02.06.2014 08:00 Maifestspiele

Theater in Wiesbaden: Vollmond - Wasser auf der Bühne, ein riesiger Felsen und die ausdrucksstarken Tänzer des Tanztheaters Wuppertal

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Niemand verkörpert das Tanzerbe des 20. Jahrhunderts so sehr wie seit den 70er Jahren Pina Bausch mit ihrem epochalen Tanztheater; Bild 1: (c) Luszlo Szito

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Bild 2: (c) Laurent Philippe

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Bild 3: (c) Jochen Viehoff

vollmond tanztheater wiesbaden

Bild 4: (c) Ulli Weiss

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Bild 5: (c) Ulli Weiss

Von: GFDK - Staatstheater Wiesbaden

Niemand verkörpert das Tanzerbe des 20. Jahrhunderts so sehr wie seit den 70er Jahren Pina Bausch mit ihrem epochalen Tanztheater. Vollmond und Nacht, Wasser auf der Bühne, ein riesiger Felsen und die ausdrucksstarken Tänzer des Tanztheaters Wuppertal – mehr braucht es nicht für eines der großen Werke von Pina Bausch.

Theater in Wiesbaden

Nach ‚Ten Chi‘ (2006) zum zweiten Mal bei den Internationalen Maifestspielen zu Gast, gibt die weltweit führende Tanztheater-Kompanie zum Finale 2014 in Wiesbaden eines ihrer seltenen Deutschland-Gastspiele.

‚Es ist Vollmond, man wird nicht betrunken‘, lädt Nazareth Panadero, mit zwei Sektgläsern bewaffnet, das Publikum zu diesem bemerkenswerten Tanztheater-Abend ein. In der schlaf- und atemlosen, sehnsuchtsvollen Wuppertaler Vollmondnacht kann man aber vor Begeisterung nur betrunken werden, angesichts der Fülle an Geschichten, Assoziationen und Bildern, deren Energie in ein furioses Finale rund um den rätselhaften, im Wasser liegenden schwarzen Felsen mündet.

‚Vollmond‘ ist eines der späten Stücke Pina Bauschs. Uraufgeführt 2006, zeigt es ihre Kunst in voller Blüte. Eine überschäumende Musik von Amon Tobin, Alexander Balanescu, René Aubry, Tom Waits und vielen anderen bestimmt das Stück, genau so wie das Bühnenbild von Bauschs langjährigem Mitarbeiter Peter Pabst. ‚Ich bin jung. Es ist alles voller Versprechungen. Meine Gedanken fliegen hoch. Und mein Körper ist stark‘, ruft eine der Tänzerinnen auf der Bühne und zeigt die emotionale Kraft, mit der der Vollmond die zwölf Tänzerinnen und Tänzer des Tanztheaters Wuppertal antreibt. Sie treten auf zu expressiven Soli, zu spielerischen und absurden Begegnungen, zu zweit oder dritt.

Die meiste Zeit regnet es in dieser Vollmondnacht auf der Bühne, und die Tänzer werfen sich mit der ganzen Wucht ihrer Körpersprache in dieses Stück, klettern über den riesigen Felsen, rutschen den Boden entlang, werden nass und toben am Ende durchs Wasser, als sei dies ihr eigentliches Element. Sie sind in einer silbernen Landschaft dem Regen und schließlich dem Orkan ausgeliefert, der über die Bühne fegt. Männer und Frauen sind einander verfallen, suchen fieberhaft nach der Liebe: der Kampf der Geschlechter als Zentrum der Beziehungen. So spielerisch das Stück beginnt, so wild und ungezügelt wird es gegen Ende, wenn die Darsteller bis zur Verausgabung tanzen. Freuen Sie sich auf ein Wiedersehen mit langjährigen Pina-Bausch-Weggefährten wie Dominique Mercy, Nazareth Panadero, Julie Anne Stanzak, Helena Pikon, Rainer Behr oder Michael Strecker.

Freunde der Kunst

‚Einmal mehr hält Natur Einzug auf der Tanztheaterbühne, doch diesmal in wunderbarer, fast japanisch anmutender Strenge. Marion Citos Kostüme beschränken sich auf wenige starke Farbakzente, ansonsten dominieren Schwarz, Weiß und Grau. Wie die strenge Bühne geben sie den Grundton vor, den Pina Bausch in diesem groß angelegten Kammertanzstück mit nur zwölf Tänzern anschlägt: Schlafwandler der Liebe sind sie, auf schmalem Grat balancierend und stets vom Absturz bedroht. ‚Es wird eine stürmische Nacht, bitte anschnallen‘, verkündet Nazareth Panadero mit Stentorstimme...

Einmal mehr ist es in ‚Vollmond‘ die meisterhafte Kunst der Kontrastierung, die Pina Bausch beeindruckend inszeniert. Wenn am Ende des ersten Teils alle den flachen Graben durchschwimmen wie Reptilien, spürt man, was das Tanztheater zu leisten imstande ist: Es verführt in Zwischenreiche, die von archaischer Vorzeit und zugleich von hier und heute berichten.‘ (Norbert Servos, ballet-tanz)

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