18.05.2013 10:00 Burgtheater Wien

Theater in Wiesbaden: Prinz Friedrich von Homburg von Heinrich von Kleist im Rahmen der Maifestspiele

prinz von homburg theater wiesbaden

Prinz Friedrich von Homburg von Heinrich von Kleist im Rahmen der Maifestspiele; (c) Martin Kaufhold

prinz von homburg_ maifestspieleprinz von homburg_staatstheater wiesbaden maifestspieleprinz von homburg von kleist theater wiesbadenprinz von homburg wiesbadenprinz von homburg_ theater wiesbaden maifestspieleprinz von homburgprinz von homburg_ aufführung wiesbaden
Von: GFDK - Staatstheater Wiesbaden - 8 Bilder

Vor einer dunklen Waldlandschaft sitzt der Prinz von Homburg und träumt. Das Licht von Taschenlampen bahnt der Hofgesellschaft mit dem Kurfürsten an der Spitze den Weg zu ihm. Mit einem freundlichen Scherz wird der Träumende zu Bett geschickt. Doch der Widerspruch zwischen Traum und Realität treibt den Prinzen in einen Konflikt, der ihn fast zerreiben wird. Streng und packend beginnt in der Regie von Andrea Breth Kleists Drama ‚Prinz Friedrich von Homburg‘, das sie in einer glänzenden Besetzung mit August Diehl, Peter Simonischek, Andrea Clausen, Hans-Michael Rehberg und Udo Samel in den Hauptrollen inszenierte.

Theater in Wiesbaden

Es geht um Krieg, um Unterwerfung und um Liebesirrsinn in Kleists letztem Stück. Und um einen Helden, der ganz und gar unheldisch daher kommt: Bei der Befehlsvergabe ist er in Gedanken mehr mit Prinzessin Natalie als mit der Strategie der bevorstehenden Schlacht beschäftigt. Unabsichtlich handelt er so gegen den ausdrücklichen Befehl des Kurfürsten. Dennoch gewinnt er die Schlacht und wird – für ihn vollkommen unfassbar – wegen Befehlsverweigerung zum Tode verurteilt. Erst nach vielen Wendungen findet er Begnadigung. Der Prinz jedoch erfährt nichts davon. Er wird mit verbundenen Augen ins Freie geführt.

In der Meinung, seine Hinrichtung stehe unmittelbar bevor, wartet er auf die tödliche Kugel. Stattdessen aber wird ihm von der Nichte des Kurfürsten ein Lorbeerkranz aufgesetzt. Der Prinz sinkt in Ohnmacht, wird jedoch durch Kanonendonner wieder geweckt. Auf seine Frage, ob alles nur ein Traum gewesen sei, antwortet der Obrist Kottwitz: ‚Ein Traum, was sonst?‘ Zurück bleibt ein Riss in der Welt des Prinzen.

Schauspiel Wiesbaden

Kleist treibt in seinem Drama den menschlichen Dualismus von Vernunft und Trieb, von Herz und Verstand, Gesetz und Gefühl auf die Spitze. Das fand bei seinen Zeitgenossen nicht nur Zustimmung. Zu ungewöhnlich waren die dramatischen Mittel, zu krass die Auswirkungen seiner Fehlleistung für den träumenden Helden. Eine Aufführung zu Lebzeiten scheiterte, da Prinzessin Marianne von Preußen, eine geborene Hessen-Homburg (der Kleist das Werk mit Widmung überreichte), sich in ihrer Familienehre gekränkt sah. Erst 1821, elf Jahre nach der Entstehung und zehn Jahre nach Kleists Tod, wurde ‚Prinz Friedrich von Homburg‘ in Wien uraufgeführt.

Andrea Breth zeigt in ihrer Inszenierung auf eindrückliche Weise die Verheerungen, die der Krieg nicht nur in der Landschaft hinterlässt, sondern vor allem in den menschlichen Seelen. Der Bühnenbildner Martin Zehetgruber teilt die Sphären des Stückes bildkräftig in den zerschossenen schwarzen Wald und in einen fast klinisch hellen Raum, in dem sich die höfische Szenerie um den Kurfürsten entfaltet. Der somnambule Prinz von Homburg ist der Wandler zwischen diesen Welten – der dunklen des Krieges, der er in seiner nervösen Exaltiertheit kaum gewachsen erscheint, und der hellen des Hofes, die sein Versagen gnadenlos ausleuchtet und bloßstellt.

Freunde der Kunst

Kleists Dramen spielen in der Arbeitsbiografie der Regisseurin Andrea Breth eine herausragende Rolle. 1990 inszenierte sie ‚Der zerbrochne Krug‘ am Burgtheater, 1997 ‚Familie Schroffenstein‘ an der Schaubühne Berlin und 2001 ‚Das Käthchen von Heilbronn‘, wiederum am Burgtheater. Sie geht den komplizierten Seelenbewegungen der Kleistschen Figuren mit einer Akribie auf den Grund, die im zeitgenössischen Theater selten zu finden ist. Nicht die subjektive Lesart oder die vom modernen Zeitgeist geprägte Übermalung ist ihre Haltung zu Kleists Stücken, sondern das ‚Hineinhorchen‘ und genaue Ausloten des Textes.

Gerhard Stadelmaier schrieb über die Regisseurin: ‚Andrea Breth ist eine große, radikale Einzelgängerin; hartnäckig widersetzt sie sich den Trends des Zeitgeists und des Kulturbetriebs. Auch in ihren öffentlichen Äußerungen (‚Ich bin durch und durch altmodisch.‘) hat sie sich nie gescheut, dezidiert konservative Positionen zu beziehen: Sie betont den Bildungsauftrag des Theaters, wehrt sich gegen die Zumutungen der ‚Spaßgesellschaft‘ und eines ‚aufgeregten Event-Denkens‘, sieht in der Bühne weiterhin die ‚moralische Anstalt‘ und weist ihr – gegen alle neueren Tendenzen, sie als autonomes Medium zu behaupten – eine dienende Funktion gegenüber Literatur und Text zu. Ihr Credo: ‚Theater ist Gedächtnis, davon bin ich zutiefst überzeugt‘.‘

Lucia Zimmermann
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

pressereferat@remove-this.staatstheater-wiesbaden.de