12.11.2012 Die Vergänglichkeit der Jugend

Geschlechtsidentitäten und Geschlechterrollen - Fotozyklus, Catrine Val, 2010 - BIG BANG politics of the body

von: Wieland Höhne - 4 Bilder

Gerade in Krisenzeiten, wenn die Marktwirtschaft ihre hässliche Seite nicht mehr ganz hinter dem schönen Schein des Konsums verbergen kann, wird an der Wertschätzung des Schönen ungebrochen festgehalten. Die Sehnsucht nach Schönheit, das ist zum einen die Hoffnung auf bessere Zeiten und zum anderen  ästhetischer Widerstand gegen eine unwirtliche Welt.

Die Sehnsucht nach Schönheit

Ein unermüdlicher Motor in der Schönheitsproduktion ist die Mode. Um diesen am Laufen zu halten, muss er äußerst wandlungs- und anpassungsfähig sein. Denn was als schön wahrgenommen wird, bestimmt der sich ständige wandelnde Zeitgeschmack, der immer kurzlebigere Zyklen durchläuft. Doch trotz allem Changierens:

Die Vergänglichkeit der Jugend

Das transportierte Körperideal scheint eine feste Konstante zu sein. In der medialen Abbildung der Modewelt bleibt der Blick auf den menschlichen Körper ein verzerrter.

Die Vergänglichkeit der Jugend und eine mögliche Wertschätzung von Natürlichkeit werden zugunsten der perfekten Silhouette ausgeblendet. Sie können nicht darüber hinwegtäuschen, dass der schlanke, dynamische Körper und der nie endende Jugendwahn im System sind immanent .

Geschlechtsidentitäten und Geschlechterrollen

Geschlechtsidentitäten und Geschlechterrollen werden besonders in der Mode durch die Selbstinszenierung affirmiert. In dem Fotozyklus BIG BANG rückt die Künstlerin Catrine Val das zeitgenössische Frauenbild in den Fokus.

Wie bereits in ihrem Werkzyklus TREAP thematisiert sie auch in ihrer neuen Arbeit die medialen Strategien in der Glamourwelt. Stellvertretend für das kurzweilige Intermezzo einer Haute Couture-Modenschau bezieht sich Catrine Val auf den Modeschöpfer Valentino.

Entlang von Irritation und Persiflage

Für ihre Gradwanderung entlang von Irritation, Persiflage und Verletzbarkeit bedient sie sich der Grundelemente des Modesystems Schminke, Perücken, Kleider und professioneller Fotografie. Den Unterschied macht lediglich die Projektionsfläche ihres Körpers aus.

In der fotografischen Inszenierung von BIG BANG werden Bilder über visuelle Codes und konventionalisierte Schönheitsprojektionen, die das heutige Bild von medialer Wirklichkeit durchdringen, subtil hinterfragt. Der elektrisierende Moment des Triumphes ist kurz.

 

Statement:

Catrine Val


„Meine künstlerische Position entwickelt sich aus einer bedingungslosen Neugierde am Diskurs im Umgang mit Kommunikationsmedien und den damit einhergehenden Hinterfragung einer medienkulturellen Identität, die sich ihrer sozialen, politischen, ästhetischen und ethischen Eingebundenheiten bewusst ist. 

Der Schwerpunkt meiner Arbeiten liegt in der Videokunst, wie in der konzeptuellen inszenierten Fotoarbeit. Thematisch stellen sie sensible, gesellschaftliche Beobachtungen an, die oft zum Environment inszeniert, das Verhältnis der Betrachter zum Videobild, untereinander gestalten.

Im Vordergrund trat in den letzten Arbeiten wie  „Ich bin ein Anderes oder der hybriden Installation von „YouPrompt die produktive Gestaltung des Spannungsfeldes von virtuellen und realen Beiträgen im Experiment.

Im Kern bezogen sich die Installationen auf das ständig wachsende und auf YouTube abgelegte Videomaterial, in seiner ambivalenten und zuweilen belanglos erscheinenden Vieldeutigkeit. Aus den vorangegangenen Ansätzen und der bisherigen Arbeit entwickele ich  gerade das Konzept SHEPARL.

Gegenstand  der Hinterfragung wird auch hier die gesellschaftliche Funktion von Medien und deren kulturelle Bedeutung. Das Projekt SHEPARL überträgt die neuen partizipatorischen Kulturen, die sich im Internet entwickelt haben, auf politische Prozesse und untersucht, welche Rolle moderne Kommunikationsmedien im politischen Diskurs der Zukunft spielen können.

Kann man eine Verwirklichung der medienkulturellen Identität, die sich ihrer sozialen, politischen, ästhetischen und ethischen Eingebundenheiten bewusst ist, alleine nur durch das Nachahmen erzeugen?

Doch mein Hauptfokus liegt gerade  bei der Fortsetzung der inszenierten Modefotographie unter dem Titel„ WAYS OF ESCAPE“ mit aus Modekampagnen bekannten Haltungen und Posen in der Vervielfältigung einer einzigen Person.

Wieland Höhne

BIG BANG
politics of the body


Fotozyklus, Catrine Val, 2010

Foto: Jan Friese
Hair & Make-up: Rebecca Keim
Fashion & Styling: Ekachai Eksaroj
Postproduktion: Jens Greber, Jan Bode

Werdegang
seid 2004
Künstlerisch-Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Klasse Bjørn Melhus, Kunsthochschule Kassel

2001 - 2004

Postgraduiertes Studium bei Valie Export, Marcel Odenbach und Horst Königstein Kunsthochschule für Medien, Köln,

1994 – 2001

Studium der Freien Kunst, Klasse Urs Lüthi, Kunsthochschule Kassel

1991-1993

Arbeit in der Webeagentur Dr. Puttner & BSB; Wien

1988 - 91

Höhere Berufsfachschule für Graphik & Design, 

Ausstellungen

2010
HUMAN  RIGHTS, Fondazione Opera dei Caduti

Rovereto, Italy

startUP, Sala Birolli, Verona, Italy
BIG BANG, Einzelausstellung, Politics of the body

Galerie König, Berlin
2009

26. Kasseler Dokumentarfilmfestival Monotoring, Kassel

Images Recalled,3. Foto-Festival, Kunsthalle Mannheim

Gemeinsam in die Zukunft Frankfurter Kunstverein

Ich bin ein Anderes Stiftung Starke, Einzelausstellung, Berlin

2008

Monkey Up Plug In, Einzelausstellung, Basel Schweiz

2007

WATERCOLOURS, Galerie König, Hanauport

2006

Fremd bin ich eingezogen Kunsthalle Fridericianum, Kassel

Coolhunter, Kunsthalle Budapest, Ungarn

Blosses Außen U-Bahngalerie, München

2005

Coolhunter, ZKM, Karlsruhe

Altitude KHM, Köln

Coolhunter, Kunsthaus Wien

2004

Transmitter, European Media Art Festival, Osnabrück

2002

Feminale, Köln

Unplugged, Ars Electronica, Linz, Österreich

2001

Monitoring, DokFest, Kassel

2000

Das erste Mal Marburger Kunstverein

1998

Rundgang 2

Museum Fridericianum, Kassel

Zur Künstlerin: Catrine Val, geboren 1970 in Köln, studierte Kunst bei Urs Lüthi, Valie Export, Marcel Odenbach und Horst Königstein und arbeitete an der Kunsthochschule Kassel. Ihre Video- und Fotoarbeiten waren Bestandteil diverser Ausstellungen und Festivals. (Quelle: Kehrer Verlag)
Mit "FEMINIST" war sie bereits in der Ausstellung "Gaze upon my graze" des "Art Museum at The Art Park" in Hsinchu/Taiwan und auf dem "International Portfolio Reviews/Photo Ireland Festival" vertreten. Im Juni 2012 wurde ihr Bildband "FEMINIST" für den Renaissance Photography Prize London nominiert.
Weitere Infos unter www.catrineval.de


Catrine Val
FEMINIST

Kehrer Verlag, erschienen Januar 2012
Festeinband, 120 Seiten
ISBN 978-3-86828-290-0
36 Euro

www.catrineval.de

info@remove-this.catrineval.de