04.08.2020 Ich bin ein Anderes von Catrine Val

In der interaktiven Videoinstallation „Ich bin ein Anderes “ verwandelt sich Catrine Val – stellvertretend- nacheinander in alle acht Finalistinnen

von: GFDK - Künstler Vorgestellt - Bernhard Balkenhol

Ich bin ein Anderes - Im Jahr 2008 fand auf der Videoplattform YouTube erstmals eine Wahl zur „schönsten Frau der Welt“ im Internet statt. Im Unterschied zur realweltlichen Prozedur der Miss-World-Wahl tritt auf YouTube die individuelle Persönlichkeit der Kandidatin in den Vordergrund.

Diese präsentieren sich hier in einer fast intimen Atmosphäre, wobei ihr permanenter Blick in die Kamera die Zuschauer direkt anspricht. Jede Kandidatin spricht ihren Part in Englisch: Den Anfang bildet die Landesangabe, gefolgt von reduzierten Angaben zur beruflichen Qualifikation, hochgesteckten Lebenszielen und sozialem Engagement.

Dabei bleibt offen, ob die in den Videobotschaften vermittelten Inhalte tatsächlich auf die realen Personen der Miss India, Miss Russia oder Miss Bolivia zutreffen. In der interaktiven Videoinstallation „Ich bin ein Anderes “ verwandelt sich Catrine Val –stellvertretend- nacheinander in alle acht Finalistinnen.

Vote

Durch die direkte spiegelbildliche Gegenüberstellung zwischen Original und Kopie entmystifiziert sich das individuelle Aussehen der jungen Frauen. In „Ich bin ein Anderes“ werden die Betrachterinnen und Betrachter in einer, der Videoplattform YouTube nachempfundenen, Benutzeroberfläche dazu aufgefordert, sich die Videos der Kandidatinnen der Miss World 2008 per Mausklick anzuschauen.

Über einen „Vote“-Button wird in der Installation die Wahl durch die Ausstellungsbesucher noch einmal wiederholt. Immer wenn ein Video gestartet wird, ist synchron dazu auf einem Flachbildschirm an der Wand die nachgestellte,  lippensynchron gesprochene Kopie von Catrine Val zu sehen.  

Gesten, Blickrichtung und Körpersprache werden Eins. Wird kein Video gestartet, laufen auf dem Flachbildschirm stumme, pseudoprivate Homemovie-Sequenzen. Im Stil von YouTube hat Catrine Val realistisch wirkende „Zu Hause“- Situationen der Kandidatinnen inszeniert.

Es kommt zu einem Spiel mit inszenierten und kopierten Videos, die sich durch die Reverenzen untereinander mit Humor den Strukturen hinter den Videoblogs verschreiben. Leichtfüssig überholt die Simulation die Realität und dringt in einen Bereich vor, in dem die Differenz von Wahrheit und Täuschung keine Rolle mehr spielt.

Bernhard Balkenhol

Statement:

Catrine Val
„Meine künstlerische Position entwickelt sich aus einer bedingungslosen Neugierde am Diskurs im Umgang mit Kommunikationsmedien und den damit einhergehenden Hinterfragung einer medienkulturellen Identität, die sich ihrer sozialen, politischen, ästhetischen und ethischen Eingebundenheiten bewusst ist.“ 

Der Schwerpunkt meiner Arbeiten liegt in der Videokunst, wie in der konzeptuellen inszenierten Fotoarbeit. Thematisch stellen sie sensible, gesellschaftliche Beobachtungen an, die oft zum Environment inszeniert, das Verhältnis der Betrachter zum Videobild, untereinander gestalten.

Im Vordergrund trat in den letzten Arbeiten wie  „Ich bin ein Anderes“ oder der hybriden Installation von „YouPrompt“ die produktive Gestaltung des Spannungsfeldes von virtuellen und realen Beiträgen im Experiment.

Im Kern bezogen sich die Installationen auf das ständig wachsende und auf YouTube abgelegte Videomaterial, in seiner ambivalenten und zuweilen belanglos erscheinenden Vieldeutigkeit. Aus den vorangegangenen Ansätzen und der bisherigen Arbeit entwickele ich  gerade das Konzept SHEPARL.

Gegenstand  der Hinterfragung wird auch hier die gesellschaftliche Funktion von Medien und deren kulturelle Bedeutung. Das Projekt SHEPARL überträgt die neuen partizipatorischen Kulturen, die sich im Internet entwickelt haben, auf politische Prozesse und untersucht, welche Rolle moderne Kommunikationsmedien im politischen Diskurs der Zukunft spielen können.

Kann man eine Verwirklichung der medienkulturellen Identität, die sich ihrer sozialen, politischen, ästhetischen und ethischen Eingebundenheiten bewusst ist, alleine nur durch das Nachahmen erzeugen?

Doch mein Hauptfokus liegt gerade  bei der Fortsetzung der inszenierten Modefotographie unter dem Titel„ WAYS OF ESCAPE“ mit aus Modekampagnen bekannten Haltungen und Posen in der Vervielfältigung einer einzigen Person.

Zur Künstlerin: Catrine Val, geboren 1970 in Köln, studierte Kunst bei Urs Lüthi, Valie Export, Marcel Odenbach und Horst Königstein und arbeitete an der Kunsthochschule Kassel. Ihre Video- und Fotoarbeiten waren Bestandteil diverser Ausstellungen und Festivals. (Quelle: Kehrer Verlag)


Mit "FEMINIST" war sie bereits in der Ausstellung "Gaze upon my graze" des "Art Museum at The Art Park" in Hsinchu/Taiwan und auf dem "International Portfolio Reviews/Photo Ireland Festival" vertreten. Im Juni 2012 wurde ihr Bildband "FEMINIST" für den Renaissance Photography Prize London nominiert.
Weitere Infos unter www.catrineval.de

Catrine Val
FEMINIST

Kehrer Verlag, erschienen Januar 2012
Festeinband, 120 Seiten
ISBN 978-3-86828-290-0
36 Euro

www.catrineval.de

info@remove-this.catrineval.de

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