28.08.2017 07:27 kraftvolle malerei

Werk der Woche: Peter Schmersal nimmt in seiner Malerei den Gegenstand direkt in den Blick

Peter Schmersals Kampf gegen die Fluechtigkeit der Dinge

Peter Schmersals Kampf gegen die Flüchtigkeit der Dinge. Alle Bilder (c) Peter Schmersal und Wolf Birke

Peter Schmersal beschraenkt sich auf einige Themen und Motive

Peter Schmersal beschränkt sich auf einige Themen und Motive.

Der dargestellte Mensch ist eben nicht nur eine Figur im Raum

Der dargestellte Mensch ist eben nicht nur eine Figur im Raum.

Er malt Landschaften, Blumen und Portraets

Er malt Landschaften, Blumen und Porträts.

Die Bilder belegen nicht nur eine ausgepraegte künstlerische Haltung

Die Bilder belegen nicht nur eine ausgeprägte künstlerische Haltung.

Von: GFDK - Dr. Matias Mieth

Peter Schmersal beschränkt sich auf einige Themen und Motive: er malt Landschaften, Blumen und Porträts. Diese variiert er immer neu, präzisiert das Gesehene durch die Filter seiner Stilmittel und findet von der konkreten Impression zu einer Form, die das Motiv verallgemeinert.

Der dargestellte Mensch ist eben nicht nur eine Figur im Raum, sondern er hat eine Geschichte, erklärt sich als Produkt individueller Verstrickungen und ist daher weder Natur noch Erfindung allein:

Er ist in der besten der möglichen Varianten Original und Sinnbild gleichermaßen. Und er ist Selbstzweck, in Farben gesehen und auf die Leinwand geknäult, gespachtelt und moduliert. Auf diese Weise entstand in den vergangen Jahrzehnten ein umfangreiches und originäres Werk, das durchaus geeignet ist, den Glauben an die Möglichkeiten der Malerei zu erweitern.

Ob Selbstbildnis oder der Blick auf einen simplen Gegenstand, Variationen nach Cranach, Velázquez oder Goya, ein Maisfeld oder blühende Chrysanthemen: Die Bilder belegen nicht nur eine ausgeprägte künstlerische Haltung, sondern auch ein Nachdenken über den Zusammenhang der Malerei zwischen Gestern und Heute.

Vielleicht liegt gerade hierin, in der Befreiung der Mittel aus deren zeitgemäßen Verklammerungen, die Chance zu einem ästhetischen Konsens, der universell ist. Die Bilder Venus mit dem Spiegel (nach Tizian) oder der Kopf einer jungen Frau (nach Grünewald) sind nur zwei von vielen Beispielen für das leidenschaftliche Aufspüren solcher Zusammenhänge.

Die Arbeit an einem Thema gleicht oft einem Kampf gegen die Flüchtigkeit der Dinge und wenn einer so wie Schmersal zwischen Anschauung und Versenkung nach gültiger Gestalt sucht, dann ist es unerheblich, ob er Landschaft oder Figur als Zeugen bemüht: die Erscheinungen überlappen sich und porträtieren den Gegenstand der Betrachtung.

Aus der Farbe und deren Verläufen entwickeln sich Höhen und Tiefen, eine Plastizität, bei der die Mulden der Haut wie Seen anmuten, Landschaft in dunklen Augen abstürzt oder sich mit breitem Pinselzug nach oben windet. Dabei ist Schmersal einer von denen, die weder den Weg nach draußen noch die mühsame Arbeit vor dem Modell scheuen.

Langes Sehen, Erfahrung und Anerkenntnis der Motive sind die Voraussetzung solch einer Malerei, die sich aus der Fülle von Eindrücken entwickelt und voller Vitalität daraus schöpft. Dieser Prozess ist weniger genialisch als reflektiert und basiert auf einer stetigen Selbstvergewisserung, die Beckmanns Diktum „Naturalismus gegen das eigen Ich.

Sachlichkeit den inneren Gesichten.“ nahe ist. Das, was auf diese Weise entsteht, wächst langsam und ähnelt einer Positionierung, mit der sich der Künstler bei jedem Gemälde neu vergewissert. So wird das Gesehene zum „Vorwand“ einer Malerei, die wiederum auch den Gesetzlichkeiten des Bildes folgt.

Oftmals arbeitet Peter Schmersal in Folgen. Gemessen an der Tatsache, dass ein jedes Bild vor dem Blick auf das Gesamtwerk Fragment bleibt, gleicht dieses Arbeitsprinzip einer Rückversicherung und sucht das Essenzielle im Prozess auszubilden.

Vor allem in den 1990er Jahren entstanden in dieser Art verschiedene Porträtserien, bei denen Köpfe das Format füllen oder in überraschenden Perspektiven angeschnitten sind. Auch die größeren, figurativen Bilder, die im Mittelpunkt der Ausstellung stehen, überraschen mit irritierenden Perspektiven.

Die in weiten, offenen Binnenräumen platzierten Figuren wirken zuweilen wie Synonyme existenziellen Befindens, wie Menetekel der Einsamkeit, deren Rede im Raum des Bildes ohne Antwort bleibt und den Betrachter um so stärker einbezieht.

Peter Schmersal wurde 1952 in Wuppertal geboren und lebt in Berlin und Wuppertal. In der Ausstellung werden neben einigen Werken aus den 1990er Jahren vor allem neue Arbeiten gezeigt. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Städtische Museen Jena

Dr. Matias Mieth - Direktor

Tel.: 03641 498261

Weiterführende Links:
http://www.peter-schmersal.de/