30.04.2013 09:00 Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny

Theater in Wiesbaden: Die Bedrohung inspiriert ein neues Gesetz: Du darfst alles!

Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny theater

Die Bedrohung inspiriert ein neues Gesetz: Du darfst alles! Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny im Staatstheater Wiesbaden (c) Lena Obst

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Von: GFDK - Staatstheater Wiesbaden - 12 Bilder

Wie man sich bettet, so liegt man‘: Ein Taifun bedroht die Paradies-Stadt Mahagonny, in der die Bewohner ein beschauliches, aber zunehmend unzufriedenes Leben führen. Die Bedrohung inspiriert ein neues Gesetz: Du darfst alles!

Mit einer Musik, die die gängigen Klischees der Unterhaltungsmusik zu einer neuen dynamischen Kunstform erhebt, haben Weill und Brecht eine spannungsreiche Oper geschaffen, die mit immer neuen Überraschungen aufwartet.

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‚Darum lasst uns hier eine Stadt gründen und sie nennen Mahagonny, das heißt: Netzestadt!‘ So legt die Witwe Begbick, die mit Dreieinigkeitsmoses und Fatty auf der Flucht vor der Polizei ist, den Grundstein für die neue Paradies-Stadt, in der den Goldschürfern jedes Bedürfnis erfüllt und das Gold aus der Tasche gezogen werden soll.

Immer mehr Menschen zieht es in die Stadt: So Jenny, die auf der Suche nach Dollars ist, und Jim, Jakob, Bill und Joe, die in Mahagonny Liebe, Whisky und Poker genießen wollen. Jim und Jenny begegnen sich – eine Liebesgeschichte bahnt sich an. Die Stadt blüht auf, aber bald herrscht Langeweile unter den Einwohnern. Der nahende Taifun, der die Stadt bedroht, ändert die Lage, und die Parole heißt bald: Du darfst alles! Der Taifun biegt ab, aber die ‚Gesetze der menschlichen Glückseligkeit‘, die Jim Mahoney eingeführt hat, bleiben in Kraft.

Die Vergnügungsstadt erlebt einen neuen Boom. Das hemmungslose Vergnügen wird bis zur Selbstzerstörung praktiziert: Zuerst Essen, dann Lieben und Boxen, schließlich Saufen. Die Bedürfnisse steigen – und mit ihnen die Preise. Denn: Man darf zwar alles – aber nur, wenn man es bezahlen kann! Das wird Jim, der alles Geld beim Wetten verliert, zum Verhängnis. Er wird zum Tode verurteilt ‚wegen Mangel an Geld‘ was das größte Verbrechen ist. Seine Verurteilung wird zum Anlass einer riesigen Demonstration, die den Untergang der Stadt einleitet.

Das ‚Mahagonny‘-Projekt stand mehrere Jahre im Zentrum der Zusammenarbeit von Kurt Weill und Bertolt Brecht. Zunächst entstand für Baden-Baden ein Songspiel unter dem Titel ‚Mahagonny‘, das im Sommer 1927 uraufgeführt wurde. Von 1927 bis 1929 arbeiteten Weill und Brecht den Stoff des Songspiels schließlich zu einer neuartigen ‚epischen‘ Oper unter dem Titel ‚Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny‘ aus, zu einem satirischen und desillusionierenden Gegenentwurf, mit dem das Genre der Oper erneuert werden sollte.

Er wurde zur negativen Utopie einer kapitalistischen Gesellschaft, die uns spätestens seit der Bankenkrise sehr vertraut vorkommt. 1930 fand in Leipzig die Uraufführung der Oper statt und geriet zum Eklat. Derweil hatte der Songstil Weills aber bereits die Schlager- und Filmindustrie sowie die Kabaretts erobert. Weltberühmt wurden die Mahagonny-Songs ‚Moon of Alabama‘ und ‚Wie man sich bettet, so liegt man‘, unter anderem interpretiert von Lotte Lenya und später von Hildegard Knef und Ute Lemper.

Vor dem Hintergrund heutiger Finanzkrisen erhält die Oper neue Brisanz. Denn in einer Welt, in der Größenwahn und unsinnige Geldspekulationen die Wirtschaft ganzer Staaten ins Wanken bringen, ist ‚Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny‘ noch lange nicht aus der Mode gekommen.

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