14.07.2011 11:01 Museumsarchitektur von Ryue Nishizawa

Werk der Woche: Ghost ist ein Paradox vorgestellt von der Künstlergruppe "Inges Idee" - Kunst im öffentlichen Raum - Towada Art Center, Towada, Japan

Ryue Nishizawa, SANAA, Fotos ©inges idee

Von: Inges Idee/GFDK - 3 Bilder

Ghost ist ein Paradox, ein sichtbar gemachtes Unsichtbares. Die organische weiße Großskulptur kontextualisiert sich im Umfeld der minimalistischen Museumsarchitektur von Ryue Nishizawa, SANAA.
 
Umgeben von weißen, kubischen Gebäuden steht die monumentale, scheinbar amorphe Skulptur auf dem Rasen. Zwei schwarze Öffnungen am oberen Ende lassen die auf den ersten Blick abstrakte Erscheinung zum riesigen Gespenst werden.
Geister und Gespenster stellt man sich immateriell und unsichtbar vor - sie erlangen ihre Sichtbarkeit oft nur durch ein übergeworfenes, physisches Material wie ein Bettlaken. Ein solch übergeworfenes Tuch verhüllt die Form und zeigt sie gleichzeitig – eine Tatsache die nicht nur unter fiktionalen Gesichtspunkten interessant ist, sondern ebenso unter skulpturalen.
 
Die Skulptur nimmt in Größe und Farbe ausdrücklich Bezug auf die Museumsgebäude der gegenüberliegenden Straßenseite - wo diese jedoch kubisch ausgeformt und nach einem strengen Plan organisiert sind, ist die Skulptur organisch -fließend und scheint auf der Wiese zu schweben.
 

Unknown Mass

 
Auch Unknown Mass bezieht sich ausdrücklich auf die Architektur, an der sie positioniert ist. Von weitem betrachtet wirkt die Skulptur wie eine träge, glänzenden Masse, die vom Gebäuderand, der Schwerkraft folgend, nach unten abzutropfen scheint. Die Ausformung eines sich langsam bildenden Tropfens steht im Widerspruch zum Material, welches hochglänzend ist und eine Beweglichkeit wie Quecksilber evoziert. Eine völlig andere Deutung der abstrakt erscheinenden Skulptur erschließt sich dem Benutzer des Gebäudes - der Toilette des Skulpturengartens des Museums - , dem sich das Objekt nun als kopfüber ins Fenster hereinlugendes Gespenst erschließt. Die zwei Öffnungen in der Form werden sofort als Augen gelesen, was der abstrakten Form eine poetisch- animistische Komponente verleiht. Gleichzeitig kann diese Erkenntnis aber auch mit einen gewissen Überraschung verbunden sein, da man sich in der intimen Situation einer Toilette befindet.
Unknown Mass erlangt seine volle Bedeutung erst durch den Besuch des Toilettengebäudes, wo sich die Arbeit neu erschließt und in Beziehung zu Ghost gesetzt werden kann.
 

Thomas Schmidt: Inges Idee  //  Kunsthalle Mainz, 20.07.11, 19 Uhr

Inges Idee ist eine Künstlergruppe, die 1992 in Berlin gegründet wurde.

Die Zusammenarbeit der Mitglieder Axel Lieber, Hans Hemmert, Thomas Schmidt und Georg Zey konzentriert sich auf die Realisation von künstlerischen Projekten im öffentlichen Raum, u. a. in Tokyo, Paris, Berlin, München, Vancouver, Toronto, Singapur.

Prof. Thomas Schmidt stellt eine Auswahl von Arbeiten vor und gibt einen Einblick in die überraschenden und vielfältigen Entwurfsprozesse bei Inges Idee.

 

Inges Idee sind
Hans Hemmert
Axel Lieber
Thomas Schmidt
Georg Zey
 
Postadresse
Inges Idee
Lindower Straße 18
D-13347 Berlin
 
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