Präsentation von Künstlern und ihren Werken

26.08.2017 sie entwirft faszinierende Figuren

GFDK - Rosa Loy

Rosa Loy wird in einem Atemzug mit der Leipziger Schule genannt. Sie gehört zu den Malerinnen Deutschlands, die sich mit dem Mysterium der Frau und der neuen Romantik beschäftigen.

Die Romantik hat eine große Tradition in der Sächsischen Malerei. Rosa Loy integriert Feminines und Schönes in ihre Malerei und bietet so eine mehrschichtige Deutung ihrer Arbeiten an. Besonderes Interesse hat sie am überlieferten Wissen der Frauen, der neuen Weiblichkeit und der damit verbundenen Mysterienschule.

»Wir leben in einer Zeit, in der Paare wichtiger werden. An der Schnittstelle eines neuen Jahrtausend zeigen sich Veränderungen nicht nur in der Natur, auch im gesamtgesellschaftlichen Gefüge bewegt sich etwas - wir haben die Möglichkeit dies behutsam in humanistische Bahnen zu lenken. Im Großen wie im Kleinen lassen sich neue Wertmaßstäbe setzen.

Rosa Loy stellt die Weiblichkeit in den Fokus

Die Ergänzung von Frau und Mann, das Paar als Potenzierung beider Kräfte, ermöglicht eine neue Qualität. Jetzt besteht die Chance,  die jahrhundertelange Herabwürdigung und Ausbremsung der Frauen zu beenden und die Vorurteile gegenüber der weiblichen Intelligenz  aufzugeben.

Diesen Wandel unterstützt Rosa Loy in ihrer Arbeit. Ihre Malerei spiegelt auch die gelebte Partnerbeziehung mit ihrem Mann wieder, mit dem sie seit 1985 verheiratet ist. Sie arbeitet in Kasein auf Leinwand, diversen Techniken auf Papier und in verschiedenen grafischen Techniken. 

Die Malerin stammt aus einer Gärtnerfamilie, in der viel gemalt wurde. So erwarb sie zunächst das  Gartenbaudiplom  an der Humbolt Universität zu Berlin und arbeitete einige Jahre in diesem Beruf.

Danach studierte sie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst und schloß dieses als Meisterschülerin der Malerei ab. Sie wohnt in einem Leipziger Vorort inmitten eines Gartens und arbeitet in Leipzig.

In der Ausstellung »Manna« zeigte Rosa Loy 27 Bilder in der Kunsthalle Gießen. Anläßlich der Ausstellung erscheint ein umfassendes Buch mit Bildern aus den letzten 15 Jahren der Künstlerin zum Preis von 39,90 €


Öffentliche Sammlungen

MOCA, Los Angeles
MOMA, New York
PIN, München
Museum der bildenden Künste Leipzig
Galerie für zeitgenössische Kunst, Leipzig
Commerzbank Leipzig
Sammlung der Sparkasse, Leipzig
Deutsche Bank
Galeire Neue Meister, Albertinum, Dresden
Hypovereinsbank
Sammlung Verbundnetzt Gas AG
Sammlung Vattenfall, Berlin

Kontakt: Rosa Loy rosaloy@remove-this.gmx.net

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26.08.2017 Individualisten-Falle und GenderBox

GFDK - Marcel Ambrusch

Weibliche Figuren, nackt, in expressivem Rot – mit überprägnanten Geschlechtsmerkmalen, oft ohne den Körper im Gesamten darzustellen, stattdessen die natürliche Gestalt beinahe in sich auflösend. Will Barbara Rapp die Frau auf ihre Sexualität reduzieren? „Ja, in gewisser Weise tue ich das, aber keinesfalls in dem Sinne, dass ich eine solche Reduktion wünsche oder favorisiere“, stellt sie richtig.

Vielmehr reagiert Rapp mit ihrer selektiv überzeichneten Bildsprache auf die Überpräsenz des weiblichen (aber auch des männlichen) Körpers, funktionalisiert in der Medien- und Werbewelt. Sie bewegt sich also aus der Passivität eines Medienkonsumenten heraus und übernimmt selbst die Kontrolle über den Einsatz von Körperlichkeit, agiert und spielt, nutzt dieses „Werkzeug“ aktiv zur visuellen Umsetzung ihrer Inhalte.

Abseits verbitterter Opferrollenmelancholie ist sie fest davon überzeugt, mit selbstkritischem Humor viel offener auf die - nicht nur für Frauen - neuen Herausforderungen unserer Zeit reagieren zu können.

Ihr Ziel ist es aufmerksam zu machen, Fragen aufzuwerfen, für gesellschaftliche Probleme zu sensibilisieren, ohne dabei jedoch den Anspruch zu erheben, allgemeingültige Antworten bieten zu können und zu wollen. Denn auch damit würde letztlich die Verantwortung abgegeben: An ein Lösungsmodell von außen, das pauschal angewendet werden kann und nicht reflektiert werden muss.

Verfremdete, überblendete, oft verzerrt gedruckte Fotografien kombiniert Barbara Rapp mit Malerei und Grafik zu Mischtechnik-Collagen mit starker Aussagekraft. Sie erweitert praktisch die klassische Malerei um zeitgemäße Disziplinen und Techniken, was auch als Tribut an die behandelten Themen zu verstehen ist.

So hinterfragt sie beispielsweise das katholische System rund um den Zölibat mit ihrer visualisierten Aufforderung ‚nehmet und trinket alle davon‘, oder stellt im ‚schauraum‘ die angesichts hereinstürzender Schlagzeilen zunehmende Resignation und Praktik des Wegschauens auf den einbeinig fragilen Pranger.

Und sie beschreibt die Hintergründe zu ‚gluttony‘, das sie für ein italienisches Kunstprojekt geschaffen hat:  „Interpretation der Völlerei als Zivilisationskrankheit, mit Umkehrwirkung hin zur Magersucht/Bulimie.

Dritte-Welt-Kinder werden körperlich ausgebeutet und intellektuell „unten gehalten“; praktisch dazu genötigt, ihren Kopf für die physische und psychische „Verstopfung“ der westlichen Gesellschaft hinzuhalten. Derweilen träumen magersüchtige Party-Girls von monströsen Silikon-Titten und kotzen sich unter Zwangsernährung die Seele aus dem Leib.“

Assemblage, Objektkunst und Video behält sich Barbara Rapp als weitere Disziplinen offen, um zusätzliche visuelle Möglichkeiten je nach inhaltlicher Notwendigkeit auszuloten. Wo beispielsweise zwanghaftes Ausbrechen aus normativen Strukturen zur Persiflage seiner selbst wird, setzt ihre ‚IndividualistenBox‘ die vermeintliche Errungenschaft „ich bin ja so was von individuell“ in kursorische Verschachtelungen zurück.

Eine ‚GenderBoxOpen‘ verschachtelt ebenso, lässt unspezifische Körperlichkeit mit symbolisierter Männlichkeit oder Weiblichkeit kokettieren. Doch im kontrollierten Durcheinander der Orientierungslosen bleibt der Blick nach draußen frei.

Marcel Ambrusch
(mit Auszügen aus Texten von Simone Kraft und Karl-Peter Gerigk)

 

Informationen zu Barbara Rapp:

Lebt in Velden am Wörthersee (Österreich), arbeitet in Österreich und Deutschland. Jahrgang 1972.

Autodidakt. Mitglied IG Bildende Kunst Wien (IAA), Künstlervereinigungen.

Malerei (Acryl Collage) & Grafik, Mixed Media, Objekt, Video.

Thematische Schwerpunkte: Individualismus. Gender. Gesellschaft.

 

Ausstellungen/Projekte (Auswahl): 2011 Galerie Peithner-Lichtenfels, AT-Wien / / 2010 BBK Projekt Zeitgleich-Zeitzeichen, D-Fröndenberg / / Human Rights 2010 by Spazio Tempo, I-Rovereto / / Galerie Viktoria B, D-Bonn / / stARTup Emerging Artists, I-Verona / / Brooklyn Art Library, USA-New York / / Galerie Rimmer, AT-Velden 2009 KiC Nord Art, D-Büdelsdorf / / Galerie Hexagone, D-Aachen / / Atlanta Airport Atrium Gallery, USA-Atlanta / / Galerie am Gierkeplatz, D-Berlin 2008 Kanoria Centre for Arts, IND-Ahmedabad / / KunsthausSudhaus, AT-Villach / / Kunstraum Engländerbau, FL-Vaduz / / Liquid Art+Design Show, D-Düsseldorf 2007 Kunstraum D21, D-Leipzig / / Transit South Pole, KG-Bishkek 2005/2006 Kunstquartier Wien, AT-Wien / / Rathausgalerie, AT-Friesach / / Kunsthaussudhaus, AT-Villach

 

Kataloge, Presse, Publikationen: Katalog Zeitgleich-Zeitzeichen ART & Dialog Herbst

2010, Hrsg. BBK Deutschland / / Interview auf ngo online Europa Nachrichten / /

kaernten.tv Beitrag 4:08 Min. / / Katalog „heute ist die krone fällig“ Barbara Rapp, Hrsg.

Galerie Rimmer / / Betrachtungen von Kunsthistorikerin Simone Kraft

 

Abbildungen in der Reihenfolge wie im Text erwähnt:  

1) nehmet und trinket alle davon collage & mischtechnik auf leinwand 70x100cm 2009  

2) schauraum interpretation 1 collage & acryl mischtechnik auf leinwand 40x30cm 2009  

3) gluttony (völlerei) - 7 Sünden Collage | Acrylmischtechnik ca. 80x60cm auf Frontlit-Vinyl ca. 100x80cm mit Hohlsaum & Rundholz oben/unten 2010

4) IndividualistenBox1 Collage/Acrylmischtechnik auf Schachtel 12x12x6cm mit Ausschneidung und Inneneinlage "...so was von individuell ... bin ich so was von ..." Wandobjekt | Objektbox 2010    

5) Gender Box Open Kartonbox mit Unterteilungen + Frischhaltefolie + Klarsichtabdeckung und Inhalt: CollageAcrylMischtechnik, Halm+Gummi, Schweinchen+Alugitter, Haarwicklerobjekt+Eigenhaar. ca. 16x30x6cm | 2011          

 

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26.08.2017 Mimik, Gestik und Zustand

GFDK - Jörg Schwarz

In seinen mehr als 50 Arbeiten nimmt uns der Künstler mit auf eine Reise in die schaurig-schönen Untiefen der menschlichen Psyche. Perlets Figuren trotzen der Schwerkraft –  es sind Wartende und sehnsüchtig Hoffende, die in träumerischen, oft surrealistisch anmutenden Situationen ihren Wünschen und Ängsten begegnen.

Mathias Perlet studierte an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Er war Meisterschüler von Professor Arno Rink. Ebenso wie sein Kommilitone Neo Rauch zählt auch der 1958 in Elgersburg geborene Maler zu den Vertretern der „Neuen Leipziger Schule“. Er selbst sagt dazu: „Malerei ist die einzige Möglichkeit für mich mit meiner Umwelt zu kommunizieren.“ Dann schweigt Perlet.

„Mathias Perlet steht mit seinen Arbeiten in der Tradition der figurativen Malerei. Er verbindet das alte Schöne mit ungewöhnlichen Inhalten, die zu Unbehagen führen. Deshalb haben wir ihn ausgesucht“, erläutert Galerist Peter Lewerentz und Kathrin Kleeberg ergänzt:  „Perlet sucht den non-verbalen Dialog.“

Nonverbale Kommunikation auf der Leinwand. Geht das überhaupt? Klar. Auf Perlets Arbeiten gibt es keine Sprache und somit auch keine eindeutigen Geschichten, sondern Mimik, Gestik und Zustand. Farbe, Komposition und Bildaufbau behaupten den Raum.

„Seine stark komponierten Bilder wirken friedlich und beunruhigend zugleich, so entsteht mitunter eine beinahe magische Spannung“, erklärt die Galeristin und Künstlerin Kathrin Kleeberg. „Bevor jemand meine Arbeiten zu Gesicht bekommt, habe ich bereits den Schlüssel zum Bild weit weggeworfen,“ entgegnet der Künstler und dreht sich weg. Lassen wir also die Bilder reden und schweigen.  

 

Jörg Schwarz
PR, Journalismus & Lyrik
Erftstr. 20
40219 Düsseldorf

Schwarz20@remove-this.aol.com

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26.08.2017 ein faszinierender Bildhauer

GFDK - Letizia Fiori

Walter Bischoff begegnete Lluis Cera vor vielen Jahren zum ersten Mal bei der ARCO Madrid. Der in Barcelona 1967 geborene und lebende Katalane ist ein faszinierender Bildhauer.

Lluis Cera ist 1967 in Barcelona geboren. Er hat an der Universität in Barcelona Bildhauerei studiert. Er erhielt 1993 sein Diplom. Seit ca. 12 Jahren ist Lluis Cera ein sehr angesehener Künstler. Seit 1995 hatte er weltweit viele Ausstellungen und Auszeichnungen.

1986 erhielt er den  Preis für Skulptur der Stadt Cartona. 1987 den Preis Miguel Casablanca, Barcelona, 2001 den Preis für Skulptur der Banca Caixa, Valencia und 2002 den Preis für Skulptur de Alawa. 2003 wurde in Seoul/Korea eine 7,50 m hohe Skulptur aufgestellt. Zuletzt wurde im August letzten Jahres eine 2,5 t schwere Skulptur im Kurpark von Bad Liebenzell aufgestellt.

Eine von Lluis Cera begeisterte Amerikanerin hat diese Skulptur in Auftrag gegeben und der Stadt Liebenzell geschenkt. Darauf folgten Ankäufe des Museums für Zeitgenössische Kunst in Seoul/Korea, des bekanntesten südkoreanische Schauspielers Noh und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Das Zitat von Herbert Marcuse „ Obgleich sinnlich und daher empfänglich ist die ästhetische Vorstellungskraft schöpferisch: aus einer freien eigenen Synthese heraus entsteht die Schönheit“- entspricht voll und ganz Cera´s Arbeit. Cera arbeitet unglaublich sensibel und präzise - Marmor wird weich wie Kissen, präzise sind die Verbindungen der verschiedenen Materialien.

Cera dringt mit seinen Skulpturen in ein kreatives Universum vor. Bei den verwendeten Materialien – vor allem Marmor, Granit, Eisen, Bronze, Holz und auch Kunstharz – ist Sachkenntnis angesagt, alle Verbindungen müssen millimetergenau passen. Die Beschaffenheit wie Härte, Struktur, Faserung, Farbe muss beherrscht sein.

Von der figürlichen Form Kommend, wird für Lluís Cera zunehmend die Abstraktion wichtig. Das gegenständliche wird aber nicht vernachlässigt. Oft sind die weich und leicht wirkenden Formen in massivem Eisen eingebettet oder es wird der leicht wirkende Carrara-Marmor mit anderen Materialien verzahnt. Je nach gewähltem Material werden literarische Texte oder Textfragmente teils in verschiedene Sprache eingemeißelt oder aufgetragen.

Bereit seit Beginn seiner Bildhauer-Karriere war es für Lluís Cera ein Bedürfnis seine Skulpturen in harmonischen Einklang mit Literatur zu verbinden.

Nicht nur Künstlerisches Können hat Lluís Cera bei seinen Skulpturen bewiesen, sondern auch daß er über eine hervorragende Einfühlungsgabe verfügt. Hinzu kommt noch die äußerste Präzision in der technischen Ausführung. Im Geiste wohnt die Erinnerung. Lluís Cera setzt seine Gedanken und Erinnerungen dreidimensional in eindrucksvollster Weise um.

 

Letizia Fiori

walter bischoff galerie

immaginaria arti visive gallery
Linienstr. 121, 10115, Berlin
Tel: +49 (0)30 60924258
Mobil: +49 (0)17667070498
www.galleriaimmaginaria.com

 

 

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21.08.2017 die Qualitäten des fotografischen Bildes

Christine Forstner

Da sich an der Thematik und den Geschlechterrollen in den letzten Jahren nichts geändert hat bringen wir noch einmal den Artikel zu der Fotokünstlerin Ilse Haider, die 2011 für ihre Arbeit, den Otto Breicha-Preis für Fotokunst bekommen hat.

Das Museum der Moderne Salzburg vergab den 13. Otto Breicha-Preis für Fotokunst 2011, an die in Salzburg geborene Fotokünstlerin Ilse Haider. Die ehemals Rupertinum-Fotopreis genannte Auszeichnung für ein beachtenswertes fotografisches OEuvre wurde mit der Gründung des Rupertinums im Jahr 1983 gestiftet.

Die Auszeichnung wird alle zwei Jahre an einen österreichischen oder in Österreich lebenden Fotokünstler oder eine Fotokünstlerin verliehen. Ilse Haider setzt die Reihe der Preisträger nach Alfred Seiland, Otmar Thormann, Branko Lenart, Heinz Cibulka, Manfred Willmann, Walter Berger, Paul A. Leitner, Friedl Kubelka, Seiichi Furuya, Peter Dressler, Ferry Radax und Margherita Spiluttini fort.


Ilse Haider wurde 1965 in Salzburg geboren. Nach dem Studium an der Akademie der bildenden Künste bei Arnulf Rainer und einer Ausbildung beim Fotografen Franz Hubmann studierte sie am Royal College of Art in London. Ihre künstlerische Sprache begründet sich in einer Verbindung von Fotografie und Skulptur, von bildhafter Oberfläche und dreidimensionalem Raum.

Ihre Thematik kreist um die Kritik an festgelegten Rollenbildern von „weiblich“ und „männlich“, von Stereotypen in Werbung und Alltag. Mit der Zuerkennung der Auszeichnung an die 45-jährige Künstlerin setzte die Jury einen Akzent in Richtung einer neuen Auffassung von Fotografie im Kunstkontext und für eine junge Generation von KünstlerInnen, die mit dem Medium Fotografie im erweiterten Sinn arbeiten.


Die Preisträgerin wurde auf Expertenempfehlung ermittelt. Die Jury bestand aus Christa Breicha, Philipp Otto Breicha, Margherita Spiluttini, Charlotte Kreuzmayr und Margit Zuckriegl. Der Preis erinnert an die Initiative des Gründungsdirektors des Museum der Moderne, Otto Breicha (1932 – 2003), der hier die erste fotografische Sammlung des Landes und den Rupertinum-Fotopreis etabliert hat.

Großer Dank gebührt Christa und Philipp Otto Breicha, die mit ihrem großzügigen Beitrag die Dotierung des Otto Breicha-Preis für Fotokunst 2011 in Höhe von Euro 5.000.- erneut ermöglichen.


Die Ausstellung mit Objekten und Fotografien der Preisträgerin zeigt die seit 1983 in Wien lebende Künstlerin als Grenzgängerin zwischen Bild und Skulptur, zwischen Fotografie und Inszenierung. Ihre Themen kreisen um scheinbar festgelegte Geschlechterrollen in unserer Gesellschaft und deren Verunsicherung bzw. deren Dekonstruktion.

Der „schöne Mann“ wird gleichermaßen als Bild gezeigt, wie er als spielzeughaftes Objekt ironisiert wird. Die „ideale Frau“ als Schauspielerin oder antike Göttin wird in den fragmentierten Foto-Relief-Arbeiten in Facetten aufgelöst und damit gewissermaßen der Sichtbarkeit entzogen.

Stereotypische Bilder der Werbeästhetik - mit perfekten Körpern und sexgeladenen Symbolen - werden in den Bildwerken Ilse Haiders als „objets trouvés“, als Ausgangsmaterial für ihre Veränderungen und Metamorphosen verwendet.

 

Ilse Haider. Objekte und Fotografien
Otto Breicha-Preis für Fotokunst 2011
Ausstellung im MdM Rupertinum

 

Kontakt

MdM SALZBURG

Museum der Moderne - Rupertinum Betriebsgesellschaft mbH

Christine Forstner: Presse / Öffentlichkeitsarbeit

Mönchsberg 32, 5020 Salzburg • Austria

T +43.662 84 22 20-601

F +43.662 84 22 20-701

www.museumdermoderne.at

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20.08.2017 Abbild und Reflex unserer Alltagskultur

GFDK - Adina Rieckmann

„Die Nächte sind nicht für die Menge gemacht.“ Erzählt Rainer Maria Rilke und weiter: „Von deinem Nachbar trennt dich die Nacht und du sollst ihn nicht suchen trotzdem.“ Nadine Wölk hält sich nicht an Rilke. Dafür verliert sie sich zu oft in der Nacht. Wenn sie wenigstens nur ihren Nachbarn suchen würde, wenigstens nur ihn. Nadine Wölk aber ist ein echtes Nachtkind.

Sie sucht die wichtigste Eigenschaft der Nacht. Die Dunkelheit. Denn die Dunkelheit ist mächtig, sie macht, dass Nachtruhe herrscht, dass es überall still wird, ganz leise. Sie zieht einen tiefschwarzen Schleier übers Land, sie macht, dass wir nicht mehr genau sehen können, dass Schwarz und Weiß sich miteinander vermischen. Wenn wir dennoch Farben wahrnehmen, dann nur, wenn die hellsten Sterne leuchten. Und doch ist es nie wirklich dunkel.

Selbst bei klarem, mondlosem Nachthimmel ganz und gar ohne Fremdbeleuchtung: Der Himmel ist nicht vollständig schwarz. Lichter schwirren in der Luft, Glanzspuren, Reflexe, Fixpunkte, genauer gesagt, das Funkeln und Leuchten der Moleküle aus der Atmosphäre, die tagsüber von der Sonne
ionisiert wurden.

All diese Lichter aber sorgen für eine Magie. Für einen Zauber, den Nadine Wölk unbedingt auf der Leinwand festhalten will. Egal, wie viel Platz ihr der Rahmen dafür bietet, ob zwanzig mal vierzig Zentimeter oder zwei mal zwei Meter. Hauptsache festhalten.

Ihre Farben der Nacht komponiert sie stets aus dem Schwarz, aus der Dunkelheit heraus. Die Farben pellen sich geradezu aus dem Schwarz. Und so kommt es, dass Augen überdeutlich flackern oder den Betrachter mitunter mit hässlich verzerrtem Gesicht furchtlos, schamlos fixieren: Uns gehört die Welt, wir sind jung, wer bietet mehr? Platz da, hier bin ich.

Und manchmal ist in den Augen auch ein Glitzern, eine Art Kichern, einfach nur so, unbändig, ohne Sinn und Verstand, weil heute Vollmond ist, die Sterne so hell leuchten, weil das Leben schön ist, weil die Miete für diesen Monat bezahlt werden kann und es dennoch für ein Bier extra reicht, vielleicht auch für zwei.

Andere Augen wiederum verweigern sich dem direkten Blick, schauen sonst wohin, nur nicht zu uns. Es scheint, als verstecken sich die Abgebildeten, vor uns, vor sich selbst, als müssten sie sich schützen, unbedingt, als könnten wir in ihrer Mimik, ihrer Gestik Dinge ablesen, die ihnen nicht lieb sind. So sehr sie sich aber schützen, sich beiseite drehen, ihre Augen von uns abwenden, wir verstehen sie trotzdem, wir lesen diese Gesichter, diese Körper wie eine Landschaft, eine Seelenlandschaft.

Um all diese Menschen herum aber ist immer Licht. Licht, das flüchtigste Element, welches an den Leerstellen austritt, das be- und erleuchtet und das dem im Dunkel Verborgenen Form und Gestalt verleiht. In gleißendem Weiß, Rot, Blau oder Grün „brennt“ Nadine Wölk die Lichtspuren auf die Leinwände.

Diese Farbtupfer – das ist offensichtlich – sie sind ihre Glücksmomente, mit ihnen schafft sie einen ganz eigenen Zauber, den Nadine Wölk-Zauber, den, der ihre Bilder besonders macht, unverkennbar.

Statische Momente werden potenziert, eine Leuchtreklame, ein Verkehrsschild, eine Prosecco-Flasche, eine rote Pudelmütze, ein Hotdog, sie überstrahlen die eigenen Strukturen und bleiben doch ganz klar, fast überdeutlich, während Flüchtiges, ein Autoheck mit Fuck you, ein bewegter Lichtschein nur einen schwachen Eindruck, mehr einen Schatten auf der Netzhaut des Bildes hinterlässt.

Nadine Wölk moduliert und dirigiert mit schnellen Acrylstrichen einen harten Rhythmus auf ihre Bilder: Flirrendes Leben in der Tiefe des Bildraumes ebenso wie Schlaglichter in vorderster Reihe. Das hier sind alles Augenblicke, Schnappschüsse einer Nacht. Diese Momentaufnahmen findet Nadine Wölk beim Feiern und Grölen am Lagerfeuer, an den Bushaltestellen oder an der Autobahn.

Ununterbrochen fotografiert sie. Keiner der Freunde ist vor ihr sicher, egal, ob er Kette raucht, besoffen lallt, hysterisch kichert oder hilflos durch die Gegend zieht. Nachtgänger, die, im Licht stehen, detailgetreu wie ausgeschnitten, gesteigert durch den starken Hell-Dunkel-Kontrast. Und dann stehen dort noch jene im Dunkeln, die wir nicht sehen können, nur ahnen.

Das sind jene, die, wenn die Turmuhr schlägt, zurück in ihre Löcher kriechen, die Nadine Wölk mit dicken Farbschichten übertüncht hat, beseitigt, für immer und ewig unter Quasten getilgt. Denn der Tag soll nicht bei der Nacht schlafen, er ist hier fremd, er gehört hier nicht hin. Das ist die Stunde der Nachtgestalten, der Paradiesvögel, der Kinder der Nacht.

Ob die Porträtierten sich immer in den Bildern und Zeichnungen von Nadine Wölk wieder finden? Will man sich wirklich so sehen, mit schiefem Blick, mit grölendem Mund, mit fahrigen Händen? Vielleicht ist ihre Sprache die ihrer Generation? Sie ist es unbedingt. Nadine Wölk, Jahrgang 1979, malt kaum Ältere, immer wieder aber Gleichgesinnte.

Ihre Porträts machen glauben, als wäre, was erzählt wird, längst Gegenwart und somit vergangen. Was fast wie eine Hoffnung wirkte, wenn das nicht die Zeit wäre, die aus den Fugen gerät. Vielleicht kann man auch mit Schnappschüssen die Zeit nicht festhalten. Vielleicht zählt nur die Idee, nicht das wirkliche Leben. Die vielen Abzüge aber füllen den Tisch im Atelier, in der Wohnung.

Eines Nachts nimmt der Nachtmensch Nadine Wölk all die Abzüge in die Hand und schaut sie sich an, immer wieder. Bis es klick macht, bis sie nicht mehr sieht als auf dem Foto zu sehen ist, bis sie die Wirklichkeit ausgeklammert hat, bis sie nur noch den Geruch spürt, das Lachen hört, das Schreien.

Dann erst fängt sie an, dann erst bearbeitet sie die Leinwand, das Papier. Bei allem Realismus, sagt sie, man muss auch erkennen, dass es ein Bild ist, das es lebt, dass die Farbe noch läuft. Zum Schluss zähle ohnehin nicht mehr das Foto, sondern nur noch die Erinnerung an den einen Augenblick, an die Situation, die sie festgehalten hat: Ich bin schließlich keine Fotografin. Ich iefere keine Fotos, keine Dokumentationen.

Die späten Stunden im Atelier sind für die HfBK-Absolventin und Meisterschülerin von Martin Honert ganz besondere Augenblicke. In diesen Stunden besinnt sie sich, ist sie kreativ, sieht sie um sich herum all die Freiräume. Jetzt in der Nacht – zurückgezogen in ihrem kleinen Atelier – kann sie die Geschehnisse des Tages reflektieren, schöpft sie Kraft und Inspiration und Klarheit.

Und so ist in der Tat alles auf den Arbeiten von Nadine Wölk ganz klar und gleichzeitig auf das Wichtigste reduziert, es fehlt nichts, nicht mal ein Hauch, es ist alles gesagt. Immer aber – selbst wenn wir nur eine einzelne Person sehen, ein kleines Detail – füllt Nadine Wölk ihre nächtlichen Szenen mit reichen Assoziationen, tiefen Emotionen und poetischen Stimmungen aus.


Das wir uns dennoch nicht missverstehen: Hier ist nicht die Idylle zu Hause, das Friede-Freude-Eierkuchen. Viele Blicke haben etwas Einschüchterndes, etwas Aggressives, etwas Unruhiges an sich. Manche ihrer Arbeiten allerdings sind auf eine eigenwillige Weise laut, fröhlich, makaber. Die Thüringer Bratwurst
auf dem Rost wird zu einer Ikone stilisiert, auch wenn sie manch einen her abstößt.

Das Pommesfressende dicke Eichhörnchen ruft eher Abscheu hervor als Begeisterungsrufe: Oh wie niedlich. Und auch der weiße Hund wird eher fortgejagt als mit Mitleid überzuckert. So süß ist er nun auch nicht. „Die Nächte sind nicht für die Menge gemacht.“ Erzählt Rainer Maria Rilke. „Von deinem Nachbar trennt dich die Nacht und du sollst ihn nicht suchen trotzdem. Und machst du nachts deine Stube licht, um Menschen zu schauen ins Angesicht, so mußt du bedenken: wem.“


Ich bin sicher, Nadine Wölk weiß sehr genau, wem sie ins Angesicht geschaut hat. Nämlich ihren Freunden und sich selbst. „Die Nächte sind nicht für die Menge gemacht.“ Wohl aber für eine mutige junge Frau. Für eine, die sowohl die Stille aushält als auch die Unruhe, für eine, die sagt: „Ich will nicht für reiche Villenbesitzer malen. Ich male für meine Generation. Für wen denn sonst?“

Was Nadine Wölk auszeichnet, ist nicht nur ihr eiserner Fleiß, auch die innere Anteilnahme. Sie ist keine Voyeurin, dennoch beobachtet sie ihre Freunde, ihre Familie sehr genau, vielleicht auch genauer als ihnen allen lieb ist. So ist das eben. Wenn Menschenkinder wie Nadine Wölk laut sind, dann sind sie eben laut. Dann gehen sie in der Nacht wenigstens nicht unter.


Adina Rieckmann

Kontakt

Projektraum am Weißen Hirsch | Galerie Grafikladen

Gwendolin Kremer
Plattleite 66
01324 Dresden

Telefon: 0176 . 622 73 40 9
Fax: 0351 . 263 17 53
E-Mail: kremer@galerie-grafikladen.de
www.galerie-grafikladen.de/


 

 

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20.08.2017 komponiert Erzählungen und dirigiert Stücke

GFDK - Redaktion

Kontextdislozierung: ein Zebra im Konzertsaal, eine fliegende Taube in einem barocken Innenraum, eine in der Mode der 1950er Jahre gekleidete europäische Familie, die wie selbst- verständlich durch eine orientalische Architektur spaziert,ein Luftballon, der zum Leuchter mutiert.

Thomas Draschans ornamentale und präzis komponierte Collagepretiosen spielen in Phantasieweiten, in zeiten - und kulturenübergreifenden Architekturen wie Pagoden, Moscheen, Räumen des Wiener Jugendstil und steilen Gebirgslandschaften.

Er nivelliert Maßstäbe, Raumzusammenhänge, Zeitebenen und Materialunterschiede. Draschan löst geografische und architektonische Zusammenhänge zu absurden Raumkombinationen auf, sie erinnern an Giorgio de Chirico und die pittura metafisica.

Er komponiert Erzählungen und dirigiert Stücke: Relationen zwischen den Bildelementen, Figuren und Räumen entstehen nicht durch narrative Konsistenz, statt dessen spielt er in ästhetischen Balanceakten und eklektizistischen Rankenformationen emotionale Binarismen gegeneinander aus - Terror und Freude, Hass und Liebe.

Existenzielle Verhärtungen jedoch löst der Macher von 'Fare Mondi', wie die aktuelle Collage' im öffentlichen Raum im Kunsthalle-Schaufenster selbstsprechend betitelt ist, mit Nonchalance und Koketterie. Seine transformative Kunst lässt Superlative aufeinanderprallen. Sie oszilliert zwischen Mikro und Makro, mutet universalistisch an, bedient sich Mystizismen, verwendet Bilder aus dem Weltraum, der Natur mit Wasserfällen, Blitzen und Explosionen.

Die Verschwendung von Material ist die Essenz von Thomas Draschans Arbeit: Sein Verschwenden kennt keine Erschöpfung, es ist wie mit dem Schlafen, dem Essen und dem Lieben, sein Verschwenden ist ein Impuls, der nicht zu tilgen ist.

Für seine Sujets gräbt der in Berlin und Wien lebende Künstler in banalem Alltagsmaterial wie alten Magazinen, Fachzeitschriften und Postkarten nach Motiven, die er während seines manischen Vagabundierens durch Second Hand-Läden und Flohmärkte findet.

Das fertige Kunstwerk assimiliert das heterogene Material, das hochaufgelöst eingescannt und am Computer Artist Pages zusammengefügt wird. Als geometrisch abstrakte Elemente bereichern die unterschiedlichen Rasterund Pixelstrukturen die Oberflächen: Fotografien haben kaum Raster, alte Postkarten aus den USA sehen in der Pixelung und Farbgebung ganz anders aus als die aus Europa.

Das Werk des österreichischen Künstlers, der bei Peter Kubelka in Frankfurt studierte, basiert auf der Auseinandersetzung mit filmischen Positionen wie dem Handlungspurismus von Dziga Vertov und dem Foundfootage-Spezialisten Bruce Connor.

Ausgehend von den schnell geschnittenen Foundfootage Arbeiten wie 'Metropolen des Leichtsinns' entwickelte Draschan über zweidimensionale Collagen und Videos wie Freude, das sich aus ungefähr zwölf Standbildern pro Sekunde zusammensetzt, die aktuelle Videoarbeit 'Continental Divide':

Hier folgt Draschan einem neuen ästhetischen Prinzip, das Video ist viel langsamer angelegt, der Schnitt als akzelerierendes Werkzeug zur Verdichtung von visueller Information weicht nun einem sinnlichen Aufbau - nicht ganze Bilder oder Bildreihen, sondern nur Fragmente wechseln sukzessive die Frames.

Nur wenige Bildteile bewegen sich, Stillstand und Veränderung geben sich die Hand. Schmetterlinge fliegen und Elefanten marschieren durch das Bild, die Farbe des Himmels wechselt von Grau über Blau in bedrohliches Pink. Bilder im Bild tauchen auf, die Landschaften und Felsformationen werden zum Rahmen von Portraits, antike Tore fassen einen Footballspieler und eine strippende Lady ein.

Die zeitliche Stückelung der früheren Videos in den rasanten Schnittfolgen wird durch ein Collagewerk ersetzt, das im Laufbild sukzessive Motive, Vorder- und Hintergrund variiert. Das Arbeitsprinzip deutet sich bereits im Titel an, wie kontinentale Platten verschieben sich die Bildelemente, suchen ihre Position in der Komposition, driften auseinander, stoßen wieder zusammen und verzahnen sich.

Thomas Draschans Kunst ist Paradiesgarten und artifizielles Schlaraffenland der geheimen Wunscherfüllung. Es scheint, als würde er an die Tore des Unbewussten klopfen und auf direktem Weg im Verborgenen schwelende Triebe, Ängste, Wünsche und Kindheitsträume visualisieren. Seine überbordende Ästhetik lehnt sich an Literatur der Decadence wie Gustave Flauberts 'HI. Antonius' und Joris-Karl Huysmans 'Ä rebours' an.

In der Kultivierung von eskapistischen Tendenzen und symbolhaften Verdichtungen verschmelzen Innen- und Außenwelt zu Phantasmagorien, die in einem zeitlosen Niemandsland spielen. Was bleibt, ist der Augenblick - Bewegungen wie der Ballwurf eines Jongleurs werden just in einem Moment eingefroren, und der Schneeball, den ein Junge auf einen Papageien wirft, steht in der Luft still.

 

Kontakt

L.A.Galerie Lothar Albrecht

Domstraße 6

60311 Frankfurt am Main

 

 

 

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20.08.2017 Werbung, Konsum und Warenwirtschaft

Dr. Stefanie Lucci

Stephan Widera’s gemalte Collagen fügen die Welt neu zusammen. Dabei spart er nichts aus, was gesellschaftliche Realität ausmacht. Ob Werbung, Konsum und Warenwirtschaft,  Pharmaindustrie, Politik und Propaganda, Porno und Erotik.

Ob Promi-Lust und Star-Allüren, Moden und der so genannte Zeitgeist, - alles gerät in Stephan Widera’s Blick. Munter vermengt er dabei Historisches mit Aktuellem, Ernstes mit Banalem, baut Slogans und Schlagzeilen in seine surrealen Bildwelten ein.

Für dieses Kaleidoskop der Möglichkeiten greift Stephan Widera auf Vorlagen aus der populären Bild- und Medienwelt zurück, die in ihrem Ursprung stets kenntlich bleiben. So hat der Volksempfänger des Dritten Reiches ebenso wie das Titelblatt-Layout des Magazins Der Spiegel Einzug in das kollektive Bildgedächtnis gehalten, genauso wie die typischen Werbebilder von Waschmaschinen und Suppendosen.

Stephan Widera’s Bilder sind farbenfroh und spielerisch. Mit der vermeintlichen Unschuld eines Kindes scheint er seine Vorlagen nach dem Prinzip des Zufalls zusammenzubauen.  Köpfe werden mit Tomaten vertauscht, der Wunderdoktor wird bemüht und Dinosaurier-Waschmaschinen bekommen Beine. Was zunächst zum belustigten Schmunzeln einlädt, entwickelt jedoch rasch ein Eigenleben mit völlig neuen möglichen Zusammenhängen, manchmal bissig, manchmal heiter, aber immer mit ironischer Klarsicht, was hinter den Dingen verborgen liegt.

Denn was heißt es denn, wenn beispielsweise die Warenwelt Köpfe besetzt oder besser: ersetzt? Ein Mao-Anzug einen Pichelsteiner Eintopf Dosen-Kopf auf den Schultern trägt, aus dem Volksempfänger ein banales Muschellied rauscht, ein Zeigefinger-Kopf erigiert aus dem Kragen ragt, Sprechblasen mit mehr und Freizeit Köpfe bilden und Body-Kult vorgeführt wird?

Was passiert, wenn bei dem Bild mit dem Werbeslogan: Diese Drei wissen, wie gut Gesundheit schmeckt! nicht nur Werbeversprechen assoziiert werden, sondern unmittelbar  auch die Gesundheitsreform der Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt? Worauf spielt dieser sexy Fernseher an?

Mit derselben abgründig humoristischen Betrachtung widmet sich Stephan Widera auch der Kunstgeschichte. Den affirmativen Geist der Pop-Art konterkariert er beispielsweise mit seinen brisanten gesellschaftlichen Bezügen, und Warhols Suppendosen werden durch politische Einsprengel aufgeladen. Den Konstruktivismus, der immerhin auch Gesellschaftsutopie war, lässt er einen leichtfüßigen, virtuosen Freudentanz aufführen.


Wladimir Tatlin und Oskar Schlemmer lassen grüßen. Oder er malt eine Figur, die
einerseits an einen Computer erinnert, aber auch eine auffällige Nähe zu den berühmten Michelin-Männchen des Französischen Autoreifenherstellers aufweist sowie zu Thomas Schütte’s Skulpturengruppe Giganten.

Es fällt auf, dass in Stephan Widera’s Welten Individualisten fehlen. Als Kommentar zu unserer derzeitigen Gesellschaft ist dies durchaus präzise. In einer Gesellschaft, die ausschließlich von wirtschaftlich orientierten Gruppeninteressen gesteuert wird, fällt der Einzelne schließlich nur noch als statische Größe ins Gewicht.

Stephan Widera’s Bilder entlarven die dazu notwendigen Mechanismen der Propaganda und Slogans als Gesellschaft konstituierende Realität. So gesehen betreibt Stephan Widera mit seinen
absurden Bildwelten sowohl aktive Medien- als auch Gesellschaftskritik wie ebenso fundierte Kunstkritik, - und das mit einem sympathischen Lächeln im Augenwinkel.

© Dr. Stefanie Lucci

 

Stephan Widera

geboren 14.03.1962 in Bremen,
lebt und arbeitet in Düsseldorf.

 

Künstlerischer Werdegang

An der Hochschule Niederrhein / Krefeld studierte er Grafik-und Objekt-Design u.a. bei Prof. H. Görtz, Prof. W. Zeiser, Prof. G. Dohr, Prof. Albrecht und Prof. R. Sachsse.
Parallel zum Studium gestaltete er bereits als Auftragsarbeiten grossformatige Wandgemälde in Unternehmen und öffentlichen Gebäuden in Bremen.
Seit seinem Studien Abschluss ist er als freier Künstler und Illustrator tätig

Seine Bilder konnte man bei vielen Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland sehen in Galerien, Museen und auf Kunstmessen.

Mitglied im BBK (Berufsverband bildender Künstler)
Eingetragen im Künstlerverzeichnis der Stadt Düsseldorf

 

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20.08.2017 überdimensionale Ölgemälde

GFDK - Galerie Voss

Die Ausstellung "The Land of Kubla Kahn in der Galerie Voss zeigte neue Arbeiten der kanadischen Künstlerin Kate Waters. Der Ausstellungstitel bezieht sich auf das  englische Gedicht "Kubla Kahn or a Vision in a Dream: A Fragment" von Samuel Taylor Coleridge (1772-1834), der sein Gedicht selbst als eine psychologische Kuriosität bezeichnete.

Es entsprang einer fiktiven Rückbesinnung an die Realität, wie ein Traum auf Papier getrübt durch eine Dosis medizinischem Opiums. Kate Waters nutzt dieses Gedicht als eine Metapher für die Malerei basierend auf Fotografien und gleichzeitig für das Herbeiführen eines Realitätswechsels.  

Kate Waters' Ausstellungstitel beziehen sich stets auf zeitgenössische Stellungnahmen die sie ganz subjektiv in ihren Bildern umsetzt. Ihr atmosphärischer Realismus bleibt weiterhin ein Motiv auch in dieser Ausstellung "The Land of Kubla Kahn" die großteils aus überdimensionalen Ölgemälden besteht. Die Straßen, Gassen und Cafés scheinen jedoch fast verlassen und menschenleer.

Ansammlungen von Menschen tauchen in den  Bildern von Kate Waters nur vereinzelt auf. Arbeiten  wie " You're a fool if you think it is over" und "Miss Spentyouth or Oblivia and Promiscuity Downtown" zeigen Menschen in der Nähe von Wasserquellen. Der Einzelne erscheint abwartend, gespannt darauf, was sich ereignen wird.  

Kate Waters thematisiert in ihren Arbeiten Freundschaft, Familie, Kommunikation Patriotismus und Entfremdung. In manchen Werken verwendet Kate Waters eine weitaus deutlichere Collagetechnik, um den Eindruck zu erwecken, dass eine Realitätsgrenze überschritten wurde, und die von dem Beobachter abverlangte Wahrnehmungsverschiebung vielleicht ein Zeichen für etwas bald Bevorstehendes ist.

Kontakt

Galerie Voss

Mühlengasse 3

40213 Düsseldorf

Tel: +49 (0) 211 / 134 982

Fax: +49 (0) 211 / 133 400

Web: http://www.galerievoss.de

 

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20.08.2017 zu sehen in Stade bis 9. Januar 2011

Kunsthaus Stade

Der Künstler Nazim Ünal Yilmaz sollte sich in der Türkei besser nicht blicken lassen. Unter Erdogan Herrschaft dürften Homosexuelle einen schweren Stand haben.

  „Er macht sich selbst zum Thema mit seinen Begehrlichkeiten“ so Daniel Richter über die Arbeiten Nazim Ünal Yilmaz' in der Ausstellung Painters on the run.

In der Schau im Kunsthaus Stade sind derzeit Yilmaz' Bilder ausgestellt, in denen er sich mit seiner Homosexualität auseinandersetzt, das Machtgefüge zwischen Staat und Religion in seinem Geburtsland der Türkei darstellt und immer wieder auch die Rolle der Sexualität in der Gesellschaft hinterfragt.

Nazim Ünal Yilmaz hat sein Studium an der Akademie der bildenden Künste in Wien mit Auszeichnung abgeschlossen, er hatte in Daniel Richters Klasse studiert und war diesem immer wieder aufgefallen.

Richter über das Werk Yilmaz': „Er trifft Aussagen über die Welt und sich und nicht über seine Befindlichkeiten. Dabei ist seine Malerei sehr humorig und selbstironisch, mal übertrieben pathetisch, ein bisschen schwelgerisch, barock-manieristisch, mit präzisem, zugreifendem Pinselstrich. Es geht dabei mehr um eine Form von Wahrheit und Bild als um Schönheit.“


PAINTERS ON THE RUN
Gegenwartskunst von Kalu Obasi, Anne Cathrin Ulikowski, Nazim Ünal Yilmaz und Daniel Richter

Kunsthaus Stade

 

Kunsthaus Stade

Wasser West 7
D 21682 Stade
t +49 (0) 4141 44824

f +49 (0) 4141 45751
www.kunsthaus-stade.de

 

Curriculum Vitae Nazim Ünal Yilmaz
1981 born in Trabzon, Turkey

2005 Anatolia University, Fine Arts Faculty, Turkey
2010 Akademy of Fine Arts Vienna, Austria master degree, lives and works in Vienna and Istanbul

Bild 3-4: Portraitbilder Nazim Ünal Yilmaz

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