Suche nach Antwor­ten und Lösun­gen entwi­ckelte Rich­ter eine neue Bild­spra­che, die sich der gewohn­ten Moti­vik und Malweise, den bekann­ten Farben und Themen entzieht. Seine Kunst­werke zeich­nen sich durch eine bemer­kens­werte stilis­ti­sche Viel­schich­tig­keit und Wand­lungs­fä­hig­keit aus: Den Mitte der 1990er-Jahre entstan­de­nen abstrakt-orna­men­ta­len Gemäl­den setzte er um das Jahr 2000 groß­for­ma­tige, stär­ker figu­ra­tive und narra­tive Bilder einer gesell­schafts­po­li­ti­schen Wirk­lich­keit entge­gen. Durch das Kreu­zen kunst­his­to­ri­scher, massen­me­dia­ler und popkul­tu­rel­ler Versatz­stü­cke schuf er eigen­wil­lige Welten. 2015 sind die Bild­mit­tel redu­ziert, die Malweise ist verein­facht, die einge­spiel­ten Bild­the­men sind verschwun­den, und das Bild ist auf seinen abstrak­ten Urzu­stand zurück­ge­führt. Die Gemälde der neuen Serie suchen eine unge­wohnte Konfron­ta­tion. Der Künst­ler lässt auf forma­ler und inhalt­li­cher Ebene grobe, verein­fachte Farb- und Bedeu­tungs­mas­sen aufein­an­der­sto­ßen.

Ausstellung in Frankfurt

Die neue Serie umfasst zwei Werk­grup­pen. In der einen widmet sich Rich­ter der Betrach­tung des Körpers und der Körper­lich­keit. Der mensch­li­che Körper war in seinen bishe­ri­gen Arbei­ten stark kontu­riert und stets in eine über­ge­ord­nete Erzäh­lung einge­bet­tet. Rich­ter behält zwar das Scha­blo­nen­hafte und Fleisch­lose der Figu­ren bei, geht aber weiter: Sein Inter­esse gilt zual­ler­erst der Ober­flä­che. Er lässt die Formen male­risch verschwim­men und löst die Figu­ren auf. So domi­niert eine frag­men­tierte, gebro­chene Körper­lich­keit. Die Figu­ren sind flach und in sich verknäult, die Formen pral­len scho­nungs­los aufein­an­der und deuten auf die mensch­li­che unbe­herrschte Sexua­li­tät, die sich in der Porno­gra­fie visu­ell verfes­tigt. Rich­ter entwi­ckelte seine jüngs­ten Arbei­ten von der Linie und der Farbe ausge­hend.

Die Linie ist in seinen neuen Arbei­ten nicht nur ein rein forma­les Mittel der Reduk­tion, sondern der Ausgangs­punkt der Bild­ge­stal­tung. Sie versinn­bild­licht gleich­sam Rich­ters Vorstel­lung von Bild­sys­te­men und -sche­mata, die dem Menschen Phäno­mene der Wirk­lich­keit zu erfas­sen und grafisch darzu­stel­len helfen. Letz­te­res wird beson­ders in der ande­ren Werk­gruppe deut­lich. In Anleh­nung an Diagramme, mit denen Daten, Sach­ver­halte oder Infor­ma­tio­nen visua­li­siert werden, malt Rich­ter amöben­hafte Felder auf einen nach­träg­lich einfar­big ange­leg­ten Unter­grund. Die Arbei­ten erin­nern an Land­kar­ten oder Darstel­lun­gen von Terri­to­ri­al­g­ren­zen. Alle Gemälde der neuen Serie beste­chen durch ihre Mate­ria­li­tät. Rich­ter verzich­tet fast gänz­lich auf das Malen mit dem bewähr­ten Pinsel.

Anders als bei den älte­ren Arbei­ten tönt er alle verwen­de­ten Farben mit Weiß ab. Bis auf den Bild­hin­ter­grund malt er in den neuen Arbei­ten ausschließ­lich mit Ölkreide. Dies führt zu einem grund­sätz­lich gewan­del­ten Erschei­nungs­bild. Rich­ter vermei­det zudem eine klare Sinn­bild­lich­keit und lässt keinen Raum für anek­do­ti­sche Deutun­gen. Dennoch spie­geln seine Bilder seine starke Haltung gegen­über der Kunst und der Welt wider.