11.09.2009

Moby: Wait for me

von:

Während einer Rede des Regisseurs David Lynch, hatte Moby einen Moment der Erleuchtung. Lynchs simple Kernaussage – dass Kreativität für sich genommen eine wunderschöne, fantastische Sache ist – war zwar ausgesprochen einfach, doch sie traf Moby mit der Schlagkraft der Rute eines Zenmeisters. "In diesem Moment entschloss ich mich, viel persönlichere Platten zu machen", so Moby. "Platten, die vielleicht etwas experimenteller, schwieriger und weniger eingängig sind, aber künstlerisch und kreativ mehr Befriedigung bringen. Darauf beruht auch mein neues Album."

Das Ergebnis dieser Erleuchtung, "Wait For Me", unterscheidet sich deutlich von Mobys bisherigen Alben, z. B. der letztjährigen Dancefloor-Hommage "Last Night", Mobys Modern-Rock-Flirt "Hotel" (2005), dem glitzernden Ambient-Exkurs "18" von 2002 und natürlich auch der damals zukunftsweisenden melancholischen Electronica des 1999er-Albums "Play".

Moby verzichtete auf teure Studios, High-Tech-Elektronik, bekannte Gäste und Geschwader von Grafikdesignern und Imageberatern, die den Vorgängeralben ihren Stempel aufgedrückt hatten. Diese Do-it-yourself-Ideologie prägt das gesamte Album, von der Aufnahme bis zum Design. "Die Fotos stammen von einem Freund, das Cover habe ich selbst gestaltet. Die ganze Platte ist bei mir zuhause entstanden; abgemischt habe ich sie mit einem verrückten Punkrocker, dem legendären Produzenten Ken Thomas dessen "Magic Touch" schon die Buzzcocks, Wire, Boyd Rice, Chris & Cosey oder auch Sigur Ros und M83 aufpolierte.“

Der Punk- und DIY-Ethos, der "Wait For Me" vom ersten bis zum letzten Song durchzieht, war Moby schon immer sympathisch: In den frühen 1980er Jahren hatte er selbst bei einer Hardcore-Band für Lautstärke gesorgt.

Auf "Wait For Me" treffen Mobys charakteristische, expansive und emotionale Flächen auf präzise Punkelemente, die an den überraschendsten Stellen auftauchen.

"Ich wollte eine Platte machen, die schön und warm, offen und einladend ist, gleichzeitig aber auch eigenwilliger und persönlicher", so Moby.

Mit der leisen, manchmal verstörenden Anmut von "Wait For Me" ist Moby eine warme, intime und offene Platte gelungen.

Erschienen (26.6.09) bei www.ministryofsound.de