25.06.2013 10:04 Annährung an das Weibliche

Werk der Woche: Märchenhafte Bilderwelten von Barbara Petzold

Barbara Petzold Tollkirche

Sind diese Frauen bewusst Verführerinnen oder sind sie auch ungewollte Projektionsflächen für Träume und Wünsche? (c) Barbara Petzold

Barbara Petzold Blondes GiftBarbara Petzold sieben BlumenBarbara Petzold dim recollectionBarbara Petzold - und der Vater blickt stummBarbara Petzold - the bird and the beeBarbara Petzold Portrait
Von: GFDK - Anja Szech - 7 Bilder

Bilderwelten von Barbara Petzold sind von rätselhaften Frauen bewohnt. Man begegnet Ihnen auf der Strasse, am Strand, in Bars, im Wasser, im Wald, an gewöhnlichen und weniger gewöhnlichen Orten. Zauberhafte Wesen, die wie schwebend aus den durch feine Lichtregie gestalteten Farbräumen auftauchen.

Träumend, in sich versunken, mal poetisch, mal spielerisch, gehen sie ihren Beschäftigungen nach. Nur schwer zu erraten, wer sie sind und woher sie kommen, wirken sie sehr verführerisch in ihrer irdischen und doch so geheimnisvollen Art. So nah und gleichzeitig unnahbar, lassen sie viel Raum für Phantasie und Interpretation.

Die Malweise trägt zur Fragilität und Sinnlichkeit dieser Figuren bei. Im zeitaufwendigen Verfahren werden die Farben mit einer speziellen Pinselführung Schicht für Schicht aufgetragen. Ob tiefes Blau, Braun, Violett oder zarte und doch intensive Grüntöne der offenen Naturflächen entfalten die Farben eine starke Tiefenwirkung. Die Gemälde erscheinen wie ein Übergang zwischen dieser Welt und einer Welt der Träume. Die Farben sind intensiv und transparent zugleich. Wie im Zwielicht changieren sie zwischen Licht und Schatten.

Wie verträumt und märchenhaft sie auf den ersten Blick auch wirken mögen, man kann diese Bilder auch in Bezug auf die Identität einer Frau und ihrer Wahrnehmung in der Gesellschaft befragen. Welche Rollenbilder verstecken sich hinter diesen Darstellungen? Sind diese Frauen bewusst Verführerinnen oder sind sie auch ungewollte Projektionsflächen für Träume und Wünsche?

Das Motiv der Braut, das hier eines der zentralen Themen ist und das üblicherweise mit romantischem Klischee von Liebe verbunden ist, wandelt sich schnell zum Unheimlichen.

Die Frauen befinden sich oft im Wald, einem O

rt, an dem viele Märchen geschehen, doch sie sind immer allein. Zwar sind sie von märchenhaften Motiven, solchen wie Frösche oder Zauberpflanzen umgeben, doch entfalten sich diese sehr schnell von ihrer den Unheil bringenden Seite. Der Frosch hat sich nicht in den Prinzen verwandelt und beim aufmerksamen Betrachten sieht man ein kleines Rinnsal am Handgelenk der Braut hinablaufen. Ist sie am Verbluten?

Die magische Wirkung der Tollkirsche (so ein Bildtitel) wurde schon seit dem Mittelalter mit Frauen und ihrer Fähigkeit zum Verzaubern oder sogar zum Verhexen in Verbindung gebracht und somit als Symbol der weiblichen Macht gedeutet.

Schwarze Tollkirsche, auch als Belladonna bekannt, ist ein Nachtschattengewächs. Sie galt nicht nur als Heilpflanze, sondern auch als ein Mittel der Verführung. Einige Tropfen in die Augen gegeben führen zur Pupillenerweiterung, was als erotisches Signal bewusst oder unbewusst wahrgenommen wird. Diese magische Pflanze kann aber auch eine tödliche Wirkung haben. Das Einnehmen von Beeren führt zu Atemstillstand und Tod.

Die von der Malerin inszenierten malerischen und emotionalen Situationen sind sanft und beklemmend zugleich. Ihre Bilder sind wie die Annäherung an das Weibliche. Die von ihr geschaffenen Frauen sind verträumt, doch nie abwesend. Schwer fassbar, aber nie geisterhaft. Sie sind verführerisch und verletzbar zugleich. Ihre Körper sind wie Träume, wie Erinnerungen, wie Phantasien. Und genau wie diese könnten sie jederzeit entschwinden.

Text von Anja Szech/ Assistant Curator, Fondation Beyeler, Basel

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