26.08.2017 09:49 Performance als Prozess des Produzierens

Werk der Woche: Anna Witt und die Designertruppe Uglycute transformieren wiederverwertbares Material

Kuenstlerin Anna Witt vor dem Hauptquartier auf einem der im Wokshop entstandenen Design-Moebel - Projekt Breaking New

Künstlerin Anna Witt vor dem Hauptquartier auf einem der im Wokshop entstandenen Design-Möbel - Projekt Breaking New alle Fotos © Anna Witt und Urbane Künste Ruhr

Anna Witt vor dem Hauptquartier in Duisburg-Marxloh - Projekt Breaking New

Anna Witt vor dem Hauptquartier in Duisburg-Marxloh - Projekt Breaking New

Design-Moebel aus Sperrmuell - Projekt Breaking New von Anna Witt und Uglycute

Design-Möbel aus Sperrmüll - Projekt Breaking New von Anna Witt und Uglycute

Design-Moebel aus Sperrmüll - Projekt Breaking New von Anna Witt und Uglycute - Luxusbank

Design-Möbel aus Sperrmüll - Projekt Breaking New von Anna Witt und Uglycute - Luxusbank

Anna Witt (Kuenstlerin) und Jonas Nobel Designgruppe Uglycute beim Pressegespraech zum Projekt Breaking New

Anna Witt (Künstlerin) und Jonas Nobel (Designgruppe Uglycute") beim Pressegespräch zum Projekt Breaking New

Design-Moebel in der Dahlstraße in DU-Marxloh - Projekt Breaking New von Anna Witt und Uglycute

Design-Möbel in der Dahlstraße in DU-Marxloh - Projekt Breaking New von Anna Witt und Uglycute

Von: GFDK - Clemens Baier

Die deutsche Künstlerin Anna Witt, wohnhaft in Wien, hat in Zusammenarbeit mit der schwedischen Designergruppe Uglycute ein Projekt für die EMSCHERKUNST.2013 entwickelt: „Breaking New“. Über den gesamten Ausstellungzeitraum (22. Juni – 6. Oktober) wird eine Gruppe DuisburgerInnen als mobiles Konstruktionsteam agieren.

Der Schwerpunkt der Performance ist der Prozess des Produzierens: Gefundene, weggeworfene Materialien werden (wieder) in funktionale Objekte transformiert – beispielsweise in Stühle, Tische oder Hocker. Wo auch immer wiederverwertbares Material abgeladen wurde, entsteht ein neues Objekt und dort wird es auch zurückgelassen, um benutzt, neu platziert oder mitgenommen zu werden. Die PerformerInnen operieren, ausgestattet mit einem mobilen Kit an Werkzeugen, in den Straßen von Duisburg-Marxloh und Umgebung.

Im Vorfeld der EMSCHERKUNST.2013 wurden die PerformerInnen in einem Workshop mit Uglycute in die Arbeitsweise eingeführt. Dieser fand vom 10. bis 12. Mai im Künstler-Hauptquartier an der Wiesenstraße in Duisburg-Marxloh statt. Das Hauptquartier ist ausgestattet als Lager, Versammlungsort, Dokumentations-Archiv und dient als Anlaufstelle für Besucher.

Die Räumlichkeiten sind mit einem von Uglycute entwickelten  Modulsystem ausgestattet, das die verschiedenen Funktionen des Raums verbindet. Dieses modulare System mimt den industriellen Prozess in der Herstellung sowie die industrielle Ästhetik und ist inspiriert von Marxlohs Flair, wo sich die glitzernde Brautmodenindustrie mit den Auswirkungen der Industrie des Ruhrgebiets treffen.

Die Künstlerin Anna Witt über ihre ersten Erfahrungen: „Das Thema Sperrmüll sorgt in der Region für Kontroversen, was mich auf die Idee brachte, ihn als Ressource zu betrachten. ‚Breaking New‘ will nicht auf ein Problem verweisen, sondern produktiv damit umgehen.“

Anna Witt betonte, dass es für sie eine Notwendigkeit ist, sich mit den Bedingungen der alltäglichen Realität vor Ort auseinander zu setzen. „Wichtig ist es mir, ein Projekt zu entwickeln, das im Dialog mit den Bewohnern steht und verfügbar ist. Ich wünsche mir, dass es sich ins alltägliche Leben integriert.

Es ist mir wichtig, das Projekt mit den Menschen vor Ort und direkt in den Straßen entstehen zu lassen“, so die Künstlerin. Uglycute zu ihren Beweggründen: „Das Design ist inspiriert von der Marxloher Ästhetik. Es ist eine interessante Kollision zwischen der glitzernden Hochzeitsindustrie und der rostenden Industrie.“

Kurator Prof. Florian Matzner, der bereits die erste Ausgabe der EMSCHERKUNST im Kulturhauptstadtjahr 2010 kuratierte, ging auf die Bedeutung des Projekts für die Region ein: „Kunst muss für mich raus aus dem ‚white cube‘ des Museums – dafür sprechen unsere ungewöhnlichen Ausstellungsorte wie leerstehende Ladenlokale, ehemalige Industrieanlagen oder unentdeckten Landschaften, aber auch all die Nebenschauplätze und ‚Unorte‘ zwischen Gelsenkirchen und Dinslaken.“

Matzner ist es ein Anliegen in den urbanen Raum, direkt zu den Menschen, zu gehen. Katja Aßmann, Künstlerische Leitung Urbane Künste Ruhr ergänzte: „Die EMSCHERKUNST ist in erster Linie für die Menschen vor Ort gemacht.

Die Kunst begibt sich in den Alltag der Emschertalbewohner und macht Lust mitzumachen. Urbane Künste Ruhr tratt neben Emschergenossenschaft und Regionalverband Ruhr erstmals als Veranstalter der EMSCHERKUNST. 2013 auf. Wir freuen uns auf den gemeinsamen Start in den diesjährigen Kultursommer.“

Anna Witt
Anna Witts performative Interventionen und Videoinstallationen beschäftigen sich mit der Konstruktion kultureller Stereotype und der Positionierung von Individuen innerhalb sozialer Systeme. Ihre Arbeiten können sowohl fiktionalen als auch dokumentarischen Charakter haben. Witt studierte an der Akademie der Bildenden Künste in München und bei Monica Bonvicini in Wien. 2005 erhielt Anna Witt ein Vollstipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes. Zuletzt bekam sie 2010 ein Staatsstipendium für Video- und Medienkunst in Österreich.


Uglycute
Das Kollektiv Uglycute bewegt sich an der Schnittstelle zwischen Design, Kunst und Lehre. Ihr Interesse gilt experimentellen Produktionsprozessen und den Auswirkungen von Design auf die Gesellschaft. Eine wesentliche Fragestellung ihrer Arbeit ist die Wertigkeit von Materialien und ihre Tätigkeit umfasst nicht nur die Produktion, sondern auch das Schreiben, Unterrichten und das Abhalten von Workshops.



Pressekontakte:
Urbane Künste Ruhr, Kultur Ruhr GmbH, Leithestraße 35, 45886 Gelsenkirchen
Bettina Steindl, bs@urbanekuensteruhr.de
Clemens Baier,  cb@urbanekuensteruhr.de
Ausstellungsbüro EMSCHERKUNST, Emschergenossenschaft, Kronprinzenstraße 24, 45128 Essen
Patricia Bender, bender.patricia@eglv.de
Regionalverband Ruhr, Kronprinzenstraße 35, 45128 Essen
Jens Hapke, hapke@rvr-online.de