02.09.2013 09:00 von Joshua Sobol

Theater in Ulm: GHETTO - der theatralisch-musikalische Tabubruch

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„Ghetto“ meint – mit theatralischer Freiheit – das Ghetto im litauischen Vilnius zwischen 1942 und 1943; (c) Hermann Posch

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Von: GFDK - Theater Ulm

„Ein Musical vom Holocaust“ überschrieb 1984 der SPIEGEL die Uraufführungs-Ankündigung eines neuen Stücks des damals 45-jährigen Theaterautors und Journalisten Joshua Sobol, der bereits in Israel für Provokationen sorgte. Geht es doch Sobol um nichts weniger als die Beteiligung der Juden am eigenen Genozid.

Theater in Ulm

„Ghetto“ meint – mit theatralischer Freiheit – das Ghetto im litauischen Vilnius zwischen 1942 und 1943. Hier handeln der Jazzfan und SS-Offizier Kittel und der Chef der jüdischen „Selbstverwaltung“ einen Deal aus: Hunderte sollen sterben, um Tausenden das Überleben als Zwangsarbeiter im Ghetto zu sichern.

Gut gelaunt und sicher, den Mitläufer in Gestalt des Lagerverwaltungschefs zum Handlanger der Endlösung gemacht zu haben, lässt sich SS-Offizier Kittel Theater vorspielen, teilt mit den Ghetto-Künstlern seine Leidenschaft für die Musik – bis es zum Ende kommt, das nur das Saxofon und sein Spieler in SS-Uniform überleben.

Freunde der Kunst

Sobol gelingt der theatralisch-musikalische Tabubruch: ein „Musical vom Holocaust“ – traurig und trotzig, wild und grausam, sanft und sentimental.

S.Lemke@ulm.de