Unsere Videogalerie über Musikstars und Newcomer

24.05.2009

Schauspielhaus Hamburg: Auszug aus "Federn lassen". Noch bevor an die wilden 68er überhaupt zu denken war, brechen drei junge Frauen aus der kleinbürgerlichen Enge ihrer Heimatstadt aus. Ohne große Planung stürzen sie sich in das Abenteuer, als Girl Group auf Tour zu gehen. Dabei lassen sie ein geordnetes Leben im Sinne ihrer Eltern hinter sich und setzen auf künstlerische Selbstverwirklichung. Ihre Idole sind Lesley Gore, Aretha Franklin, Diana Ross und die Supremes. Als Amanda and the Feathers kopieren sie deren Songs, Frisuren und Choreographien. Dreißig Jahre später zieht Belinda Bilanz: Was ist auf dem Weg geblieben vom großen Traum?

Regie Anika Döring
Bühne und Kostüm Anje Kuna
Licht Andreas Juchheim
Dramaturgie Nora Khuon
Mit Hedi Kriegeskotte

Schauspielhaus Hamburg: www.schauspielhaus.de 

Termine: 9.+20.6.2009

 

Pressestimmen:

Fleisch ist ihr Gemüse
Die weibliche Variante von Heinz Strunk heißt Belinda und lebt jetzt in der Schauspielhaus-Kantine
Die Welt, 7.11.08
Eng ist es in der Kantine des Schauspielhauses. Die Bühne ist winzig, eigentlich nur ein Podest, auch die Zuschauer sitzen dicht gedrängt an den wenigen Tischen. Und genau das ist die Atmosphäre, die Hedi Kriegeskotte braucht, um gnadenlos "Federn lassen" zu können. Im gleichnamigen Solostück von Kristo Sagor verwandelt sie sich in Belinda, das blonde Drittel einer deutschen Girl-Group. Aus sicherer zeitlicher Entfernung hält die Ex-Sängerin Rückschau, lässt drei Jahrzehnte mal eben in 90 Minuten an uns und ihr vorbei ziehen.

Eng war auch Belindas Welt in den 60er Jahren. Aus der eröffnete sich eines Abends ein Fluchtweg, als sie gemeinsam mit zwei Freundinnen zu den "ABC-Girls" mutiert: Mit Alkohol als Katalysator scheint Singen plötzlich die Perspektive, der Provinz erfolgreich zu entfliehen, Lesley Gores Hit "It's my Party" bündelt das Lebensgefühl der drei lebenshungrigen Teenager.

Dann geht es wirklich los: Tante Käthes Geburtstag liefert die willkommene Gelegenheit zum ersten Auftritt - und ein extrem dankbares Publikum. Darunter sogar zwei regelrechte Fans, Fleischermeister Momsen und Bäckerlehrling Wolfi, die - zwar miteinander konkurrierend, dennoch beide erfolgreich - für Folge-Auftritte sorgten: Die "Engagements" vor der Fleischer- und der Bäcker-Innung werden zu Heimspielen für die drei ehrgeizigen Nachwuchstalente.

Durch solcherart Erfolg ermutigt wird ein Tourbus angeschafft und endlich mutig die Ortsausfahrt Richtung Süden durchbrochen. Amanda, Belinda und Clio, die ABC-Girls, nennen sich nach kleinen Eifersüchteleien "Amanda and the Feathers", womit eine neue Linie zwischen der Frontfrau A und den beiden Federn im Background gezogen ist.

Als nächste Perspektive vor ihren Mikrofonen bietet sich ihnen das Publikum der Schrebergartensiedlung Sindelfingen und ein paar Hochzeitsgesellschaften aus Sigmaringen. Es folgte ein relativ sicherer Langzeit-Job in einer Gelsenkirchener Kneipe, mit den Auftritten ist jedoch auch das Bedienen der Gäste gekoppelt; nach einer kurzen internen Lagebesprechung ("Ich bin doch keine Nutte, sondern Künstlerin!") fügten sich alle drei in ihr Schicksal - und träumten weiter von geräumigen Stadthallen und dem Durchbruch. Um diesen zu forcieren, kopierten sie Songs internationaler Stars wie Diana Ross and the Supremes und Aretha Franklin. Doch weder gewagte Perücken noch wilde Affären mit den jeweiligen Lokalgrößen der Kleinstädte heben Amanda, Belinda und Clio über die Mittelmäßigkeit hinaus.

In westfälischem Schnodderton, mit der angebrachten Dosis Selbstironie und ungeschönt ehrlich, lässt Belinda reichlich Federn; Hedi Kriegeskotte liefert mit dieser Figur eine berührende One-Woman-Show, keine Sekunde entlässt sie ihr Publikum, sie schleift es unerbittlich mit durch jeden noch so kleinen Triumph sowie durch die Tiefen der Würdelosigkeit ihrer No-Name-Band-Existenz.  

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28.04.2009

Das Hamburger Schauspielhaus zeigt das sozialkritische Stück: Kritische Masse

Das Arbeitsamt bleibt heute aus unerfindlichen Gründen geschlossen. Vor der Tür bildet sich nach und nach eine bunte Menschentraube, Bundesrepublikaner aus unterschiedlichsten sozialen Schichten warten gemeinsam auf Einlass. Der ausgesonderte Ethikprofessor steht verdutzt neben dem Langzeitarbeitslosen, die junge Hauptschülerin neben der russischen Einwanderin. Sie haben abweichende Biografien und Motivationen dem Leben gegenüber, sie kommen woanders her und wollen, wenn sie es überhaupt noch formulieren können, woanders hin; eines aber haben sie gemeinsam: die Arbeitslosigkeit drängt sie an den Rand der Gesellschaft. Der Ort, der über kurz oder lang eine Veränderung schaffen sollte, bleibt versperrt und so fällt der unfreiwillig formierten Gruppe erstmal nichts anderes ein als gemeinsam zu warten.
Was ist mit denen, die draußen sind?

Diese Frage stellt Oliver Bukowski in seinem neuen Auftragswerk für das Deutsche Schauspielhaus. Der Titel »Kritische Masse« ist dabei Programm: Die Wartenden bilden eine Art Protestcamp, sie feiern eine Party, saufen, quatschen, hoffen, verzweifeln, lieben und hassen sich und versuchen für eine gemeinsame Sache zu kämpfen. Kritisch sind sie allemal, aber worauf zielt ihre Kritik ab? Auf die Verbesserung der sozialen Lebensumstände oder auf die Möglichkeit zur individuellen Entfaltung? Lassen sich die festgestellten Missstände mit dem Kapitalismus verbinden oder gehört das System schlicht abgeschafft? Was interessiert mehr? Das Hemdchen für den Liebsten oder die Kampfuniform? Und vor allem: Wer hört einem beim revoltieren überhaupt zu, wenn man kein Lokführer ist und durch Protest das Verkehrssystem eines ganzen Landes zum erliegen bringen kann? Es ist nicht leicht für die Kritische Masse in eine Revolutionäre Masse umzuschlagen.

Oliver Bukowski, studierter Soziologe, analysiert Proteststrukturen und wirft die Frage auf, welcher gesellschaftliche Tropfen das Fass zum überlaufen bringt. Auf skurrile Weise stellt er die Frage nach dem revolutionären Potential einer kritischen Masse. Und wie immer bei Oliver Bukowski liegen Tragik und Komik ganz eng beieinander, liefern sich die Helden bissige Dialogduelle und schwarze Pointengewitter.
Der Regisseur Sebastian Nübling, von dem schon mehrere Arbeiten am Deutschen Schauspielhaus zu sehen waren und der mit seiner Inszenierung »Pornographie« zum Theatertreffen 2008 eingeladen war, begegnet Bukowskis unterhaltsamer Tragödie in der Gegenwart und befragt die Kraft der Kritik an unserer heutigen Gesellschaft.

Oliver Bukowski (Autor)
Geboren 1961 in Cottbus. Nach dem Abitur studierte er von 1985 bis 1990 Philosophie, ab 1987 sozialpsychologisch spezialisiert (Diplomarbeit: »Begriffe moderner Motivationstheorie«). Anschließend war er Doktorand für Sozialwissenschaft an der Humbold-Universität Berlin. Bukowski ist Mitinitiator und Gründer der THEATERLOGE e.V. Seit Abbruch des Forschungsstudiums im November 1991 arbeitet er als freischaffender Autor, er lebt in Berlin.

Preise und Auszeichnungen (Auswahl): Gerhart-Hauptmann-Preis 1994 für »London – L.Ä. – Lübbenau«, Deutscher Jugendtheaterpreis 1996 für »Ob so oder so«, Stücke-Förderpreis des Goethe Instituts im Rahmen der Mülheimer Theatertage 1998 für »Nichts Schöneres«, Mülheimer Dramatikerpreis 1999 für »Gäste«, Lessing-Förderpreis 2001 des Freistaates Sachsen. Oliver Bukowski war 1998 Mitbegründer und Leiter des Uraufführungstheaters (UAT) am Staatstheater Dresden und gründete 2001 die Filmproduktionsfirma »IT WORKS! Film-produktion«. Er ist Dozent in der Klasse für »Szenisches Schreiben« an der Universität der Künste Berlin, aus der in den letzten Jahren sehr viele renommierte Nachwuchsdramatiker hervorgegangen sind.

Regie Sebastian Nübling
Bühne und Kostüme Magda Willi
Musik Lars Wittershagen
Dramaturgie Nicola Bramkamp
Licht Annette ter Meulen
Mit Marion Breckwoldt, Marlen Diekhoff, Jörn Knebel, Juliane Koren, Hedi Kriegeskotte, Marie Leuenberger, Martin Pawlowsky, Tim Porath, Michael Prelle, Jana Schulz, Tristan Seith, Lydia Stäubli, Daniel Wahl, Samuel Weiss, Kaspar Weiss, Sören Wunderlich

Infos unter: www.schauspielhaus.de am 28.4. sowie 14.5.2009

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23.03.2009

Die Kunstform des improvisierten Tanzes und elektronischer Musik werden gemischt und verschmelzen ineinander zu einem Gesamtkunstwerk, das der Fotokünstler Luigi Toscano und sein Partner Felix Kerkow aus verschiendenen, auch ungewöhnlichen Perspektiven in einem filmischen Porträt wiedergeben

Im Mittelpunkt des Films stehen spontane Kreativität und Improvisation der Künstler und deren Interaktion auf der Bühne. Gezeigt wird der zur Perfektion gebrachte Austausch der Kunstformen.

Freie, auf elektronischen Sounds und Beats basierende improvisierte Musik der Band Goldbach gepaart mit modernem Ballett ergeben eine wunderbare Collage voll Ideenreichtum und Ausdruckskraft.

Luigi Toscano, Felix Kerkow (und Stefan Schrön an der Bühnen-Kamera) ist es gelungen, dieses ungewöhnliche Zusammenspiel in ihrem gemeinsamen filmischen Erstlingswerk zu verbinden. In Kooperation mit dem Kevin O´Day Ballet des Mannheimer Nationaltheaters  und der free form electronic Band Goldbach und um den Mannheimer Trompeter Thomas Siffling.

Film Premiere 25.03.09 20.00 Uhr Atlantis Kino Mannheim

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