05.07.2014 09:00 gilt als Archetypus des romantischen Balletts

Theater in Stuttgart: Giselle - Phantastisches Ballett in zwei Akten

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Giselle, ein Mädchen vom Lande, lebt mit ihrer Mutter Berthe in einem kleinen Dorf; Foto: Stuttgarter Ballett

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Von: GFDK - Staattheater Stuttgart

Giselle gilt als Archetypus des romantischen Balletts, als Höhepunkt einer Epoche, in der Zauberwesen, Geister und Feen die Tanzbühnen bevölkerten und in der das Idealbild der Ballerina, im zarten Tutu auf Spitze schwebend, für immer geprägt wurde.

Theater in Stuttgart

Uraufgeführt im Jahr 1841 in Paris unter dem Titel Giselle ou Les Wilis zählt das Werk bis heute zu den erfolgreichsten Balletten überhaupt, bietet es doch dem Publikum mit seinem zweiten „weißen Akt“ den Inbegriff des romantischen Balletts, mit makelloser Technik, streng geometrischen Formen des Corps de ballet und scheinbar schwerelosen Tänzerinnen. In diese phantastische Gegenwelt der Wilis werden die Zuschauer nach einem in der bodenständigen Bauernwelt spielenden ersten Akt entführt – auch diese Teilung ist ein typisches Element des Balletts der Romantik.

Giselle, ein Mädchen vom Lande, lebt mit ihrer Mutter Berthe in einem kleinen Dorf. Der Herzog Albrecht ist fasziniert von ihrer Unschuld und Schönheit und macht ihr den Hof – unter falschem Namen und als Bauer getarnt, denn eigentlich ist er bereits mit der Adeligen Bathilde verlobt. Giselle verliebt sich in Albrecht und die beiden kommen sich näher. Der Wildhüter Hilarion allerdings hat schon seit seiner Jugend sein Herz an Giselle verloren und deckt in seiner Eifersucht Albrechts Betrug auf. Giselle, entsetzt über Albrechts Doppelspiel, verliert den Verstand.

Der Schock ist zu groß für sie; mit gebrochenem Herzen bricht sie vor den Augen ihrer Mutter zusammen und stirbt. Wilis erscheinen an Giselles Grab, Geister von Bräuten, die vor ihrer Hochzeitsnacht betrogen wurden und gestorben sind. Jeden Abend tanzen sie gemeinsam mit ihrer Königin Myrtha, um jene Tanzlust zu erfüllen, die sie zu Lebzeiten nicht befriedigen durften. Myrtha, die im Leben von ihrem Liebhaber verschmäht worden war, sinnt noch im Jenseits auf Rache und nimmt Giselle in ihren Kreis auf. Jeder Mann, der ihr und den Wilis begegnet, wird gezwungen zu tanzen, bis er vor Erschöpfung stirbt. Auch Albrecht droht dieses Schicksal, doch Giselles Liebe zu ihm besteht über den Tod hinaus, sie vergibt ihm und rettet somit sein Leben.

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Die Titelpartie der Giselle zählt zu den Traumrollen einer jeden Solistin, ist Mark- und Prüfstein einer jeden Karriere, sowohl in technischer als auch in darstellerischer Hinsicht. Carlotta Grisi war die erste Tänzerin, die diese anspruchsvolle Figur verkörperte, im Zuge der Uraufführung wurde sie zum Star. Jean Coralli und Jules Perrot hatten ihr die Rolle nach dem Libretto von Théophile Gautier auf den Leib choreographiert. Zahlreiche Choreographen haben sich des Stoffes mittlerweile angenommen, die meisten der traditionellen klassischen Interpretationen beruhen auf Marius Petipas letzter Petersburger Fassung von 1887 – so auch die atmosphärische Stuttgarter Inszenierung von Reid Anderson und Valentina Savina, die seit 1999 Bestandteil des Repertoires ist.