20.02.2015 08:00 Oper von Detlev Glanert

Theater in Münster: Joseph Süß - Abgründe eines mörderischen Rassismus

theater muenster

Detlev Glanert rollt in seiner packenden, 1999 uraufgeführten Oper den historischen Fall noch einmal neu auf; © Oliver Berg, Theater Münster

oper muensterJoseph Sueß operJoseph Sueß muenster
Von: GFDK - Theater Münster

Wenn ihr uns stecht, bluten wir nicht? Wenn ihr uns vergiftet, sterben wir nicht? Und wenn ihr uns beleidigt, sollen wir uns nicht rächen?

Theater in Münster

1916 stieß der Schriftsteller Lion Feuchtwanger auf die Biographie eines jüdischen Finanzmannes des 18. Jahrhunderts, Joseph Süß, der zunächst zum Geheimen Finanzrat des Herzogs Karl Alexander von Württemberg aufstieg und nach dessen plötzlichem Tod ins Bodenlose stürzte. Für seine repressive Wirtschaftsreform, mit der Joseph Süß den verschwenderischen Lebensstil des Herzogs ermöglicht hatte, wurde er in einem beispiellosen Schauprozess verurteilt und ohne Urteilsbegründung hingerichtet. Feuchtwangers 1925 erschienener Roman JUD SÜSS wurde 1933 von den Nationalsozialisten verboten, dann aber als stoffliche Vorlage für den gleichnamigen antisemitischen Propagandafilm von Veit Harlan missbraucht. Dieser verkehrte Feuchtwangers Intentionen ins Gegenteil.

Freunde der Kunst

Detlev Glanert rollt in seiner packenden, 1999 uraufgeführten Oper den historischen Fall noch einmal neu auf. Das Stück zeigt Joseph Süß im Kerker, vor seiner Hinrichtung. Alptraumhafte Visionen in den letzten Stunden seines Lebens ziehen als Erinnerungsbilder an ihm vorbei. In ungeheuer intensiven Szenen lässt die Oper an dem Schicksal Joseph Süß’ Anteil nehmen und in die Abgründe eines mörderischen Rassismus blicken.

presse-theater@stadt-muenster.de