18.01.2014 09:00 Von Nis-Momme Stockmann

Theater in Wiesbaden: Tod und Wiederauferstehung der Welt meiner Eltern in mir - Premiere heute

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Ein gut gekleideter Mann mittleren Alters geht allein durch die Stadt Frankfurt; (c) Martin Kaufhold

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Von: GFDK - Staatstheater Wiesbaden

Ein gut gekleideter Mann mittleren Alters geht allein durch die Stadt Frankfurt. Er zieht einen Rollkoffer hinter sich her, denn er ist im Begriff, seine Heimat zu verlassen. Bislang war er in der Welt des Geldes zu Hause, ein erfolgreicher Banker, ein Gewinner unseres Systems. Schon länger aber begleitet ihn ein diffuses Unbehagen, und nun hat er beschlossen, diesem System den Kampf anzusagen. Er hat sein Haus verkauft, seine Ehe beendet und sein Konto geleert. Seinen ganzen Besitz, und das ist nicht wenig, trägt er in Form von 5-Euro-Banknoten mit sich herum.

Theater in Wiesbaden

Aus der Mitte begibt sich der Mann an den Rand der Gesellschaft. Er nimmt sich eine Wohnung im 20. Stock eines Hochhauses, in dem die seltsamsten Bewohner Unterschlupf gefunden haben – Menschen, die vom Schicksal nicht ganz so begünstigt waren wie dieser Mann, der nun zu ihnen gehören möchte. Von hier aus plant er nicht mehr und nicht weniger als den Umsturz des gesamten Bankengefüges durch die Auslösung einer Hyperinflation. Und muss am Ende feststellen, dass es nicht möglich ist, sich selbst und den Strukturen, in die man sich freiwillig begeben hat, zu entkommen.

Freunde der Kunst

Nis-Momme Stockmann ist ein vielversprechender junger Autor. Ihm gelingt es, heutige Verhältnisse mit sprachlicher Brillanz, Witz und Fantasie zu reflektieren. Die Inspiration für sein Stück über die Frankfurter Bankenwelt und die gescheiterten Bewohner eines heruntergekommen Hochhauses bezog er aus seiner Zeit als Hausautor am Schauspiel Frankfurt. ‚Tod und Wiederauferstehung der Welt meiner Eltern in mir‘ wurde im September 2012 am Schauspiel Hannover uraufgeführt und ist nun zu den Mülheimer Theatertagen ‚Stücke 2013‘ eingeladen.

Tilman Gersch, fester Regisseur und Mitglied der Schauspielleitung am Staatstheater Wiesbaden, inszeniert diesen vielschichtigen und bissigen Gesellschaftskommentar und setzt damit sein Goethe-Jelinek-Projekt ‚FaustIn and out/Der Tragödie zweiter Teil‘ gedanklich fort.

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