10.01.2013 07:02 Kooperation mit der Hessischen Theaterakademie

Theater in Wiesbaden: Kassandra.Sehen - Nach der Erzählung ‚Kassandra‘ von Christa Wolf am 11.1.2013, Studio

Theater  in Wiesbaden: Kassandra.Sehen - Nach der Erzählung ‚Kassandra‘ von Christa Wolf am 11.1.2013, Studio

(c) Lena Obst

Von: GFDK - Staatstheater Wiesbaden - 5 Bilder

Kassandra wird von Apoll mit einem zwiespältigen Geschenk bedacht: er verleiht ihr die Gabe, in die Zukunft sehen zu können, straft sie aber zugleich damit, dass ihr niemand glauben wird. So wird sie Zeugin des Trojanischen Krieges und kann die Niederlage ihrer Landsleute nicht verhindern.

Die junge Regisseurin Ksenia Ravvina fokussiert in ihrer Inszenierung insbesondere den Aspekt der Zeugenschaft, die folgenlos bleibt, und eröffnet damit heutige Perspektiven auf den Mythos.
Kassandra hat nichts als Worte, um das Unbeschreibliche zu beschreiben: einen Krieg, der unzählige Menschenopfer fordert, eine Stadt, die dem Untergang geweiht ist. Wie lässt sich über etwas sprechen, für das es keine Worte gibt? Und wie wahr sind überhaupt Worte, die niemand hört?
Kassandra heißt: Zeuge sein.

Einen Krieg sehen und um Sprache ringen. Sehen, wie Troja untergeht und nichts dafür haben als vergangene, schon tausendmal gesagte Worte. Der Krieg entsteht in und mit Worten, die wir gleichsetzen mit dem, was sie beschreiben. Worte werden Wirklichkeit. Doch neben Benennung führen sie auch zu Bändigung und Tötung von Möglichkeiten.

Kassandra ist der Versuch, zu erklären, zu benennen und zu erfassen. Ihre Sehergabe ist ein Prinzip, die Welt wahrzunehmen. Wir alle sind Kassandra. Mit Sprache stellen wir eine Welt her, die wir greifen und erklären können, die uns glauben lässt, was wir sehen.
Drei Schauspieler und ein Tänzer kreisen um eine Vorstellung von Kassandra und loten dabei die Grenzen von Sprache aus. Was passiert, wenn der Text zum Raum wird? Wo hören Worte auf, wo fangen Bilder an?

Ksenia Ravvina ist Regie-Studentin an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt/Main. Im Rahmen der Zusammenarbeit von hessischen Hochschulen und Theatern legt sie mit ‚Kassandra. Sehen‘ ihren ersten Theaterabend am Hessischen Staatstheater Wiesbaden vor. Zuvor inszenierte sie bereits in ihrer Heimatstadt St. Petersburg.

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