09.03.2013 08:00 Das Zauberwort: Achtsamkeit

Ganz entspannt hinhören - Wege finden, mit dem Druck des Alltags umzugehen mit einer uralten Methode

© Beyond Five Stars

Von: Natalia Kippert

Man könnte eine Stecknadel fallen hören. Die Sonne scheint durch die Fenster herein und wärmt allen den Rücken. Es herrscht konzentrierte Stille, denn alle Anwesenden sind in Achtsamkeitsmeditation vertieft. Auch Jürgen, der aufrecht im Schneidersitz auf einem roten Kissen sitzt. Der bodenständige 43-jährige Veranstaltungskaufmann will so gar nicht das Klischee eines Meditationskurs-Teilnehmers erfüllen. „Mir ist bewusst, dass sich überwiegend Frauen für diese Thematik interessieren“, sagt er. „Ich war außerdem bis vor Kurzem der Meinung, dass Meditation immer etwas mit Esoterik zu tun haben muss. Eine Art Hokus-Pokus, im Extremfall gleich eine ganze Ideologie.“ Dann fing sein engagierter Chef für die immer populärer werdende Idee der Achtsamkeit Feuer und meldete seine elfköpfige Truppe bei einem Einführungsseminar in Bad Rappenau an.


Im Hotel Schloss Heinsheim werden über zwei Tage die Grundlagen und Techniken der Methode erlernt. Das Konzept klingt zunächst einmal recht einfach. Beobachten ist die Devise, entspannen und die eigenen Gedanken, Gefühle, Bedürfnisse betrachten. Das tun wir doch ständig, mag man jetzt denken, aber die Kunst liegt darin, die Emotionen nicht zu bewerten, sich von ihnen nicht vereinnahmen zu lassen. 
Mittlerweile findet die Achtsamkeitsmeditation selbst bei psychischen und physischen Erkrankungen zur Therapieunterstützung Anwendung. Aber es bedarf keiner medizinischen Indikation, um von jenem Wissen zu profitieren, das seinen Ursprung im Buddhismus hat. Wer kennt es nicht, das Gedankenkarussell, das sich unaufhörlich dreht, sobald es einmal angestoßen wurde?

Wer lernt, seine Emotionen zuzulassen, kann es schaffen, ihnen gegenüber eine neutrale, unaufgeregte Perspektive einzunehmen. Ganz so weit ist Jürgen noch nicht. Ab und zu wird er einfach zappelig, möchte auffahren, umherspringen oder doch eben schnell ins Büro fahren. Sein Job hatte ihn zuletzt immer mehr im Griff. „Im Würgegriff“, fügt er stirnrunzelnd hinzu. „Dabei macht mir meine Arbeit sogar Spaß. Das kann auch nicht jeder von sich behaupten.“ Trotzdem belächelte er den Einfall seines Chefs zunächst. „Ich hatte einfach Vorurteile. Die positiven Ergebnisse der Forschung zum Thema Meditation haben mich aber letzten Endes überzeugt“, sagt er.

In der Tat belegen zahlreiche Studien, dass das Stressempfinden durch regelmäßige Meditation eindeutig gesenkt wird. Patienten mit Zwangsneurosen und Traumata können ohne trügerische Verdrängungsmechanismen eine gewisse Distanz zu ihren Leiden entwickeln. Und sogar bei chronischen Schmerzen wird über deutliche Linderung berichtet. Was die Achtsamkeit aber nicht für sich beansprucht, ist Heilung. Wer Schmerzen hat, wird sie weiterhin empfinden. Aber der veränderte Umgang mit den Symptomen verhindert eine durch Angst ausgelöste Verkrampfung und somit auch Begleit- und Folgeerscheinungen. „Ich habe nicht vor, mein Leben umzukrempeln“, gibt auch Jürgen zu verstehen. „Aber ich spüre, dass ich meine Sicht auf die Dinge verändern kann. Gestern, nach dem ersten intensiven Vormittag, musste ich einfach raus. Seit langer Zeit konnte ich die Natur mal wieder richtig genießen.“

In Bad Rappenau fügt sich die Achtsamkeit als Methode zur Steigerung des Wohlbefindens in ein umfassendes Konzept ein. Die baden-württembergische Kurstadt hat sich auf ganzer Linie der Heilung und Gesundheitsförderung verschrieben. Seit der Entdeckung eines Salzlagers im Jahr 1822 und der Begründung der Rappenauer Saline wuchs das Kur- und Wellnessangebot stetig. Heute sind in Bad Rappenau fünf Kliniken mit unterschiedlichsten Spezialgebieten ansässig, und in der Sole- und Saunalandschaft „RappSoDie“ können Gäste die Akkus durch Bäder, Massagen, Saunagänge oder Kosmetikbehandlungen wieder aufladen. 
In dieser heilsamen, professionellen Umgebung stellen die Achtsamkeitsseminare gewissermaßen eine logische Konsequenz dar. Man ist hier stets auf dem neuesten Stand, was die Themen Gesundheit und Erholung betrifft. Und so kommt denn auch die Meditation hier nicht als esoterisches Experiment daher.

Dieter Wohlschlegel, Geschäftsführer der Bad Rappenauer Touristikbetrieb GmbH, freut sich über die neuen Entwicklungen: „Wir als Kurstadt sind immer offen für neue Gesundheitskonzepte. Uns war wichtig, dass ein direkter, neutraler Zugang zur Materie angeboten wird. Das wissen auch unsere Gäste zu schätzen.“ Immer häufiger kommen neben Privatpersonen auch Firmen nach Bad Rappenau, um ihren Mitarbeitern Stress zu nehmen und alternative Wege aufzuzeigen. Wenn das gelingt, ist es ein Gewinn für alle.

 

 

 

 

 

 

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