09.04.2015 08:00 von Arthur Schnitzler

Theater in Salzburg: Anatol - ist charmant und cool, sexy und geistreich

theater salzburg

Er ist ein Träumer und ein »Hypochonder der Liebe«, ein ewig Suchender, der sich selbst verliert; © Anna-Maria Löffelberger

schauspiel salzburganatol salzburg
Von: GFDK - Salzburger Landestheater

Anatol ist charmant und cool, sexy und geistreich. In der Begegnung mit einer Frau glaubt er stets, die Liebe gefunden zu haben.

Theater in Salzburg

Mit seinem besten Freund Max erörtert er Fragen der Wahrheit, der Schuld, der Treue und der verirrten Hoffnung – und kommt jedes Mal zu dem Schluss, dass der Glaube an die eine, wahre und ewige Liebe eine Illusion ist. Anatol ist ein Verführer, der stets hofft, verführt zu werden. Er ist zugleich Sieger und Verlierer im ewigen Rausch der Triebe, süchtig nach der nächsten Begegnung. Er ist ein Träumer und ein »Hypochonder der Liebe«, ein ewig Suchender, der sich selbst verliert.

Seine erotischen Abenteuer führen ihn durch alle Schichten der Gesellschaft. Anatol lebt ganz aus dem Augenblick, betrügt seine Geliebten und zugleich sich selbst, indem er seine Liebeleien jedes Mal neu zur großen Liebe verklärt und doch schon das Ende ahnt. Sein analytischer Freund Max kommentiert mal mitfühlend, mal ironisch Anatols Affären und Selbsttäuschungen und steht ihm notfalls auch gegen die Frauen zur Seite. Was hofft Anatol bei seiner rastlosen Suche nach immer neuen Liebesabenteuern zu finden – Liebe oder Abenteuer? Ist er, wie er von sich selbst sagt: ein »leichtsinniger Melancholiker« auf der Suche nach »unsterblichen Stunden«? Oder doch eher ein von seinen Trieben gesteuerter Weiberheld? Was treibt Freund Max um? Und was empfinden, denken und wollen eigentlich die Frauen...?

In seinem Ende des 19. Jahrhunderts entstandenen dramatischen Erstling »Anatol« erkundet Arthur Schnitzler die Seelenlandschaften der Wiener Oberschicht. Es geht um Treue und Betrug, um Abschied und Neubeginn. »Anatol« ist eine funkelnde Komödie der halben Gefühle. Liest man Arthur Schnitzlers Tagebucheinträge und Liebesbriefe aus der Entstehungszeit, liegt der autobiografische Charakter der Szenen auf der Hand. Doch spaltet Schnitzler seine Persönlichkeit auf in den »Hypochonder seiner Gefühle« Anatol und den scharfsinnig-zynischen Kommentator Max.

Freunde der Kunst

Und anders als in seinem privaten Verhalten gegenüber seinen Geliebten gönnt Schnitzler seinen Frauenfiguren Triumphe im Geschlechterkampf. Seinen Titelhelden hingegen lässt er bei aller Situationskomik und allem Wortwitz immer wieder vor seiner tiefen Einsamkeit, seiner Unfähigkeit zu echten Emotionen und seiner inneren Leere erschauern.

presse@remove-this.salzburger-landestheater.at