04.06.2014 09:00 Christian Frascella

Theater in Potsdam: Meine Schwester ist eine Mönchsrobbe - die Geschichte eines jungen Antihelden

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Die Mutter ist durchgebrannt, der Vater gammelt mit Bierflasche in der Hand in der Hängematte; (c) HL Böhme

Von: GFDK - Hans Otto Theater

Im Leben des jugendlichen Ich-Erzählers läuft wenig rund: Die Mutter ist durchgebrannt, der Vater gammelt mit Bierflasche in der Hand in der Hängematte und erzieht den Sohn mit unerbittlicher Härte, die Schwester Francesca, die »Mönchsrobbe«, versteigt sich zusehends in fiebrige Frömmigkeit.

Theater in Potsdam

Der Held ist ein seltsamer Junge, zartfühlend und unausstehlich zugleich. Er hält sich für einen gnadenlosen Macho, fällt aber bei der Prügelei auf dem Schulhof hin und wird sogar von einem Mädchen auf die Matte geschickt; er hat eine große Klappe und weint nie; er versteckt seine Verletzlichkeit hinter provozierender Arroganz. Doch allem Spott, jedem peinlichen Missgeschick, jedem kritischen weiblichen Blick zum Trotz – es gibt nichts, was er nicht zu seinen Gunsten umdeuten könnte. Doch dann zeigt ihm ein Schicksalsschlag, dass er seiner Familie näher steht als gedacht.

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Und vielleicht ist sogar die schöne Chiara nicht ganz so gleichgültig, wie es zunächst schien … »Scheiße, ich war ohnmächtig geworden! Ich! Einer, der was einstecken konnte! Ein Schlägertyp, der Hackfleisch aus einem Riesen wie Ricardo gemacht und ihn wer weiß wie viele Tage oder Jahre seines beschissenen Lebens in einen komatösen Zustand versetzt hatte. Wahrscheinlich war ich wirklich krank. Ich trug den Keim zu irgendwas in mir, der mir die Sinne betäubt, mich schlapp gemacht und niedergestreckt hatte, noch bevor die dumme Kuh mich ins Gesicht traf.«

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