13.04.2015 08:00 von Leo Tolstoi

Theater in Wien: Die Macht der Finsternis - in seinem eigenen Haus kann man tun, was man will

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Eine Sünde zieht die andere nach sich, Wohlstand und Geld machen alles nur noch schlimmer; (c) Georg Soulek

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Von: GFDK - Burgtheater Wien

Ein Kriminalfall, der sich wenige Jahre zuvor in einem Dorf unweit seines Landguts ereignete, inspirierte Leo Tolstoi zu seinem ersten Theaterstück.

Theater in Wien

Nach den Jahrhundertromanen Krieg und Frieden und Anna Karenina befand sich der Autor mit 56 Jahren in einer tiefen Sinnkrise, die sich in der Hinwendung zu einer mystischen Ethik und seiner berühmten „Beichte“ Bahn brach: „Lüge, Raub, Hurerei und Ehebruch, Trunksucht, Jähzorn, Mord – es gab kein Verbrechen, das ich nicht begangen hätte, und trotzdem lobten die Menschen mein Verhalten.“

„Die Stieftochter ein dummes Kalb, der Mann mit einem Fuß im Grab ... so ein Leben kann einen Menschen zu Gott weiß was treiben.“

In Die Macht der Finsternis, das im zaristischen Russland zunächst verboten war, dringt Tolstoi tief in die finstersten Winkel der menschlichen Seele vor: seine giftmischenden bäuerlichen Figuren streben nach sozialem Aufstieg und verstricken sich dabei fast ausnahmslos in Schuld. Eine Sünde zieht die andere nach sich, Wohlstand und Geld machen alles nur noch schlimmer. Nikita, der nicht mehr Knecht, sondern selbst Herr sein will, ist dabei ähnlich zerrissen wie sein Schöpfer – zwischen dem Wunsch nach Läuterung und Sühne und einer exzessiven Lust am Bösen, zwischen Ordnung und Anarchie, Moral und Kunst.

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