08.03.2012 07:20 Komödie der kleinen Leute

Theater in Wiesbaden: Bezahlt wird nicht! von Dario Fo - Premiere am 8.3.2012 in der Wartburg

© Lena Obst

Von: Sandra Ihrig - 4 Bilder

So rasant sich im Lebensmittelsektor die Preise entwickeln, so stetig geht es mit den sozialen Sicherheiten bergab. In den Firmen stehen die Tarifverträge zur Disposition, Kurzarbeit wird in der Krise zum probaten Mittel, Wirtschaftsbetrug nur dürftig vertuscht und selten geahndet. Am meisten Verlass ist auf die stetige Erhöhung der Fahrpreise bei den öffentlichen Verkehrsmitteln, und schön bunt ist vor allem die oft überdimensionierte Werbung. So ist es heute, so war es auch schon 1974, als Dario Fo sich nach der Veröffentlichung seiner Farce ‚Bezahlt wird nicht‘ vor Gericht wegen Aufrufs zum Widerstand gegen den Staat verantworten musste.

Widerstand ist hier zunächst Sache der Frauen. Ihr Protest gegen überhöhte Preise in einem Supermarkt gerät außer Kontrolle, den Verbalattacken gegen den Marktleiter folgt eine fröhliche Plünderungsaktion. Plötzlich herrscht Anarchie bei Antonia und ihrer Freundin Margherita, und ihre redlichen Ehemänner Giovanni und Luigi sehen fassungslos zu. Bäuche schwellen an und ab, Salatköpfe rollen, Carabinieri werden mutwillig getäuscht und müssen um ihre Unversehrtheit bangen. Schließlich fallen auch bei den Männern alle Tabus, säckeweise wird Reis, Zucker und Mehl entwendet. Je mehr Diebesgut es zu verbergen gilt, desto turbulenter geht es zu in dieser Komödie der kleinen Leute, die endlich die Möglichkeit des subversiven Protests gegen Staatsgewalt und Preisspirale entdecken.

Niemals erhebt sich Dario Fo in seiner Politfarce über das Milieu der Kleinbürger und Arbeiter. Seine Figuren sind naiv, aber ausgesprochen vital und zupackend – eine Personage, die der Commedia dell’arte entsprungen sein könnte und es mit absolut heutigen Problemen zu tun hat, die auf humorvolle und optimistische Weise gelöst werden. ‚Bezahlt wird nicht‘ ist ein Stück, das gerade jetzt wieder Mut macht, aktiv zu werden und sich gegen das vermeintlich Unabänderbare mit Lust und umwerfendem Humor zur Wehr zu setzen.

 

Martin Kaufhold und Lena Obst

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