Präsentation von Künstlern und ihren Werken

21.04.2013 Erinnerung und Phantasie im Wechselspiel

GFDK - Professor Jost Funke

Die Kunst der Malerin Nina Nolte bezaubert durch die Lebendigkeit ihrer Sujets und die Brillianz der Ausführung. Ihre Bilder zeigen vertraute Themen der Kunstgeschichte, jedoch versteht es die Künstlerin, sie so darzustellen, als sähen wir sie zum ersten Mal. In einer klaren Bildsprache, die die Gegenstände zeichenhaft vereinfacht, realisiert sie eine Malerei, deren Farbigkeit überwältigt.

Dabei gelingt der Malerin mühelos die Synthese von Intellekt und Emotion. Dem beschreibenden Bildelement Zeichnung, das die Form der Objekte fixiert, fügt die Farbe die subjektive Deutung hinzu.

Der Grundton eines jeden Bildes wird mit dem flächig aufgetragenen Hintergrund festgelegt – vor diesem entsteht dann, nur durch Umrisse und Binnenzeichnungen definiert - das eigentliche Thema. Nina Noltes Farben sind stehts intensiv-leuchtend, oft in überraschenden, brillanten Kombinationen, die zur Verfremdung der Bildgegenstände beitragen.

Auf die Welt und den Menschen

Erinnerung und Phantasie der Künstlerin wirken in einem Wechselspiel zusammen, das die Realität mit Sinnlichkeit wahrnimmt, aber auch das Sinnliche in die Realität eines Kunstwerks überführt.

Die Vielfalt der Themen im bisherigen Werk der Künstlerin verschmilzt in der inneren Verwandschaft, mit der die bildnerische Handschrift der Malerin die Vielheit der Gegenstände zur Einheit der künstlerischen Botschaft verdichtet.

Für den Betrachter verbindet sich dadurch der Reiz des Wiedererkennens mit dem Erlebnis einer individuellen malerischen Sicht auf die Welt und den Menschen.

Geheimnis und Offenbarung

Die Unbeschwertheit, mit der die Malerin ihre Deutung von Wirklichkeit vorträgt, wird erst durch eine souveräne Beherrschung der bildnerischen Mittel möglich.

Der Perfektion der Zeichnung entspricht der meisterliche Umgang mit dem Phänomen Farbe, sodaß aus der Beschreibung von Welt unter den Händen der Malerin eine Neuschöpfung von Welten geschieht, die Alltägliches und Flüchtiges in die poetische Zeitlosigkeit der Kunst transponiert.

Darin liegt das Geheimnis und zugleich die Offenbarung der Kunst Nina Noltes.

Jost Funke Professor für Bildende Kunst und Kunstgeschichte an der Hochschule Bremen

Galleriekontakt:

thomas punzmann fine arts - germany
weckmarkt 1
60311 frankfurt am main, germany
tel.: + 49 - (0)69 - 244 50 191
cellphone: + 49 - (0)170 - 565 1982

Nina Nolte nina@ninanolte.com

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16.04.2013 neue bildwirklichkeit

GFDK - Galerie Parrotta Contemporary Art - 6 Bilder


Agata Madejska (geb. 1979 in Warschau, lebt und arbeitet in London und Essen) findet ihre oftmals erst auf den zweiten Blick erkennbaren Bildmotive im urbanen Raum. In ihren Bildern löst sie prägnante architektonische Strukturen wie Denkmäler oder Wolkenkratzer aus dem sie umgebenden Stadtraum heraus und überführt sie mit den grundlegenden Mitteln der Fotografie wie Licht, Kontrast, Komposition und Entfremdung in eine neue Bildwirklichkeit.

Sowohl historisch stark aufgeladene Objekte wie das Denkmal des Kleinen Aufständischen im ehemaligen Warschauer Ghetto als auch temporäre Installationen wie der Sky Mirror von Anish Kapoor in London werden in ihren Fotografien zu abstrakten Zeichen, die den Bildraum dominieren. In ihrer manifesten, geradezu theatralischen Anwesenheit sind die Dinge jedoch umso mehr abwesend. Madejskas Fotografien lassen sie als das erscheinen, was sie sind: prekäre Projektionsflächen einer sich immer wieder selbst vergewissernden Kultur.

Sie isoliert in ihren fotografischen Serien architektonische Strukturen – beispielsweise Denkmäler und Spielplatzobjekte, wie Rutschen oder Schaukeln – von dem Stadtraum, der diese umgibt. Ihre sehr präzise und langsame Arbeitsweise – Madejskas Werkgruppen umfassen kaum mehr als zehn Fotografien und entstehen über mehrere Jahre hinweg – spiegelt die Perfektion ihrer Bildsuche und -behandlung. Fast wissenschaftlich nähert sich die 1979 in Warschau geborene Künstlerin einem Thema. Sie recherchiert, macht Skizzen und Notizen und sucht lange, bis sie ihre Bildmotive gefunden hat.

Ein fast konservativ wirkendes, dabei dezidiert künstlerisches Verständnis des fotografischen Mediums ist in ihren Arbeiten erkennbar. Alle Aufnahmen entstehen analog, ohne künstliches Licht, unter Einbeziehung der natürlichen Witterungen. Ideogram (2007–2009) – eine Serie von acht Bildern, die jeweils ca. 60 x 45 cm – fotografierte Madejska bei grauweiß bedecktem Himmel. Die Serie zeigt Hochhäuser, die durch die Konzentration auf die oberen Gebäudeteile von dem Stadtraum isoliert wirken.

Alles Störende ist ausgespart. Diese Porträts von Gebäuden sind kühl und zart zugleich. Sie haben eine stark zeichnerische Ästhetik, ähnlich einer Architekturskizze, und werden allein durch die Streben der Glasfassaden strukturiert. Farblich sind die Aufnahmen fast monochrom. Eine Rücknahme der Farbigkeit findet sich in allen Arbeiten von Agata Madejska, auch ihrer neuesten, 2010 begonnen Serie The Order of Solids. Erneut grenzt Madejska ihre Bildmotive – Denkmäler, Skulpturen und Springbrunnen - von der Umgebung ab.

Die bilddominierenden Objekte des öffentlichen Raumes können in der Abstraktion der Darstellung zum Teil erst durch den schmalen Bildrand, in dem Häuser und Bäume zu sehen sind, entziffert werden. Sie interessieren Madejska in ihrer Funktion als Projektionsflächen eines kulturellen Kontextes und können als eine übermächtige und gleichzeitig abstrahierende Auseinandersetzung mit der Geschichte und ihrer Repräsentation verstanden werden. The Order of Solids verdeutlicht darüber hinaus Madejskas Interesse und ihre Hinwendung zur Skulptur, zur Dreidimensionalität sowie ihr Verständnis von Fotografie als Ausgangs- aber nicht Endpunkt ihres künstlerischen Schaffens. In der Präsentation der Bilder versucht sie stets ihren Bildraum skulptural zu erweitern.

Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich wie in der neuesten Entwicklung ihrer Arbeiten tatsächlich um Objekte im Raum handelt oder ob sich dieses spezifische Interesse für den Raum in der Rahmung der Bilder ausdrückt. Die Präzision ihres Arbeitens zeigt sich in ihrem gesamten Werk – in der Stringenz des Motivs und der Kontrolle des Abzuges, der Präsentationsform und der Installation. Text: Lisa Marei Schmidt

Agata Madejska, 1979 in Warschau geboren, lebt und arbeitet in London und Essen. Sie studierte an der Folkwang Universität der Künste in Essen und am Royal College of Art in London. Im vergangenen Jahr erhielt sie das Förderstipendium des Landes Nordrhein-Westfalen sowie ein Stipendium der Kunststiftung NRW für eine monographische Publikation. In der kestnergesellschaft Hannover war sie an der Ausstellung 'MADE IN GERMANY ZWEI' beteiligt. Zeitgleich zur Ausstellung in Stuttgart sind Madejskas Arbeiten auch in 'Twisted Entities. Zeitgenössische polnische Kunst' im Museum Morsbroich Leverkusen zu sehen.

 

Kontakt

Galerie Parrotta Contemporary Art
Augustenstr. 87-89
D - 70197 Stuttgart
T +49.711.69 94 79 10
F +49.711.69 94 79 20
mail@parrotta.de

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03.04.2013 sozial engagierte Fotografie

GFDK - Christoph Lieck - 9 Bilder

Der deutsche Fotograf Thomas Karsten (55) erhält den diesjährigen Fotopreis der Michael Horbach Stiftung. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wird alle zwei Jahre an Künstler vergeben, die gesellschaftlich relevante Themen in den Mittelpunkt ihrer Arbeit stellen. Thomas Karsten erhält den Preis für seine Arbeiten „60 Bicycles for Uganda“ und „Foundation MUKISA, Uganda“ aus den Jahren 2011.

„60 Bicycles for Uganda“ ist Dokument einer Hilfsaktion, in der unter großem persönlichen Einsatz Fahrräder an bedürftige Familien verteilt wurden, mit denen diese ihren Lebensunterhalt als Kurierfahrer bestreiten. „Foundation MUKISA“ porträtiert Mütter mit behinderten Kindern – ein nicht nur in Uganda mit vielen Vorurteilen und Ängsten belegtes Thema.

„Thomas Karsten fotografiert mit einem zugewandten und zugleich unaufgeregten Blick, der sich über sein Gegenüber weder erhebt noch den Fotografen zum heimlichen Gegenstand  des Bildes macht. Ganz im Gegenteil: Seine subtilen Kompositionen, seine diskrete Lichtführung und sein Einfühlungsvermögen für andere stellen diejenigen in den Mittelpunkt, um die es in sozial engagierter Fotografie gehen sollte: Die Menschen und ihre Lebensumstände“, so Stiftungsgründer Michael Horbach über den Preisträger.

Über Thomas Karsten


Thomas Karsten wurde 1985 in Eisenach, Thüringen geboren. Vom DDR-Regime an einer akademischen Ausbildung gehindert, fand er in den frühen 80er Jahren in der Fotografin und Hochschuldozentin Evelyn Richter eine erste fotografische Mentorin.


1982 verließ Karsten die DDR in Richtung Westen und setzte seine Karriere als freier Fotograf und Assistent von Stefan Moses in München fort. Seit 1983 selbstständig, machte er sich mit Porträt- und Aktarbeiten einen Namen und arbeitete unter anderem für Stern, Art, Eltern, Nerve (New York) und Capital. Sein erster Bildband im Verlag C.J. Bucher „Thomas – mach ein Bild von uns“ erhielt 1988 den renommierten Kodak Fotobuchpreis. Viele seiner seither erschienenen 17 Buchpublikationen gelten als Ikonen der Akt- und
Porträtfotografie. Seine Arbeiten werden in zahlreichen Galerien und Museen des In- und Auslands ausgestellt.

Seit rund fünf Jahren ist Thomas Karsten auch als Kameramann aktiv. Sein Kurzfilm „A good catholic girl“ (2011) lief im Programm des Filmfestivals Cannes, sein Langfilm “State Research Bureau” (2010) wurde auf dem Pearl Film Festival mit dem Preis für die beste Kameraarbeit ausgezeichnet. Thomas Karsten ist seit 2010 mit der Uganderin Joanita Karsten (geb.Tusubira) verheiratet und hat seither mehrere Arbeiten in dem ostafrikanischen Land fotografiert, darunter die beiden jetzt prämierten Serien. Mehr Info: www.thomaskarstenphotography.com


Über „60 Bicycles for Uganda“ und „Foundation MUKISA“


„60 Bicycles for Uganda“ dokumentiert eine Hilfsinitiative der Michael Horbach Stiftung, nämlich die Verteilung von Fahrrädern an bedürftige Familien in Uganda. In den meisten ländlichen Gebieten Ugandas gibt es keine öffentlichen Transportmittel. Der Besitz eines Fahrrades kann den ugandischen Familien daher die Möglichkeit eröffnen, als Kleinunternehmer tätig zu werden. Sie können mit dem Fahrrad beispielsweise Güter transportieren oder Taxidienste anbieten und sich damit eine eigene Existenz aufbauen.


Die gestifteten Fahrräder wurden von Thomas Karsten und seiner Frau vor Ort an die Familien verteilt – ein aufgrund der lokalen Verhältnisse mit großen logistischen Schwierigkeiten behaftetes Unterfangen. Die Bilder zeigen in der Manier klassischer, inszenierter Familienporträts die Empfängerfamilien unmittelbar nach der Übergabe der Fahrräder. „Foundation MUKISA“ ist eine Serie von Einzelporträts von ugandischen
Müttern mit ihren Kindern, die an einer Behinderung leiden. MUKISA ist der Name einer Stiftung, die sich um dieses Familien kümmert und in der Thomas Karsten die Menschen porträtierte.

„In Afrika ist eine Behinderung oft mit einem Stigma verbunden. Für Kinder, die davon betroffen sind, ist es besonders schwer: Es gibt keine Gesetze, die sie schützen, sie haben keine Rechtsansprüche. Hinzu kommt der in vielen Teilen Afrikas noch weit verbreitete Aberglaube. Mütter von behinderten Kindern werden oft noch der Hexerei beschuldigt und nicht selten von ihren Männern verlassen. Sie schämen sich für ihre Kinder und verstecken sie vor den Augen der Gemeinschaft. Mein Anliegen war, diesen Schleier zu lüften und den Frauen und ihren Kindern ein Gesicht zu geben“, so Thomas Karsten über seine Serie.

Über Michael Horbach und die Stiftung


Michael Horbach (62) stieg im Jahr 2000 aus einem erfolgreichen Unternehmerleben aus und gründete die Michael Horbach Stiftung, die Entwicklungsprojekte in Ländern der sogenannten Dritten Welt fördert und
sozial engagierten Künstlern eine Plattform bietet. Schon während seiner Unternehmertätigkeit hat er sich einen Namen als Sammler und Galerist gemacht.

Seine Fotosammlung „Die andere Seite der Schönheit“ wurde 1995 erstmals im Rheinischen Landesmuseum Bonn ausgestellt und befand sich dort bis 2011 als Dauerleihgabe in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft Photo Archiv e.V. (Prof. Klaus Honnef). Von 1996 bis 1991 führte Horbach neben seinem Unternehmen die Galerie Hans Müller mit Künstlern wie Blalla W. Hallmann, Thomas Huber, Marie-Jo Lafontaine und Heinz Zolper. „Mein Cuba“ ist die erste große Einzelausstellung seiner Werke.


Christoph Lieck

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Kunsträume der Michael Horbach Stiftung
Wormser Str. 23
50677 Köln
T. 0221.168223-27
presse@michael-horbach-stiftung.de
www.michael-horbach-stiftung.de

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05.11.2012 nehmen ihren Ausgang im Alltäglichen

GFDK - Kunstverein Trier Junge Kunst -7 Bilder

Die Arbeiten der Bildhauerin Katharina Maderthaners oszillieren zwischen skurrilem Postamt-Charme und Minimalismus-Bekenntnis: sie fordert das Überwiegen eines dieser Elemente in den verschiedenen Objekten und Skulpturen heraus, ohne es zu entscheiden. Die Objekte halten sich so in einem rätselhaften Zwischen, muten jedoch (oder gerade deshalb?) nicht hermetisch an. 

Alle Arbeiten nehmen ihren Ausgang im Alltäglichen. Diese Anleihe ist offenkundig, wenn sie auch nicht mimetisch kalkuliert ist. Indem Teile addiert, Situatives ironisch gewendet, Banales heroisiert, Industrielles handgefertigt wird, findet stets eine Verschiebung der wesentlichen Eigenschaften des Vorgefundenen statt, die diese jedoch nie vollständig umdeutet, vielmehr durchlässig für sie bleibt. 

Die Widersprüchlichkeit zwischen Rauputz-Romantik und radikal reduzierter Ästhetik, zwischen Gewöhnlichem und Gefügtem wird in den Objekten Maderthaners nicht aufgehoben oder bagatellisiert, sondern jeweils ausgehalten. 

In der Ausstellung "maybe" im Kunstverein Trier Junge Kunst zeigt die Künstlerin eine eigens für den Raum entwickelte Installation, in der sie den Bogen zwischen stereotyper Photoshop-Ästhetik und real-plastischen Verputz-Strukturen spannt.

 


3. November bis 1. Dezember 2012


Galerie Junge Kunst
Karl-Marx-Straße 90, 54290 Trier
0651 / 9 76 38 40

kunstverein@remove-this.junge-kunst-trier.de

 

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