12.02.2014 08:00 Kay Pollak

Theater in Wien: Wie im Himmel - grandioses Gefühlskino auf der Theaterbühne

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"Wie im Himmel" bezaubert durch berührende Szenen; (c) Erich Reismann

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Von: GFDK - Theater in der Josefstadt

Grandioses Gefühlskino auf der Theaterbühne. Die Bühnenadaption des Film-Welterfolgs "Wie im Himmel" bezaubert durch berührende Szenen.  Was zunächst kontemplativ beginnt und sich allmählich zum bittersüßen, aber auch humorvollen Drama um Liebe und Selbstbewusstsein entwickelt, ist die Selbstfindungsreise eines weltfremden Stars, der den Zugang zu Menschen – und Seelen – nur über den Umweg Musik findet.  (Kurier)

Theater in Wien

"Wie im Himmel" von Kay Pollak, ein braves Stück, fein inszeniert und gespielt, gefällt dem Publikum.  Endlich ist die rundum richtige Rolle für Christian Nickel gefunden, der seit Donnerstag in der Josefstadt einen Dirigenten spielt, der nach Herzinfarkt und Burn-out in seinem Geburtsort den Kirchenchor auf Vordermann bringt: Daniel Daréus, der Held, vielmehr Antiheld in Kay Pollaks "Wie im Himmel", ist das Produkt eines Kunstbetriebs, dessen Gnadenlosigkeit hinter einer dichten Glamour-Fassade verborgen ist.

Nickel zeichnet diesen introvertierten, fast autistischen, weltfremden Künstler mit linkischen Bewegungen und zögerlichem Reden, der bloß auftaut, wenn es um die Vermittlung der vielschichtigen Magie der Musik geht, sehr facettenreich und genau.  Janusz Kica hat inszeniert und führte das Ensemble mit viel Feingefühl und Gespür für markante Akzente, aber auch für Zwischentöne.

Freunde der Kunst

Peter Scholz ist köstlich als Gschaftlhuber Arne, der den Kirchenchor, kaum dass Daniels Stimmtraining die ersten Früchte trägt, schon zum Chorwettbewerb nach Wien treibt, Michael Dangl ist wunderbar authentisch als Pfarrer, der mit den neuen Tönen überhaupt nicht zurechtkommt und schließlich gar zur Flinte greift, Sona MacDonald bezaubert einmal mehr als temperamentvolle Pfarrersfrau, die sich nicht länger dem gestrengen Gatten unterordnen will, Alma Hasun erfreut als frisches, junges Mädchen, das Daniel den Kopf verdreht, in Wahrheit aber ein trauriges Geheimnis hat, Maria Urban ist hinreißend als widerspenstige alte Dame, die sich von ihrer pedantischen Freundin (Therese Lohner) nicht herumkommandieren lassen will.

Maria Köstlinger berührt stark als geschundene Frau des trunksüchtigen Conny (Oliver Huether), den sie schließlich mit den Kindern verlässt, Christian Futterknecht gefällt als Erik, Senior auf Freiersfüßen, Matthias Franz Stein spielt den behinderten Tore, Thomas Mraz greift als ewig beschimpfter Dickwanst zur Hacke.  Diese Aufführung, die gekonnt auf dem schmalen Grat zwischen Herz und Sentimentalität balanciert, bedeutet Trost für trübe Winterseelen: Der Premierenapplaus klang begeistert.
(Die Presse)

Theater in der Josefstadt

Heiß bejubeltes Besser-leben-Stück. Janusz Kica sieht in seiner elegisch-melancholischen, in flächige Edward-Hopper-Farben getauchten Inszenierung über manche Platitüde gekonnt hinweg.
(Der Standard)

Janus Kica sorgt in einer straffen, Brutalität und Gefühl geschickt kontrastierenden Inszenierung dafür, dass die reichlich melodramatische Geschichte nicht in Sentimentalität und Kitsch abgleitet, sondern in so manchen Momenten wirklich berührt. Die bestens funktionierende Drehbühne (Bühne und Kostüme: Karin Fritz) unterstreicht dabei die filmische Dramaturgie. Auch die Musik (Kyrre Kwam) und der von Andreas Salzbrunn geleitete Chor beeindrucken.

Christian Nickel als Daréus zeigt einen innerlich verunsicherten, doch von der Kraft einer das Leben bestimmenden und den Tod überdauernden Musik überzeugten Menschen, der sich allerdings mit alltäglichen Erfordernissen schwer tut. Zwischen ihm und der jungen, naiv-aufmüpfigen Lena - ausgezeichnet: Alma Hasun - entwickelt sich allmählich eine nicht in Worte zu fassende Beziehung. Durchaus zum Missfallen des Pfarrers (Michael Dangl), von dem sich schließlich sogar seine von Sona MacDonald subtil charakterisierte Frau lossagt. Auf der Seite des Pfarrers verharrt hingegen Conny (Oliver Huether), einst Anführer der den kleinen Daniel marternden Rabauken. Er hält es nun für sein gutes Recht, seine Frau - brillant: Maria Köstlinger - zu demütigen und zu verprügeln, bis diese ihn mit ihren Kindern verlässt.

Kica gelingt es, allen Mitwirkenden des personenreichen Stückes einen im Gedächtnis bleibenden Auftritt zur Profilierung ihrer Figuren zu ermöglichen. Ein gelungener Schauspielerabend, immerhin. Und das Stück könnte man, mit gutem Willen, als utopisches Märchen über einen Weg hin zu einer besseren, verständnisbereiten Welt verstehen.
(Wiener Zeitung)


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