08.04.2017 09:20 Kaiserswerther Kunstpreis 2005: "Home Sweet Home"

Vorgestellt - Johanna Rzepka - Malerin, lebt und arbeitet in Düsseldorf

Kaiserswerther Kunstpreis

Kaiserswerther Kunstpreis 2005: "Home Sweet Home" Foto: GFDK

Von: Gottfried Böhmer

Zum ersten Mal wurde der Kaiserswerther Kunstpreis 2005 verliehen. Die mit 5.000 € dotiere Auszeichnung wird gemeinsam von der Gesellschaft Freunde der Künste Düsseldorf – Berlin und den beiden Kaiserswerther Kunstsammlern und Ärzten Dr. Martin Jörgens und Afschin Fatemi gestiftet.

Der Preis, mit dem ausschließlich junge und bemerkenswerte Künstlerinnen gefördert werden, geht in diesem Jahr an Johanna Rzepka. Gottfried Böhmer, künstlerischer Leiter und Kurator der Gesellschaft entschied sich als Vorsitzender der Jury unter 258 Bewerbungen für die 29- jährige Künstlerin.

Rzepka studierte Malerei bei Professor Jörg Immendorf und ist Meisterschülerin von Gerhard Merz. Die Jury, zu der auch die in New York lebende Düsseldorferin Künstlerin Pia Dehne gehört, hat sie nach Angaben von Gottfried Böhmer mit ihrer Fähigkeit überzeugt, Malerei und konzeptionelle Kunst zu verbinden.

Prämiert wurde ihr sozialkritischer Werkszyklus „Home sweet home“, der die Nöte der Single-Frauen des 21 Jahrhunderts thematisiert. Zur Preisverleihung und Ausstellung am 16. Juli, zu der 600 Gäste geladen sind, hat sich der künstlerische Leiter einiges einfallen lassen.

So wird die feierliche Veranstaltung von der TV-Moderatorin Michaela Bohland moderiert anschließend folgt ein Open-Air Klavierkonzert von Marta Maria Georgia Tanea.

Die Pianistin wird seit 1999 von der Gesellschaft Freunde der Künste gefördert und hatte ihre ersten großen Auftritte zu den von der Gesellschaft initiierten Goethe-Festival „Künstlerinnen sehen Goethe“, siehe auch unter Projekte „Goethe Festival 1999. 250 Jahre Goethe. 2004: 255 Jahre Goethe.

Home – was ist das? Bietet das Zuhause den Individuen der heutigen Gesellschaft einen Schutz, ist es ein Ort der Heimat, des Sich Wohlfühlens, des Auslebens von Träumen, Emotionen und Sehnsüchten? Oder ist auch die letzte Bastion des Raumes stets bedroht durch die Abgründe der eigenen Psyche?

Ist das Zuhause, ja sind die eigenen vier Wände ein freundlicher, angenehmer Ort, der dem modernen Individuum Entspannung ermöglicht oder schwingt vielmehr im Titel Home Sweet Home eine ironische Note mit…?

…Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Künstlerin Johanna Rzepka in ihrer aktueller Bildserie Home Sweet Home. Neue Konzepte werden entwickelt und künstlerisch dargestellt... ein vielschichtiges Spannungsfeld wird kreiert, in dem sich die von der Künstlerin dargestellten modernen Großstadtfrauen befinden.

…Doch wer verbirgt sich hinter diesen Frauen? Sie sind Heldinnen ihrer Zeit und doch ganz normal – leben zwischen Fiktion und Realität, den Ansprüchen an sich selbst und der Gesellschaft an sie…Erfolgreich im Job, um die 30, selbstbewusst, sportlich, dynamisch, attraktiv, Single, kinderlos und intelligent sind sie, aber auch sensibel, verletzlich, irgendwie traurig und empfindsam...

My home is my castle…der private Raum wird als kostbares Gut positiv konnotiert, hier ist man Mensch, hier darf man sein.

Ist der Rückzug ins Private eine Lösung für unser Alltagsdilemma, eine Lösung, die die Künstlerin durch ihre Bilder hinterfragt? Kann der Begriff Home auch als seelisch-psychischer Raum verstanden werden?

Wo ist die Grenze zwischen subjektiver Innenwelt und fremdbestimmter Außenwelt, zwischen Innen, - und Außenraum, Selbstkonzept und Fremdkonzept? Ist die Identität einer Person für den Betrachter sichtbar?

Oder kann durch ein Bild immer nur eine Momentaufnahme kreiert werden, die stets Interpretationsspielraum lässt? Ob es der Teddy ist als Symbol des kindlichen Ich oder der sehnsuchtsvolle, weibliche Blick gen Himmel…meist fungiert Home als Raum, der es den Frauen ermöglicht, ihren Sehnsüchten nachzuhängen und Luftschlösser zu bauen.

Die Künstlerin Johanna Rzepka evoziert durch ihre Bilder eine Thematik, mit der sich besonders die postmoderne Großstadtfrau identifizieren kann: Die Opposition zwischen Innenraum und Außenraum, Erfolg und Niederlage wird subtil dargestellt durch Farbnuancen und eine Brandbreite verschiedener Maltechniken.

Dadurch werden die Betrachter mit dem Paradoxon der Situation konfrontiert. Die intensive Suche der Frauen nach Identität, nach Sinnfindung und einem äußeren und inneren Zuhause wird durch die Bildserie Home Sweet Home manifestiert.

Gottfried Böhmer