Präsentation von Künstlern und ihren Werken

17.02.2019 tägliche spontanität ist gefragt

GFDK - Atelier Winkler

Was ist das Wesentliche bei der Abstraktion? Eigentlich handelt es sich ja nicht um Abstraktion, sondern um gegenstandslose Malerei. Was wir sehen und hören, haben wir gespeichert - in der Umsetzung in ein Medium der bildenden Kunst ist es so, daß man auf einen seelisch-geistigen Gehalt reduziert.

Abstraktion ist nicht literarisch, eine Wiedergabe in ablesbarer Form, sondern es ist die Auseinandersetzung mit einem Thema, das rein von der seelisch-geistigen Konzeption herkommt.


Die Auseinandersetzung mit der folterkammerähnlichen Situation im Atelier, wo man die weiße Fläche vor sich hat - egal ob Holz, Leinen oder Papier - ist so, wie sie viele Maler schon hatten: den ersten Strich oder Punkt zu machen und nicht ein Bild entstehen zu lassen, das schon vorher im Kopf da war. Das wäre nur eine Wiederholung eines bereits gemalten Bildes.


Dabei fehlt die Spontanität und der Kampf, der sich - nach meiner Erfahrung - so entwickelt, daß irgendwann am Beginn des Arbeitsprozesses das Bild einen Moment erreicht, in dem es mir Antwort gibt. Das klingt zwar kompliziert, aber unter Antwort verstehe ich den Dialog zwischen Maler und Werk.

Erst dann beginnt der richtige Arbeitsvorgang, während dem man ein Bild immer wieder neu erzeugen muß, Die Schwierigkeit liegt auch darin, sich beim nächsten Bild nicht zu wiederholen, die Angst davor habe ich jedes Mal.

Man sollte nicht beim ersten Bild schon sagen können, man habe das drilte auch schon gesehen usw. Es ist eine lebendige Geschichte wie eine Vereinigung zwischen Mann und Frau, weil auch das Erotische eine große Rolle spielt und für mich thematisch sehr wesentlich ist.

Das ist vielleicht das Credo meiner Malerei, wenn man von der rein farblichen Auseinandersetzung und Sensation, die sich aul einem Bild abspielt, zu dem geht, was unter der Bildfläche ist und immer wieder zum Durchbruch kommt.


Ein Bild muß so weit offen sein, daß es für jeden Betrachter die Möglichkeit einer weiteren Diskussion bietet, er soll die Auseinandersetzung, die ich mit dem Bild hatte, fortsetzen. Das erst gibt ihm den Wunsch, das Bild zu besitzen, weil er das Gefühl hat, daß der Erzeuger dieser Oberfläche einen Kampf hinter sich gebracht hat, der für den Beschauer weitergeht.

Viele der Erwerber meiner Bilder, die nie zuvor ein abstraktes Bild besessen haben, waren sofort von der Komposition eingenommen, ohne den Namen des Künstlers zu kennen, aber die Kraft kam aus dem Bild zu ihnen.


Man braucht ein Konzept, ohne literarisch zu sein, aus dem man schöpfen kann. Von der Geburt bis zum Tod ist alles, was Leben ausmacht - Sexualität, Leiden und Probleme - neben den Standortbestimmungen des Alters, in denen die Summe der Erfahrungen mitschwingt, in diese künstlerische Aussage integriert.

Dies ist meine Spange von Alpha zu Omega: die Erotik, die sich nach Freud wie ein roter Faden durchs Leben zieht, all die kleinen Tode, die man auch in der Vereinigung erlebt. Beim Malen bin ich ein vollkommen eruptiver Mensch, der die Farbe und den Inhalt benützt, um sich in seiner Sprache auszudrücken.

Viele Dinge im Leben werden geistig-seelisch erfaßt und man kann nicht achtlos  vorübergehen, alles hat Bedeutung, es gibt aber Schwerpunkte. Der Künstler sollte in seiner Zeit Seismograph sein, nicht politische Dinge aufsaugen und sich für einen politischen Maler ausgeben oder Psychotherapeut, der mit seinen Bildern heilen will, sondern die Inhalte sollten substantiell sein.


Ich male auch nicht gerne, aber ich bin von der Malerei besessen. Dabei erreichen nur wenige Bilder einen gewissen Grad an Perfektion, die für den Zeitpunkt, an dem sie gemalt wurden, einmalig war und unwiederholbar bleibt.

Die Reduzierung der Farbe hat sich nach der langen Abstinenz von der Malerei ergeben. Begonnen hatte ich im Umkreis der Wiener Schule des Phantastischen Realismus, man kannte damals nichts anderes, vor allem nicht das, was international passierte.

Als ich nach Jahrzehnten wieder begann, hatte ich das Glück, kurze Zeit wie ein Kind zu malen, unbeschwert mit breiten Pinseln, Farbbahnen ziehend, eruptiv. Bis die Malerei dann eine andere Position in meinem Leben einnahm.

Dabei kam die Erkenntnis, daß Buntheit eine gefährliche Möglichkeit des Ausdrucks ist, da man sich in ihren Sensationen verliert.  Sie übertünchen Fehlerquellen wie auch das Handwerk zu diesem Vertuschen dienen kann.

Es kam der Anspruch, sich mit Wenigem, aber substantiell auszudrücken; sich mehr zu konzentrieren durch Reduktion von Form und Farbe, auf das, was man sagen will. Dabei gibt es Vorbilder, ohne die man nicht auskommt - Tapies ist dabei ein wichtiger Mentor für mich, den man glücklicherweise nicht kopieren kann, ich versuche diese Mauerbilder, die er als einer der ersten in die Malerei einbrachte, in meine Sprache umzusetzen.

Es sind Dinge wie spontane Kritzelei oder der natürliche Verwitterungsprozeß, die einen Oberflächenreiz entwickeln und ich konnte mein Kürzel gut nebeneinandersetzen, ohne einen Zusammenhang herzustellen, der ein Aussageproblem mit sich bringen würde. Ohne die eigene Sprache zu verlieren, trotz Veränderung oder veränderter Aussage bleibt der ehrliche Künstler stets erkennbar.


Das ,,Freiarbeiten", die Entwicklungsschritte bei den Papierarbeiten, sind für die Entstehung der großen Bilder äußerst wichtig. Die Malerei ist für mich täglich ein Neubeginn, mit all seinen Problemen, der Kampf ist jeden Tag der gleiche.

Josef Winkler über seine Malerei

Josef Winkler wurde am 15. November 1925 in Wien geboren.

1946 studierte er an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt - 1947/48 folgte ein Studium an der Akademie der bildenden Künste bei Josef Dubrowsky und Herbert Boeckl.

Von 1948-1950 war der Künstler Stipendiat an der Art School in Guildford, England.

In diesen Jahren war Winkler stilistisch mit der Gruppe, der Wiener Phantastischen Realisten Verbunden und fand auch in dieser Zeit seine eigenen Facetten.

Nach den ersten Erfolgen unterbrach Winkler seine künstlerische Arbeit und verschrieb sich dem Kunsthandel.

Diese lange Beschäftigung ließ den Künstler reifen.

Als er 1990 schließlich selber wieder zum Pinsel griff, ja dem Kunsthandel den  Rücken zuwandte, um sich ausschließlich der Malerei zu widmen, war er geprägt von den Künstlern und Formen des abstrakten Expressionismus und verschrieb sich immer mehr dem Informell.

Heute zählen Winklers Werke zum festen Bestandteil verschiedenster privater Sammlungen in Österreich, Deutschland und der Schweiz.

Kontakt

Josef Winkler
email: office@atelier-winkler.com







 

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18.01.2019 Circus

GFDK - Ute Bauermeister

Rolf Knie stammt aus der berühmten Schweizer Zirkusdynastie und war selbst lange Jahre als Clown in der Manage, bevor er sich für die Malerei entschied. Seine Motive findet er nach wie vor überwiegend in der bunten Zirkuswelt: wilde Tiere, gelenkige Artisten und deren waghalsige Kunststücke.

Zirkus sei eine Show von Menschen für Menschen, keine virtuelle, sondern eine reale Welt, so Rolf Knie. Mit seinen 65 Jahren hat der populäre Künstler noch genauso viel Lust und Freude am Ausprobieren und an Veränderungen wie als Jugendlicher.

Seine blauen Augen blitzen verschmitzt, er ist offen, neugierig und humorvoll, ein Maler, Künstler, Bildhauer, Freigeist. Auf Mallorca, seiner zweiten Heimat, lässt sich Knie den Wind um die Nase wehen und findet Inspiration für neue Motive.

Rolf Knie hat den Zirkus im Blut

Der Übergang von Zirkus zu Malerei ist für ihn fließend, das eine bedingt das andere. „Schon in meiner Kindheit und Jugend bin ich mit vielen berühmten Malern in Kontakt gekommen. Viele Künstler waren vom Zirkus begeistert und besuchten regelmäßig die Vorstellung.

Oskar Kokoschka, Jean Miró und Marc Chagall kamen bei uns vorbei, sie alle haben Zirkusmotive gemalt, ich war mit Jean Tinguely befreundet, der uns oft besuchte. All diese Künstler haben mich geprägt. Durch den engen Kontakt zu ihnen bin ich wie durch eine Kunstschule gegangen“, erinnert er sich.

Von 1968 bis 1983 stand er selbst als Clown in der Manege, danach hat er Film und Theater gespielt. Seit den 1990ern malt, zeichnet, modelliert er und beherrscht alle Varianten des Druckes. Er arbeitet mit Acryl, Kohle, Leimfarben Fettkreide auf lithographierten Zirkusplakaten. Immer wieder nutzt er auch das geliebte Zirkuszelt selbst als Bildträger.

Kunstwerke von Rolf Knie

Die farbenfrohen Gemälde von Rolf Knie sind kraftstrotzend, dynamisch, voller Fantasie und Fröhlichkeit. Seine Zebras haben blaue, gelbe und pinkfarbene Streifen und auch die Elefanten sind alles andere als grau. Er malt frech, lebendig mal direkt auf Zirkuszeltplane oder auch auf Leinwand und Plakate. Immer mit Respekt vor der großen bunten Welt der Manege.

Rolf Knies Kunst ist weltweit zu sehen

Kürzlich hatte er eine Ausstellung in China. In Thailand entstehen gerade drei lebensgroße Elefanten aus Bronze. Und auch im Europa-Park war Rolf Knie schon einmal sehr erfolgreich: Bereits 2001 verzauberten über 200 Exponate des Schweizer Malers im Botta Dome die Besucher.

Legendär ist die tiefe Freundschaft zwischen Rolf Knie und Charlie Chaplin. Das Kino-Genie Charlie Chaplin hat Rolf Knie immer wieder im Circus besucht und nach seinem Tod vermachte er seinem Freund Rolf Knie sogar seinen Rolls Royce, der dieses Kleinod bis heute hegt und pflegt. Charlie Chaplin sagte: "Wer das Leben zu ernst nimmt, braucht eine Menge Humor, um es zu verstehen." Rolf Knie hat viel von Chaplins Weisheiten übernommen.

Fantasiewelt Zirkus

In der neuen Winterausstellung steht erneut die fantasievolle Welt des Zirkus im Mittelpunkt. Eine besondere Aura strahlen die Arbeiten auf Zirkuszeltplanen aus, deren Struktur mit Ösen und Stricken dem Bild einen ganz eigenen Charakter verleihen. Affen im Frack, Pferde im Galopp, Löwen im Sprung tummeln sich auf den Bildern, kopfüber und in neuen Perspektiven. Man schnuppert beim Betrachten von Knie’s Werken direkt Zirkusluft.  „Es ist mir wichtig, die Kunst zu den Menschen zu bringen. Kunst soll mit Freizeit und Unterhaltung verbunden werden, der Europa-Park ist dafür der beste Platz“, kommentiert Rolf Knie.

Übrigens, wer sich für die Bilder von Rolf Knie interessiert, kommt im Europa-Park immer auf seine Kosten: Viele Zeichnungen und Gemälde hängen dauerhaft in den Hotels und beispielsweise in der Bar „El Circo“ im Hotel „El Andaluz“. Eine monumentale Eisenskulptur von Rolf Knie mit Artisten und Clowns "begrüßt" vor dem Mario Botta Dome am Haupteingang des Europa-Park die Gäste.

Ausstellung im Europa-Park Rust

Familie Knie und Familie Mack sind eng miteinander verbunden. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg hat die Familie Knie die ersten aufwendigen Zirkuswagen vom "Mutterunternehmen"  Mack Waldkirch besessen. Die Ausstellung "Rolf Knie – Circus" steht in einer Reihe mit sehr erfolgreichen  Kunstausstellungen, bei denen der Europa-Park in den vergangenen Jahren unter anderem Arbeiten der Künstler Marc Chagall, Tomi Ungerer und Raymond Waydelich gezeigt hatte.

Info:

"Rolf Knie – Circus"

Eine große Kunstausstellung rund um das Thema Zirkus fand im Europa-Park statt. In der Mercedes-Benz Hall

Rolf Knie

geb. 1949 in Bern

Clown, Vater, Zirkusmensch. Maler, Bildhauer, kreativer Kopf. Für ihn ist das Leben eine dauernde Veränderung. Mutter: Profitennisspielerin und Eiskunstläuferin, Vater: Zirkusdynastie Knie. Verbrachte Kindheit reisend im Zirkus, 1973 Heirat mit Erica Brosi. 1977 Geburt seines Sohnes Gregory. 1991 heiratete er zum zweiten Mal. Seine Frau Anabela Lorador-Rodriguez ist eine portugiesische Artistin.

www.rolfknie.ch 

www.saltonatale.ch

Ansprechpartner Presse: Ute Bauermeister

bauermeister@koppelstaetter-media.de

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18.01.2019 der pott der gegensätze

Redaktion GFDK - Funda Toprak

Ein Porsche erzählt von der Welt des Mangels...ein vom Zerfall gekennzeichnetes Haus wiederum entlarvt die Oberflächlichkeit einer Scheinwelt...somit dient die Begegnung zweier Welten als Spiegel für die Welt des Gegenpols...

Armut bedingt Reichtum....Reichtum bedingt Armut...sie stehen in einer unauflöslichen Verbindung

Luxus-Autos im Revier

Was bei mir persönlich ankommt, ist der Blick für das Wesentliche...Eva erzählt oftmals mit einem Blick die dualen Gegensätzlichkeiten zwischen illusionärem Streben und dem, was wir Realität nennen...

In Gelsenkirchen haben wir den kleinsten Puff des Reviers erkundschaften mit Hilfe eines Ortskundigen.

Der Ruhrpott - ein Revier voll Gegensätze

Ich fand es immer schrill, wie hier im Revier die Menschen auf Autos abfahren, aber eben günstig einkaufen gehen, wie in das Matratzenlager oder auch in eine Spielhölle einkehren.

Art@Live.de

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04.01.2019 barockes kunstwerk

GFDK - Werk der Woche

Sala Liebers Bilder sind mehr barocker Garten, Menagerie und opulente Zauberwelten in einem. Der Faltenwurf, die Radkrägen und die Frisuren lassen sofort das goldene Zeitalter des 17. Jahrhunderts lebendig werden.

Die Entdeckung der Welt, das Sprengen aller Grenzen und der unermessliche Reichtum der Oberschicht, die sich in glanzvoller Kunst und Architektur feierten und sich exotische Tiere im Haus und Pflanzen im Garten als Hausgenossen zu halten begonnen, gehören untrennbar in diese Zeit.

Und auch der strenge, ernste Blick, keine Gefühlsregung, unnahbar und distanziert lassen den Betrachter erschauern und faszinieren ihn gleichzeitig.

Es ist alles edel, exklusiv und sehr kostbar. Personen, Tiere, Gärten, Gebäude Pflanzen, einfach alles. Der Betrachter ist zwar zugelassen, aber durch die gewählten Großformate nicht wirklich auf Augenhöhe, eher eine Stufe tiefer, niedriger abgestuft.

Sala Lieber übertragt Elemente alter Kunst in ihre Bilder

Überall überraschend viel, überraschend anders und doch vertraut, durch die Zitate die die Künstlerin aus der alten Kunst in ihre neuen zeitgenössischen Bilder aufnimmt. Ein ganzer Kosmos, fremd und faszinierend zugleich.

Die Tiere, meist Vögel, nie geschaute Vögel und schon gar nicht in Europa zu Hause seiende Arten, sitzen dicht an dicht und verhalten sich so gar nicht artgerecht. Figuren meist Frauen, die distanziert und blasiert ins Bild gesetzt sind, sind ebenso exotisch und fremd.

Die meist im Hintergrund vorhandenen historischen barocken Gebäude und Räume vertraut und auch fremd.

Sala Lieber stellt Mut zur Opulenz, Schönheit und der Erotik in Frage

Erst wenn man sich durch die verwirrende Vielfalt von allem auf der Leinwand gearbeitet hat, kommt der Verdacht auf, dass die scheinbare Historienmalerei gar nicht aus dem Europa der Vergangenheit stammt, sondern auch eine eigene Spezies ist, ähnlich aber nicht gleich auf einem Planeten, ähnlich aber doch anders.

Ob sie jetzt oder vergangen sind, so ganz ist das nicht zu entscheiden. Sind die technisch perfekt dargestellten Figuren und Panneaux hier oder doch eine eigene Welt? Sind die jungen rotblonden Frauen wirklich jung, jung geblieben oder vielleicht unsterblich immerwährend alterslos?

Sieht so Glück in unermesslichem Reichtum aus? Und wer ist der Exot, Figur, Vogel oder der Betrachter, der wiederum von den Figuren und Tieren, wenn sie nicht selbstvergessen mit sich beschäftigt sind, als Exot, weil so anders betrachtet werden.

Sala Lieber stellt die Gewissheiten wie Vergangenheit, Wissen und Zukunft verdeckt durch brillante Malkunst und dem Mut zur Opulenz, Schönheit und der Erotik in Frage.

Über die Künstlerin Sala Lieber

Die gebürtige Ungarin (geb. 1980), Meisterschülerin von Prof. Herbert Brandl und Kunstakademie Düsseldorf-Absolventin zeigt, dass sie die Kunstgeschichte im Blut hat und sie weiß sie stark, überraschend heißblütig und überwältigend in ihren Bildern umzusetzen.

Berühmte Geschichten und Gesten werden so zu neuen Hinguckern und entwickeln ihre sensationelle Sprengkraft auf den Betrachter ein weiteres mal. Klug und überraschend ist die Kunst von Sala Lieber nichts für schwache leichte Betrachternerven.

Hier regiert das Leben pur, nur welches, dass bleibt offen und lässt Bewunderung und Schwindel im Kopf des Betrachters zurück.

Kurzvita Sala Lieber

1980 geboren in Budapest (Ungarn)
1999-2001 Kunstakademie Dresden, Studium der freien Malerei,Prof. Elke Hoppfe, Prof. Siegfried Klotz, Prof. Max Uhlig
2001-2005 Kunstakademie Düsseldorf,Prof. Jörg Immendorff, Prof. G. Merz, Prof. H. Brandl
Februar 2006 Abschluss mit Akademiebrief, Meisterschülerin bei Prof. H. Brandl
Gaststudentin bei Karin Kneffel, Bremen

Galerie Hoffmann Contemporary Art – Lange Straße 50 – 33378 Rheda-Wiedenbrück – Tel: 05242/400 623 – info@kunstagentur-hoffmann.dewww.kunstagentur-hoffmann.de

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04.01.2019 Wirklichkeitsschichten

GFDK - Adrian Luncke

Nehmen wir auf unsere Wirklichkeit Bezug, so wenden wir für gewöhnlich die Kategorien von Raum und Zeit auf sie an. Wir gliedern sie in ein Hier und Jetzt, ein Dort und Dann... und schaffen somit Systeme der Abfolge und der Trennung. Für die Beschreibung von Ereignissen oder Situationen greifen wir Momente aus diesen Systemen heraus: Sie geschehen zu einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Ort.


Anne Wölk setzt einer derart eingeschränkten Betrachtungsweise eine vielfältige entgegen. So schlägt sie vor, Momente der Wirklichkeit in Schichten zu fassen – Schichten, die aufeinandertreffen, die sich wie unterschiedliche Meinungen aneinander reiben und sich letztlich zu einem reichen Ergebnis zusammenfügen:

Ihren Umgang mit dem Thema Zeit verdeutlicht Anne Wölk, indem sie Science Fiction Material zurückliegender Jahrzehnte aufgreift. Ebenso wie die Vergangenheit die Gegenwart vorbereitet und auf diese Weise in ihr enthalten ist, verhält sich die Gegenwart zur Zukunft – an die Stelle der zeitlichen Reihung setzt Anne Wölk also Beobachtungen der Gleichzeitigkeit.


Ähnlich verhält es sich Wölk zufolge mit dem Raum: Ein Hier ist ohne ein Dort unbestimmt und letztlich gar nicht zu denken – und trotzdem sind Hier und Dort nicht zwangsläufig auch örtlich voneinander getrennt. So versinnbildlicht die Stadtlandschaft eben die Zusammenkunft von Stadt und Land – zwei Räume, die meist als distinkt verstanden werden. Mit der Aufnahme von Markierungen, wie sie Menschen in der Natur, etwa auf Baumstämmen, hinterlassen, überträgt die Künstlerin diese Gedanken zur Überlagerung auf das einzelne Objekt.


Dabei betrifft Gleichzeitigkeit auch den Charakter vieler anderer Gegenstände und unserer Bezugnahme auf sie: Das Wesen einer Eislandschaft besteht nicht allein in dem visuellen Eindruck, den sie beim Betrachter hinterlässt; auch ihre kaum sichtbare molekulare Struktur ist unabdingbar Teil desselben.


Ähnliches gilt für Tags und Schriftzüge, mit denen Writer der Streetart-Szene ihre Reviere im Stadtraum markieren. Wie Betrachter sie verstehen, hängt nicht zuletzt von ihren Vorkenntnissen ab: Können Eingeweihte die Codes auch inhaltlich deuten, bleibt Uninformierten allein die Auseinandersetzung mit ihren ästhetischen Qualitäten.

Keine dieser Verständnisweisen übertrifft jedoch die andere – sie sind schlicht unterschiedlicher Art. Und ein Phänomen in seiner vollen Wirkung zu erfassen, so legt Anne Wölks Arbeit letztlich nahe, heißt, viele dieser Facetten in einem Crossover-Prozess zu einem Eindruck zu verdichten.

Das tut die Künstlerin , indem sie nicht nur Elemente zeigt, die zunächst recht unterschiedlich erscheinen, sondern auch, indem sie ihr eigenes künstlerisches Medium, die Malerei, auf seine Möglichkeiten untersucht:

Anne Wölk deutet Räumlichkeit durch Überlagerungen an, zeigt Konkretes und Abstraktes, arbeitet mit einer breiten Farbpalette und hinterfragt das Verhältnis von Leinwand und aufnehmendem Raum. Das ergibt Kunstwerke, die den Betrachter wohl deshalb in ihren Bann ziehen, da sie sich, gestalterisch vielfältig und farblich intensiv, als harmonisches Ganzes darstellen. So macht das beeindruckende Spiel mit Vielfalt und Einhalt den besonderen Reiz von Anne Wölks Arbeiten aus.


Adrian Luncke M.A

Vita
geboren 18.10. 1982 in Jena, Thüringen
Ausbildung
2008-2009 Meisterschülerin bei Prof. Antje Majewski
2004-2007 Malereistudium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, (Diplom 2007) Klasse Prof. Katharina Grosse und Prof. Antje Majewski
2006 Chelsea College of Fine Art and Design, London, UK Sudienreise nach Tokyo, Kyoto, Japan
2001-2004 Malereistudium an der Burg Giebichenstein Halle, Klasse Ute Pleuger
2004 Tutor 3./4. Studienjahr Naturstudium/ Aktzeichnen Burg Giebichenstein Halle


Auszeichnungen:
2012 Feldforschung in situ, artist in residence, Bodensee Art Fund, Wasserburg am Bodensee
Katalogförderung der Union Investment Stiftung, Frankfurt am Main
Finalistin Jean-Claude Reynal Scholarship,
Bordeaux Frankreich
2011 Grand Prize, Papirmasse Art Magazine, Montréal, Kanada
Finalistin Art Takes Miami, 2011, New York, USA
2008 Residenzstipendium Kunstverein Werkstatt Plettenberg
Stipendium der Marianne Ingenwerth-Stiftung, Bonn
2006 Erasmus Stipendium, exchange program, Chelsea College of Fine Art and Design, London
2004-2008 Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes,
2001 1.Platz Malerei 9. Thüringer Landesausstellung, Erfurt

Ausstellungen (Auswahl)
2012 “Plausible Dreams“, Kreuzberg Pavillon, Berlin
“Feldforschung in situ. Anne Wölk“, Bodensee Art Fund, Wasserburg (Solo)
“This Is Hardcore“, Shanghai Business Center, Potsdam
“MyPlace“, Kunstverein Münsterland, Coesfeld (Kat.)
“Beautiful!“, Private View - Platform for Contemporary Art Projects, Berlin
“I‘M SORRY. I DID NOT REALIZE YOU!“, Port Art Gallery, Ankara, Türkei
“Home Office of the Fan Fiction Empire“, The Residence Gallery, London, Großbritannien
“Formation“, PLAN.OPEN, Arbeit Gallery, London, Großbritannien
“Postcards From the Edge“, Cheim & Read, New York, USA
2011 “Slideluck Berlin IV“, .HBC, Berlin
“Realismus“, orth für aktuelle Kunst, Aulich Merkle Stiftung, Offenbach am Main, (Kat.)
“Drawing Connections“, Siena Art Institute, Sienna, Italien
“A drawback“, Atelierhof Kreuzberg, Berlin, (Kat.)
“Technology won‘t save us“, im Rahmenprogramm der 12. Istanbul Bienniale Art Suites Gallery, Istanbul, Türkei, (Kat.)
“On Painting“, Ghyczy, Berlin
“Young European Landscape“, Galerie Wolfsen, Aalborg, Dänemark, (Kat.)
“Peep Show“, Tape Modern, Berlin
“Krieg im Frieden“, Kunstpavillon, München
“FITAX 1500“, GRIMMUSEUM, Tupajumi foundation, Berlin
“The Sketchbook Project“, Brooklyn Art Library, New York und Austin Museum of Art, Texas, ... USA
“Young European Landscape“, Collegium Hungaricum Berlin, (Kat.)
“Realismus“, Galerie Epikur, Wuppertal
“Lost“, Galerie im Park, Bremen
2010 “A HARD RAIN ́S GONNA FALL“, BSA Showroom, Berlin
Teilnahme am editorial project, organisiert von Latitudes,
“The Last -Newspaper“, New Museum, New York, USA
“D12/ Dirty Dozen“, Alter Ego archive, Grimmuseum, Berlin
“Die Kunst der Natur ist die Natur der Kunst“, Künstlerverein Walkmühle, Wiesbaden, (Kat.)
“Lyrics“, Galerija EX ARTE, Ljubljana, Slowenien, Solo
“A Communist Gala“, Cuchifritos Gallery, New York, USA
2009 “CHRISTMAS PALM“, Freies Museum Berlin
“DOUBLE-SELF“, mbf-Kunstprojekte, München, Solo
“Young Art Promotion Project“, Galerie Zulauf, Freinsheim
“Watchlist 10“, JKB Temporary, Berlin
“1,2,3“, Uferhallen, Berlin
“Zirkus Minimus“, Walden Kunstausstellungen, Berlin
2008 “Eberhard-Dietzsch Award“, Geraer Bank eG, Gera, (Kat.)
“Highlights of German Academies“, Dina4 Projekte, Berlin
“Utopia of Space“, Kyrgyz National Museum of Fine Arts, Bishkek, Kyrgisien
“Horizons“, Galerie Adlergasse, Kulturverein riesa efau, Dresden, Solo
“Tag und Nacht“, Kunstverein Werkstatt Plettenberg, Solo
“Quotes - The Art of Allusion“, Vonderbank Artgalleries, Berlin
2007 “Selection 2007“, Elgiz Museum of Contemporary Art, Istanbul, Türkei
“Signale“, Ostrale, Dresden
“Life Spotting“, Vonderbank Artgalleries, Berlin

www.annewoelk.de

 

 

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24.07.2018 Einfluss der Pop Art

GFDK - Angelika Blaeser

Nina Nolte, geboren 1957 in El Salvador, beschwört mit ihren Licht durchfluteten Swimmingpool-Bildern den immerwährenden Sommer herauf. Leuchtendes, klares Wasserblau bildet die Folie für Szenerien, die auf den ersten Blick Schnappschüssen aus einem Urlaubsalbum gleichen.

Malerei von Nina Nolte

Die Malerei der aktuell in Düsseldorf lebenden Künstlerin ist fotorealistisch, der Einfluss der Pop Art vor allem an der satt leuchtenden Farbpalette unverkennbar. Fotografien sind das Ausgangsmaterial für ihre Bilder, jedoch folgen die Kompositionen einer eigenen, innerbildlichen Logik, die auf absolute Stimmigkeit aller Elemente zielt.

Das überraschende Resultat ist eine Wirklichkeit, die auf minutiöse Hyperrealismen verzichtet und doch die Schönheit des Körpers, seine Würde und Eleganz darstellt oder Momente reiner Lebensfreude spiegelt (Pool-Paintings). 

The best is yet to come, das Titel gebende Bild der Ausstellung, ist Teil einer Serie von Arbeiten, die Frauen mittleren Alters zeigen, im Wasser stehend, rauchend, plaudernd, sich schminkend, die einfarbigen oder ornamental gemusterten Turbane kunstvoll um den Kopf gewunden. Die Frauen sind mit sich beschäftigt, schauen den Betrachter nicht an, feiern sich selbst, stolz und in sich ruhend.

Nina Nolte Biografie

Ausbildung  

1957 geboren als Kind deutscher Eltern in San Salvador, El Salvador

1959 – 1964 Übersiedelung nach Deutschland und Einschulung in die Grundschule in Mannheim/ Feudenheim

1964 – 1972 Umzug nach Barcelona, Grundschule und Gymnasium an der Deutschen Schule Barcelona

1972 – 1976 Fortsetzung der Gymnasialzeit am Max Planck Gymnasium in Ludwigshafen am Rhein, Abitur

1976 1976 – 1991 Deutsche Lufthansa, Frankfurt am Main und München, erste Arbeiten auf Papier mit Acryl- und Aquarellfarben, autodidaktischer Erwerb der Maltechniken, erste Ausstellung

1991 - 1997 freiberufliche künstlerische Tätigkeit in München, erste Ausstellung in einer Galerie

1991 1997 – 2010 Übersiedelung nach Andalusien, San Pedro Alcántara, und zunehmend großformatige Arbeiten mit Acryl auf Leinwand, Weiterentwicklung zur gegenwärtigen künstlerischen Position

Einzelausstellungen  

1991 - 1993 Galerie Inter Art/ München

1992 Galerie am Theater, Aachen

1994 Galerie Art Forum/ Mexico City

         Galerie Perplex/ Berlin

1995 Galerie Espace Suizze/ Strasbourg Haupthaus von Mercedes-Benz/ Berlin

1996 University Club/ Washington D.C.

         Art Trust International Gallery/ Sarasota, Florida

1997 Fabien Fryns Gallery/ Marbella

         Mercedes-Benz/ Dresden

1998 vier Wanderausstellungen mit der Diputación de Málaga, Área de Cultura y Educación (der Abteilung für Kultur und Erziehung der Provinzregierung von Malaga) in Fuengirola, Antequera, Pizarra und Casabermeja Galerie Rina Bouwen/ Madrid

1999 Galerie Art Forum/ Mexico City

         Galerie Minkner/ Palma de Mallorca

2000 Galerie Espacio/ San Salvador (El Salvador)

2002 Art Seasons Gallery/ Singapur

2003 Pablo Goebel Fine Arts/ Mexico City

         Galerie Espacio/ San Salvador (El Salvador), Portrait für die Gattin des

         salvadorenischen Staatspräsidenten

(1999 – 2004) Francisco Guillermo Flores Pérez Art Thiess/ München

2004 Thomas Punzmann Gallery/ Marbella

2006 Galerie Carmen del Campo/ Cordoba Art Thiess/ München

2007 Sara Nightingale Gallery/ Water Mill, Long Island NY

          Casino de Marbella

2009 Sara Nightingale Gallery/ Shelter Island NY

          Galerie Jorge Alcolea/ Madrid

          Thomas Punzmann Gallery/ Marbella

 

Gruppenausstellungen (Auswahl ab 2008)

2008 Galerie Jorge Alcolea/ Madrid

         Galerie Elizabeth Budia/ Barcelona

         Sara Nightingale Gallery/ Water Mill NY

         Art Thiess/ Muenchen

         Berliner Liste, mit Thomas Punzmann

         Gallery MIArt/ Mailand, mit Galerie Jorge Alcolea

         Bridge Art Fair/ New York, mit Galerie Jorge Alcolea

2009 Janine Bean Gallery/ Berlin

         Galerie Jorge Alcolea/ Madrid

         Berliner Liste/ Berlin, mit Thomas Punzmann Gallery

2010 Galerie Angelika Blaeser, Duesseldorf

          Galerie Jorge Alcolea/ Madrid

          Rivera & Rivera Gallery/ Los Angeles

          Anya Tish Gallery, Houston

          Janine Bean Gallery/ Berlin

          PAN Amsterdam, mit Willem Kerseboom

         Gallery Berliner Liste, mit Thomas Punzmann

         Gallery Hot Art Fair/ Basel, mit Thomas Punzmann

         Gallery Art Antique/ Utrecht, mit Willem Kerseboom

         Gallery ART Amsterdam, mit Willem Kerseboom

         Gallery ART-Fair 21, mit Thomas Punzmann Gall

Galeriekontakt:

Galerie Angelika Blaeser

modern & contemporary art

Bastionstr. 10

40213 Düsseldorf

+49 (0)211 877 44 582

+49 (0)172 977 44 00

info@remove-this.galerie-angelika-blaeser.de

 

Öffnungszeiten: Di. – Fr. 11 – 18 Uhr, Sa. 11 – 15 Uhr, sowie nach Vereinbarung

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08.07.2018 das wesen der natur

GFDK - Birgit Enge

Seine Leidenschaft gilt den Bergen: Peter Mathis, geboren 1961, lebt in Hohenems, wenn er nicht gerade an den unterschiedlichsten Orten der Welt fotografiert. Seit 1986 gilt er vor allem als Spezialist für atemberaubende und naturgetreue Sport- und Outdoor-Bilder, vom Klettern über Schi bis zu Motorsport.

Zahlreiche internationale Firmen wie Adidas, HellyHansen, Red Bull, Daimler Benz, Lufthansa oder auch die Österreich Werbung zählen zu seinen Kunden. Viele Magazine und Werbeagenturen weltweit setzen ebenfalls auf die außergewöhnlichen Fähigkeiten und die strikte Philosophie des Peter Mathis.

Seit 1998 gewann er verschiedene Auszeichnungen bei Wettbewerben und Festivals von Kanada bis Italien. 2007 wurde ihm in Schweden der Titel eines Hasselblad Masters verliehen. 2008 zeichnete ihn die Vereinigung der Europäischen Berufsfotografen in Belgien zum Master of European Photography aus.

Mehr als ein Dutzend Bücher hat der Vorarlberger bisher veröffentlicht, sein jüngstes Werk „Visual Dualism – Dolomites“ wird im Rahmen der Ausstellung im Atelier Jungwirth erstmals vorgestellt. In Graz werden vor allem die Naturfotografien aus den Dolomiten zu sehen sein, die Peter Mathis in den Jahren seit 2009 speziell für dieses Buch aufgenommen hat.

Die Dualität von hell und dunkel, Linien, Strukturen, Licht und Schatten ist einzigartig; bei Mathis wird nichts dem Zufall überlassen.

Peter ist kein Jäger des ‚schönen Motivs’, nicht auf der Suche nach der dekorativen Szenerie oder dem spektakulären Moment. Ihm geht es stattdessen um den Kern der Natur, um ihr Wesen und ihre Schönheit, die sich in jedem Detail offenbaren kann – wenn man es nur richtig zu sehen vermag“, schreibt die Kunsthistorikerin Christiane Schmieger.


Ein Bild ist bei Peter Mathis folglich nicht einfach die Wiedergabe eines Augenblicks, sondern das Ergebnis einer sorgfältigen Auseinandersetzung mit Motiv, Licht und Umgebung. Spätere Eingriffe mit dem Computer oder banale Effekthascherei lehnt der Fotograf explizit ab.

Wenn er Sportler fotografiert, so achtet er stets darauf, dass die Natur nicht zu Schaden kommt. Neben den Landschaften werden Portraitaufnahmen immer wichtiger in seinem Werk. Auffallend auch ein immer stärkeres Faible für Schwarzweiß-Bilder.

Birgit Enge, Atelier Jungwirth, Opernring 12, A-8010 Graz. Tel. +43/(0)316-815505 - mail@atelierjungwirth.com, www.atelierjungwirth.com

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07.03.2018 ritualisiert die versteckte Gewalt zwischen den Figuren

GFDK/ Dr. Gudrun Pamme-Vogelsang

Ein wichtiges Thema, das die Londoner Künstlerin Joanna Price in ihrer Malerei verhandelt, ist die Begegnung und Kommunikation unter Männern. Die Künstlerin verallgemeinert und standardisiert, indem sie die Figuren nahezu monochrom in Gruppen zusammenstellt oder auch einzelne Figuren zwischen den Gruppen isoliert.

Die Männerbegegnungen scheinen – einem Tanz vergleichbar - sorgfältig choreographiert. Price untersucht mit malerischen Mitteln Phänomene wie Männerbünde und Kameraderie, Rivalität und Strategie, Intimität und Distanz im privaten und öffentlichen Raum.

Dabei wirken die Berührungen, Gesten oder auch der ausgetauschte Handschlag keineswegs freundlich sondern verhalten aggressiv. Price ritualisiert die versteckte Gewalt zwischen den Figuren – eine Gewalt, die in den unspezifischen, aber beengten, monochromen Bildräumen eine eigenartige Dynamik entfaltet.

Die Männergruppen in den Werken von Joanna Price scheinen zu schweben, ungeachtet konventioneller Perspektiven. Isoliert voneinander wirken die Männer wie kleine Porzellanfiguren. Jede der ´Ming-blauen` Gruppen erinnert zunächst an das Design auf einem Willow Pattern Teller. Doch lassen sich auch Parallelen zur mittelalterlichen Kunst und den Erzählrhythmen z.B. auf Wandteppichen und in der Buchmalerei entdecken.

Als junge Künstlerin war Joanna Price fasziniert von der griechischen Vasenmalerei mit ihren klaren standardisierten Bildprogrammen, den vorbildhaften Geschichten und Heldensagen. Die gemalten Geschichten von Price bleiben aber unklar, die Protagonisten meist unkenntlich. Price studiert Typologien und Verhaltensmuster, die Geschichten hierzu muss der Betrachter selbst erfinden.

Obwohl sich manche Titel der Künstlerin auf Orte wie Millwall beziehen, wo regelmäßig Hooligan Auseinandersetzungen stattfinden, ist Ihre Arbeit ganz und gar nicht dokumentarisch, soziologisch oder gar feministisch anzusehen. Die Gemälde von Joanna Price haben ebenso wenig mit dem Thema Männergewalt zu tun wie Degas Tänzer mit Ballett.

Aufgrund der emotionalen Aufladung und Unmittelbarkeit bevorzugt die Künstlerin die Darstellung von Gewalt gegenüber anderer dynamischer Bewegungsabläufe, wie man sie vom Sport oder Tanz her kennt.

Joanna Price gelingt es in ihrer Malerei Gewalt darzustellen ohne dabei in der Anklage stecken zu bleiben. Ihre einzigartige Bildstrategie führt aus der Betroffenheit heraus und ermöglicht so einen ironisch distanzierten Blick auf ihre Bilderwelten.

Joanna Price wurde 1956 in Irland geboren. Die City and Guilds of London Art School absolvierte sie 1982 mit einem Abschluss als Bildhauerin. Später erhielt sie ein Stipendium für die New York Studio School. Im Jahr 1990 zeigte Joanna Price ihre erste Einzelaus-stellung als Malerin in der Anna Bornholt Gallery in London.

In Deutschland war ihre erste Einzelausstellung 2005 in der Galerie Michael Heufelder, München, zu sehen. Sie beteiligte sich u.a. an den Gruppenausstellungen Migrant Artists Council Biennale, St. Petersburg (2001), Paintings for hospitals, The Saatchi Gallery, London (2002), “Zurück zur Figur", Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, München (2006).

Werke von Joanna Price befinden sich in öffentlichen Sammlungen, z.B.: Unilever, State Street Bank, Cinven, Hambros Bank, Saatchi Collection, Sierra Serapion, Puerto Rico, Norddeutsche Landesbank, Nancy Balfour Collection, The Inland Revenue, Rugby County Council, Robert Webster, Arthur Anderson, The Arts Council of Great Britain.

Joanna Price, *1956 in Irland
Lebt und arbeitet in London (UK)

Galerie Pamme-Vogelsang

Dr. Gudrun Pamme-Vogelsang

Hahnenstraße 33

D-50667 Köln

T.:  +49 - (0)221 - 80 15 87 63

F.:  +49 - (0)221 - 80 15 87 64

M.: +49 - (0)171 - 86 31 823

info@pamme-vogelsang.de

Öffnungszeiten:

Dienstag bis Freitag 12 bis 18.00 Uhr

Samstag 11 bis 15 Uhr u.n.V.

1) "Good Form and nice Style", Öl auf Leinwand, 122x122 cm © Joanna Price

2) "Nice Style", Öl auf Leinwand, 183x183 cm © Joanna Price

3) "Serial Handshake", Öl auf Leinwand, 183x183 cm © Joanna Price

4) "Good Form and nice Style", 2005, Öl auf Leinwand, 122x122 cm © Joanna Price

5) "Ushering out the Old I", 1997, Öl auf Leinwand, 183x183 cm © Joanna Price

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31.01.2018 von Kippenberger bis Disney

GFDK - Michael Sanchez

Cosima von Bonin ist die prominenteste Vertreterin der Konzeptkunst. Sie arbeitet mit Textilien, Filmen, Installationen, Malerei, Skulptur bis hin zur Fotografie und widmet sich mit Vorliebe den "Übermaßen".

Die gezeigten frühen Arbeiten von Cosima von Bonin umfassen eine Reihe von Gefängnisfenstern aus Pappe und Tape, die 1993 bei American Fine Arts in New York zu sehen waren. Für jene Ausstellung hatte von Bonin oberhalb der Arbeiten Vogelkäfige mit Wellensittichen angebracht, was zu unregelmäßigen Ablagerungen von Vogeldreck führte, die auf der Oberfläche der Arbeiten nach wie vor zu erkennen sind.

Weitere frühe Arbeiten beispielsweise der im Jahr 1994 über einer Tür des Kunstvereins Kippenberger im Fridericianum, Kassel, drapierte Bikini, sowie ein Raster aus zusammengenähten Herrentaschentüchern  wurden für Grandville and the Decision of Grandville komplett in Weiß nachgebildet.

Mehrere freistehende Möbelbeine aus dem Jahr 1992 werden auf weißen Sockeln präsentiert, wie Soldaten, die sich zu einem Angriffsmanöver versammelt haben. Ein Sperrholz-Lkw und sein Gegenüber aus Pappe, erstmals gezeigt 2010 anlässlich der Ausstellung The Fatigue Empire im Kunsthaus Bregenz, wurden von ihrer Ladung befreit, die möglicherweise durch etwas anderes oder durch gar nichts ersetzt werden wird.

Indem sie den unheimlichen Animismus von J. J. Grandvilles satirischen Graphiken (beispielsweise Un autre monde, 1844) umkehrt, präsentiert von Bonin ihre Tier-Avatare, etwa den auf einem biomorphen Fake-50er-Jahre-Tisch hängenden roten Einsiedlerkrebs, seit ihrer Bregenzer Ausstellung im vergangenen Jahr als schlaffe und erschöpfte Wesen.

In dieser neuen Installation nun griff der Ermattungseffekt bei einer Skulpturengruppe auf einer Tischplatte ineinander verschränkt liegende weiche Wesen auch auf die Farbe über. So wird die Ausstellung, ungewöhnlich für von Bonin, von Weiß beherrscht.

Während er in Düsseldorf lebte und dort an seiner Section Cinéma arbeitete, bezeichnete Marcel Broodthaers sich selbst einmal als Vampir von Düsseldorf. Ebenso wie Broodthaers in seinem selbstreflexiven Spätwerk ist auch von Bonin vom Vampirismus gegenüber anderen schließlich zum Selbstvampirismus übergegangen.

Als Vampir ihrer selbst und Vampir von Köln agiert von Bonin innerhalb eines Autovampirismus-Loops, man könnte auch sagen: innerhalb einer Möbiusschleife, die Köln 1993 mit Berlin 2011 verbindet und in einer Galerie präsentiert wird, deren Räume in Form eines Loops angeordnet sind, wobei zu jeder Arbeit ein geloopter Soundtrack gehört.

Auf Grundlage ihres untoten Netzwerks aus Referenzen und sozialen Beziehungen scheint von Bonin ein Document of the Dead geschaffen zu haben, um an dieser Stelle den Titel einer ebenfalls in der Ausstellung gezeigten Videodokumentation über den Zombie-Filmemacher George Romero zu zitieren.
Michael Sanchez (Quelle: Galerie Buchholz/ Ausstellung GRANDVILLE AND THE DECISION AT GRANDVILLE, 2012)

Cosima von Bonin geboren 1962 in Mombasa, Kenia studierte Freie Kunst, Szenografie und Medienkunst bei Günter Förg und Johannes Schütz. Sie lebt und arbeitet in Köln.

Im Verlag DuMont ist ein Kunstkatalog The Lazy Susan Series über erschienen, der einen einen Überblick über die vierteilige und bislang größte Ausstellung von Cosima von Bonin gibt, die von Rotterdam über Bristol nach Genf und zuletzt in die Heimatstadt der Künstlerin, Köln, führt. Sie unterscheidet sich von einer herkömmlichen Wanderausstellung, da sie sich von Ort zu Ort verändert hat.

Überdimensionale Kuscheltiere, genähte Bilder und minimalistische Skulpturen füllen die Ausstellungsräume. Mit ihren Installationen changiert die Künstlerin zwischen Ernsthaftigkeit und Witz und hinterfragt die Grenzen zwischen Kunst und Alltag. Begleitend zu ihren Arbeiten thematisiert sie Autorenfunktionen. Künstler aus den Disziplinen Literatur, Musik und Film realisieren zu den Arbeiten von Cosima von Bonin eigene Werke.(Quelle: DuMont Verlag)

 

Kontakt:

Galerie Buchholz in Köln post@galeriebuchholz.de

www.galeriebuchholz.de

 

 

 

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11.12.2017 Hund, Katz und Maus

GFDK - Redaktion

Geliebte Gefährten - Künstlerin Anne Kückelhaus stellt Herrchens bester Freund und Frauchens Schmusekatze – unser aller Lieblinge -in den Mittelpunkt ihres künstlerischen Schaffens. Zu sehen sind die tierischen Installationen aktuell im Kunstverein Trier.

Geschichten, die ich in meinen Arbeiten erzähle, haben ihren Ursprung im täglichen Leben -
die kleinen Komödien und Tragödien des Alltags werden in ihrer Überführung in eine Skulptur oder Installation bisweilen kritisch, immer aber humorvoll kommentiert.
In der Überzeichnung der Figuren und der Neuordnung ihres Kontextes, zeigen meine Arbeiten ihre erzählerische Kraft.

[…] Das gemischte Material wie auch die reduzierte Oberflächengestaltung korrespondieren mit [Anne Kückelhaus‘] Hang zur Abstraktion, und es ist der Künstlerin nie um naturalistische Abbildlichkeit zu tun: Die keramischen Kückelhaustiere haben kein Fell, kein Gefieder - oft nicht einmal die Andeutung eines solchen - es sind gespachtelte, geknetete Oberflächen; plastisch ja, körperlich anwesend, aber haptisch nicht greifbar. Und ganz bestimmt: Kein Streichelzoo.
Überhaupt hat man vor Kückelhaus’ Skulpturen den Eindruck, sie wollten stets auf ihr Ursprungsmaterial hinweisen, auf den formbaren Ton - so als besäßen alle Wesen, aber eben auch die Gegenstände noch metamorphotisches Potential; wenn nicht aus sich selbst heraus, dann doch unter den Händen ihrer Schöpferin, so als könnten sie sich jederzeit in etwas völlig anderes verwandeln. […]

Durch das Arrangement der Einzelkomponenten provoziere ich bewusst die Projektion menschlicher Eigenschaften auf die Tiere und Situationen und spreche die Empfindungen des Betrachters gezielt an, so dass die vom Tier gezeigten Handlungen und Verhaltensweisen doch auch zugleich vom Menschen erzählen.

[…]Es ist grundsätzlich einer der spannenden Züge an der Kunst von Anne Kückelhaus, dass sie – mal offensichtlich, mal unterschwellig - einen starken Zug ins Narrative aufweist. Und zwar dergestalt, dass nicht etwa in Bildern und Figuren Geschichten erzählt werden, sondern dass wir Motiven begegnen, die Erzählerisches, aufs höchste verdichtet, im Keim enthalten: Wir müssen sie nur noch mit dem Wasser unserer Phantasie begießen, um Geschichten daraus sprießen zu lassen. […]

In meinen Arbeiten konfrontiere ich den Betrachter mit bekannten und doch unerwarteten Bildern. Vertraut Geglaubtes wird zum Denkanlass, in der Reflexion werden individuelle Sichtweisen vielfach beleuchtet, divergente Sichtweisen durchgespielt, vielleicht Verbindendes gefunden und so Geschichten erzählt/gefunden.

Kunst von Anne Kückelhaus

Ich präsentiere meine Figuren häufig in installativen Zusammenstellungen. Dabei finden unterschiedliche Materialitäten in meinen Arbeiten zusammen (Keramik, Textil, Zeichnung, …) und erweitern die meist keramische Grundkomponente. Jedes Material mit seinem erzählerischen Potential wird ein wichtiger Bestandteil der Gesamtarbeit – so nutze ich beispielsweise in der Arbeit „Verkündung“ fluoreszierende pinke Sprayfarbe zur Verstärkung des Ausdrucks der tierischen Aggression.

Neben dem erzählerischen Zusammenspiel der unterschiedlichen Materialien, trägt auch der Präsentationsraum mit seiner eigenen Geschichte, seinen architektonischen Besonderheiten und seiner Stimmung zur Gesamtwahrnehmung meiner figürlichen Arbeiten bei. Diese werden vielfach für bestimmte Orte entwickelt, oder in ihrer Ausarbeitung und Präsentation an gegebene Raumsituationen angebunden.
Ausstellungen folgen oftmals einem übergeordneten Thema – die Geschichten der Einzelarbeiten ergänzen sich und verflechten sich so zu einem größeren Gesamtbild.

Kursiv: Auszüge aus: Dr. Stephan Trescher: „Frei & Wild“

Ausstellung in Trier

Die Arbeit von Anne Kückelhaus sind im Kunstverein Trier zu sehen:

Anne Kückelhaus, Geliebte Gefährten, 2. 12. 2017 bis 13. 1. 2018

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