11.07.2012 07:34 unvergleichliches Mittelalterfest im spätsommer

Reisen und Urlaub: Zeitreise ins Märchenland zur jahrhundertealten Burg im portugiesischen „Castro Marim“

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Von: Katharina Manzke / bfs - 5 Bilder

In der jahrhundertealten Burg im portugiesischen „Castro Marim“ findet jedes Jahr im Spätsommer ein unvergleichliches Mittelalterfest statt – die „dias medievais“.

(bfs) – „Castro Marim“ – das bedeutet auf Deutsch „am Meer gelegene Festung“. Von dem kleinen Ort mit seiner stolzen Burg, der direkt an der Grenze zwischen Portugal und Spanien liegt, kann man heute das Meer nicht mehr erblicken. In der Antike, als hier ein wichtiger Schutzhafen und Warenumschlagplatz für Phönizier und Römer entstand, war es noch da. Auch als die Festung bis ins Jahr 1356 dem Orden der Christusritter – den Nachfahren der Templer – als Stammsitz diente. Aber riechen kann man das Meer in Castro Marim immer noch ein bisschen, denn die Atlantikküste, die portugiesische Algarve, ist nur wenige Kilometer entfernt. Überhaupt hat die Burganlage, welche die meiste Zeit des Jahres von einer eher kargen Landschaft umgeben ist, ihren Hafencharakter behalten. Sie ragt stolz und majestätisch aus einem Meer aus Hügeln und weißgetünchten, typisch südländischen Häuschen hervor. Sieht man sie von Weitem fühlt man sich sofort wie in eine andere Welt versetzt. Wollte man einen Film über eine Zeitreise ins Mittelalter drehen, dann wäre das Dorf an der Grenze zwischen Spanien und Portugal die perfekte Kulisse.

Tatsächlich besteht einmal im Jahr die Möglichkeit eine solche Zeitreise zu unternehmen – und das mit Garantie für eine glückliche Rückkehr in die Wirklichkeit: Bereits seit 13 Jahren finden in „Castro Marim“ regelmäßig die „dias medievais“ – auf deutsch „Mittelalter-Tage“ – statt. Wer hier einzelne Stände mit Kunsthandwerk und ein paar verkleidete Menschen in Ritterrüstung und Bardengewand erwartet, findet dies zwar vor, erlebt aber weit mehr als eine Kostümshow. Die „dias medievais“ verzaubern durch eine Atmosphäre, wie man sie auf gewöhnlichen Mittelalterfesten lange suchen kann. Sie stecken an mit einer ausgelassenen Volksfeststimmung und entführen dabei zugleich konsequent in eine Welt, die an ein Märchen erinnert. Natürlich wird das Mittelalter – oder was sich die Veranstalter darunter vorstellen – nur von seiner Schokoladenseite präsentiert. Es geht den Ausrichtern dieses Spektakels schließlich darum, ein Fest zu feiern, welches zahlreiche Genüsse für alle Sinne bereit hält. Man sieht Personen in Gewändern aus edlen Stoffen, kunstvoll geschmiedeten Silberschmuck, der kühl in der heißen portugiesischen Sommersonne funkelt, Töpferwaren, skurril aussehende Musikinstrumente, Attrappen von Eisenwaffen, die heute niemand mehr benutzt oder benutzen sollte – außer vielleicht in einem geschützten Rahmen wie diesem. Beim Schlendern über diesen Bazar, der sich durch das gesamte Dorf erstreckt, kann man schon mal die Zeit vergessen. Vor allem, weil es beim Einkaufen gilt, mit einer unbekannten Währung zurecht zu kommen. Man bezahlt mit „Reales“, die jeder Besucher in einer Wechselstube am Burgeingang eintauschen kann.

Wenn es dann langsam dunkel wird, verzaubern Fackeln, die ringsum befestigt sind, mehr und mehr die Atmosphäre: Die Schatten werden groß, die Wege wirken lang und ungewiss. Vor allem das Betreten der Festung wird zum Abenteuer. Neben den Augen, sollte man sich einfach von Nase und Ohren führen lassen. In einem Stall meckern Ziegen, am Stand daneben gibt es heißen Honig-Met oder den berühmten portugiesischen Portwein, der innerhalb kürzester Zeit zu Kopf steigt und die Stimmung hebt. Über einem offenen Feuer brutzelt währenddessen ein ganzes Schwein, welches der Koch mit einem gewaltigen Messer in großzügige Stücke zerteilt. Es duftet einmal süß, einmal würzig, dann wieder steigt einem der strenge Geruch von gebratenem Fisch in die Nase.


Die Geräuschkulisse ist ähnlich wechselhaft: Im Innenhof der Burg wird fröhlich zu den Klängen von Dudelsack und Schalmeien getanzt. An anderer Stelle wird auf Portugiesisch laut über Politik und die Gesellschaft lamentiert. Die Show eines Feuerspuckers sorgt hingegen für atemloses Schweigen und die geheimen, „magischen“ Worte einer Hexe sind nur für die Ohren eines einzelnen – selbstverständlich zahlenden – Kunden bestimmt. Die romantisierenden Mittelalter-Klischees, die hier bedient werden, sorgen bei diesem Fest für einen enormen Spaß. Sie kreieren eine traumartige Welt, in der man sich mit einer Papierkrone auf dem Kopf tatsächlich wie eine Prinzessin aus einem Märchen fühlt.

Kontakt:

Turismo de Portugal, I.P. Rua Ivone Silva, Lote 6 1050-124 Lisboa Tel.: +351-211 140 200 Fax: +351-217 810 009 www.visitportugal.com

 

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