21.09.2014 08:00 Anton Tschechow

Theater in Münster: Platonow - Spiegel der Gesellschaft

theater muenster

Auf dem heruntergekommenen Landgut der bankrotten Generalswitwe kommen sie alle zusammen, um mit viel Alkohol zu feiern; (c) Marion Bührle

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Von: GFDK - Theater Münster

Anton Tschechows furioses, kraftvolles Jugendstück (entstanden in den 1870ern) ist ein schillernder Prototyp für seine späteren Meisterwerke und das hochaktuelle Panorama einer übersättigten Gesellschaft, die nach Visionen sucht.

Theater in Münster

Wildheit und Energie, böse Komik und leise Melancholie prägen dieses große Ensemblestück, in dem alle geliebten Figuren der späteren Dramen die Bühne betreten: Die fordernden jungen Frauen, die desillusionierten Studenten, die müden Revolutionäre, die hellsichtigen Außenseiter und der resignierte Liebhaber, der Projektionsfläche für die Sehnsüchte aller ist.

Auf dem heruntergekommenen Landgut der bankrotten Generalswitwe kommen sie alle zusammen, um mit viel Alkohol zu feiern: Ein verzweifelt zerstörerisches Fest, das schließlich in die Katastrophe treibt, nach der sich alle irgendwie gesehnt haben.

Freunde der Kunst

Im Zentrum dieser Gesellschaft aus Zynikern, falschen Freunden und parasitären Nachbarn steht der ehemals so ehrgeizige Idealist und jetzige Dorfschullehrer Platonow. Er legt sich mit allen an, beleidigt die Männer und zündelt bei den Frauen, verursacht Alpträume und Gefühlsverirrungen – und kapituliert schließlich vor den Folgen seiner Skandale und Affären. In seiner depressiven Erschöpfung und seinem Selbsthass wird er zum Spiegel der Gesellschaft, die ihn feiert.

Tuerk@stadt-muenster.de