Präsentation von Künstlern und ihren Werken

03.04.2013 sozial engagierte Fotografie

GFDK - Christoph Lieck - 9 Bilder

Der deutsche Fotograf Thomas Karsten (55) erhält den diesjährigen Fotopreis der Michael Horbach Stiftung. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wird alle zwei Jahre an Künstler vergeben, die gesellschaftlich relevante Themen in den Mittelpunkt ihrer Arbeit stellen. Thomas Karsten erhält den Preis für seine Arbeiten „60 Bicycles for Uganda“ und „Foundation MUKISA, Uganda“ aus den Jahren 2011.

„60 Bicycles for Uganda“ ist Dokument einer Hilfsaktion, in der unter großem persönlichen Einsatz Fahrräder an bedürftige Familien verteilt wurden, mit denen diese ihren Lebensunterhalt als Kurierfahrer bestreiten. „Foundation MUKISA“ porträtiert Mütter mit behinderten Kindern – ein nicht nur in Uganda mit vielen Vorurteilen und Ängsten belegtes Thema.

„Thomas Karsten fotografiert mit einem zugewandten und zugleich unaufgeregten Blick, der sich über sein Gegenüber weder erhebt noch den Fotografen zum heimlichen Gegenstand  des Bildes macht. Ganz im Gegenteil: Seine subtilen Kompositionen, seine diskrete Lichtführung und sein Einfühlungsvermögen für andere stellen diejenigen in den Mittelpunkt, um die es in sozial engagierter Fotografie gehen sollte: Die Menschen und ihre Lebensumstände“, so Stiftungsgründer Michael Horbach über den Preisträger.

Über Thomas Karsten


Thomas Karsten wurde 1985 in Eisenach, Thüringen geboren. Vom DDR-Regime an einer akademischen Ausbildung gehindert, fand er in den frühen 80er Jahren in der Fotografin und Hochschuldozentin Evelyn Richter eine erste fotografische Mentorin.


1982 verließ Karsten die DDR in Richtung Westen und setzte seine Karriere als freier Fotograf und Assistent von Stefan Moses in München fort. Seit 1983 selbstständig, machte er sich mit Porträt- und Aktarbeiten einen Namen und arbeitete unter anderem für Stern, Art, Eltern, Nerve (New York) und Capital. Sein erster Bildband im Verlag C.J. Bucher „Thomas – mach ein Bild von uns“ erhielt 1988 den renommierten Kodak Fotobuchpreis. Viele seiner seither erschienenen 17 Buchpublikationen gelten als Ikonen der Akt- und
Porträtfotografie. Seine Arbeiten werden in zahlreichen Galerien und Museen des In- und Auslands ausgestellt.

Seit rund fünf Jahren ist Thomas Karsten auch als Kameramann aktiv. Sein Kurzfilm „A good catholic girl“ (2011) lief im Programm des Filmfestivals Cannes, sein Langfilm “State Research Bureau” (2010) wurde auf dem Pearl Film Festival mit dem Preis für die beste Kameraarbeit ausgezeichnet. Thomas Karsten ist seit 2010 mit der Uganderin Joanita Karsten (geb.Tusubira) verheiratet und hat seither mehrere Arbeiten in dem ostafrikanischen Land fotografiert, darunter die beiden jetzt prämierten Serien. Mehr Info: www.thomaskarstenphotography.com


Über „60 Bicycles for Uganda“ und „Foundation MUKISA“


„60 Bicycles for Uganda“ dokumentiert eine Hilfsinitiative der Michael Horbach Stiftung, nämlich die Verteilung von Fahrrädern an bedürftige Familien in Uganda. In den meisten ländlichen Gebieten Ugandas gibt es keine öffentlichen Transportmittel. Der Besitz eines Fahrrades kann den ugandischen Familien daher die Möglichkeit eröffnen, als Kleinunternehmer tätig zu werden. Sie können mit dem Fahrrad beispielsweise Güter transportieren oder Taxidienste anbieten und sich damit eine eigene Existenz aufbauen.


Die gestifteten Fahrräder wurden von Thomas Karsten und seiner Frau vor Ort an die Familien verteilt – ein aufgrund der lokalen Verhältnisse mit großen logistischen Schwierigkeiten behaftetes Unterfangen. Die Bilder zeigen in der Manier klassischer, inszenierter Familienporträts die Empfängerfamilien unmittelbar nach der Übergabe der Fahrräder. „Foundation MUKISA“ ist eine Serie von Einzelporträts von ugandischen
Müttern mit ihren Kindern, die an einer Behinderung leiden. MUKISA ist der Name einer Stiftung, die sich um dieses Familien kümmert und in der Thomas Karsten die Menschen porträtierte.

„In Afrika ist eine Behinderung oft mit einem Stigma verbunden. Für Kinder, die davon betroffen sind, ist es besonders schwer: Es gibt keine Gesetze, die sie schützen, sie haben keine Rechtsansprüche. Hinzu kommt der in vielen Teilen Afrikas noch weit verbreitete Aberglaube. Mütter von behinderten Kindern werden oft noch der Hexerei beschuldigt und nicht selten von ihren Männern verlassen. Sie schämen sich für ihre Kinder und verstecken sie vor den Augen der Gemeinschaft. Mein Anliegen war, diesen Schleier zu lüften und den Frauen und ihren Kindern ein Gesicht zu geben“, so Thomas Karsten über seine Serie.

Über Michael Horbach und die Stiftung


Michael Horbach (62) stieg im Jahr 2000 aus einem erfolgreichen Unternehmerleben aus und gründete die Michael Horbach Stiftung, die Entwicklungsprojekte in Ländern der sogenannten Dritten Welt fördert und
sozial engagierten Künstlern eine Plattform bietet. Schon während seiner Unternehmertätigkeit hat er sich einen Namen als Sammler und Galerist gemacht.

Seine Fotosammlung „Die andere Seite der Schönheit“ wurde 1995 erstmals im Rheinischen Landesmuseum Bonn ausgestellt und befand sich dort bis 2011 als Dauerleihgabe in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft Photo Archiv e.V. (Prof. Klaus Honnef). Von 1996 bis 1991 führte Horbach neben seinem Unternehmen die Galerie Hans Müller mit Künstlern wie Blalla W. Hallmann, Thomas Huber, Marie-Jo Lafontaine und Heinz Zolper. „Mein Cuba“ ist die erste große Einzelausstellung seiner Werke.


Christoph Lieck

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Kunsträume der Michael Horbach Stiftung
Wormser Str. 23
50677 Köln
T. 0221.168223-27
presse@michael-horbach-stiftung.de
www.michael-horbach-stiftung.de

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05.11.2012 nehmen ihren Ausgang im Alltäglichen

GFDK - Kunstverein Trier Junge Kunst -7 Bilder

Die Arbeiten der Bildhauerin Katharina Maderthaners oszillieren zwischen skurrilem Postamt-Charme und Minimalismus-Bekenntnis: sie fordert das Überwiegen eines dieser Elemente in den verschiedenen Objekten und Skulpturen heraus, ohne es zu entscheiden. Die Objekte halten sich so in einem rätselhaften Zwischen, muten jedoch (oder gerade deshalb?) nicht hermetisch an. 

Alle Arbeiten nehmen ihren Ausgang im Alltäglichen. Diese Anleihe ist offenkundig, wenn sie auch nicht mimetisch kalkuliert ist. Indem Teile addiert, Situatives ironisch gewendet, Banales heroisiert, Industrielles handgefertigt wird, findet stets eine Verschiebung der wesentlichen Eigenschaften des Vorgefundenen statt, die diese jedoch nie vollständig umdeutet, vielmehr durchlässig für sie bleibt. 

Die Widersprüchlichkeit zwischen Rauputz-Romantik und radikal reduzierter Ästhetik, zwischen Gewöhnlichem und Gefügtem wird in den Objekten Maderthaners nicht aufgehoben oder bagatellisiert, sondern jeweils ausgehalten. 

In der Ausstellung "maybe" im Kunstverein Trier Junge Kunst zeigt die Künstlerin eine eigens für den Raum entwickelte Installation, in der sie den Bogen zwischen stereotyper Photoshop-Ästhetik und real-plastischen Verputz-Strukturen spannt.

 


3. November bis 1. Dezember 2012


Galerie Junge Kunst
Karl-Marx-Straße 90, 54290 Trier
0651 / 9 76 38 40

kunstverein@remove-this.junge-kunst-trier.de

 

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