19.12.2013 08:00 Giuseppe Verdi

Theater in München: La forza del destino - basiert auf Ángel de Saavedra Duque de Rivas‘ Drama Don Álvaro o La fuerza del sino

La forza del destino oper muenchen

Kurz vor Weihnachten präsentiert Intendant Nikolaus Bachler die zweite Premiere der laufenden Spielzeit; (c) Giuseppe Verdi (Porträt von Giovanni Boldini, 1886); Wikipedia

Von: GFDK - Bayerische Staatsoper

Kurz vor Weihnachten präsentiert Intendant Nikolaus Bachler die zweite Premiere der laufenden Spielzeit und Martin Kušej seine dritte Regiearbeit nach Macbeth (2008) und Rusalka (2010) für die Bayerische Staatsoper: Giuseppe Verdis La forza del destino. In den Hauptpartien geben Anja Harteros und Jonas Kaufmann jeweils ihr Rollendebüts als Leonora und Alvaro. BR-Klassik sendet die Premiere am 22. Dezember live, die Vorstellung am 28. Dezember wird im Rahmen von STAATSOPER.TV kostenlos über die Homepage der Staatsoper ins Internet übertragen.

Oper in München

Wie auch die Verdi-Opern Simon Boccanegra und Il trovatore beruht La forza del destino auf einem spanischen Drama des frühen 19. Jahrhunderts, das sich vor allem durch starke Kontraste und eine tableauartige Struktur auszeichnet. Martin Kušej lässt in seiner Inszenierung gegenwärtige Bilder von religiösem Eifer und dessen oft kriegerische Konsequenzen aufeinanderprallen. Im Mittelpunkt steht Leonora, die nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters traumatisiert und schuldbeladen die Einsamkeit in einer Einsiedelei sucht. Mönchschöre, romantisierende Kriegsbegeisterung und die Rachelust ihres Bruders erfährt sie als letztlich unentwirrbare Verstrickung durch Schicksal.

Freunde der Kunst

Der aus Österreich stammende Intendant des Münchner Residenztheaters zu seinem Regieansatz: „Es gibt keine Macht des Schicksals! Das Schicksal ist eine clevere Erfindung der Kirche, die so mit den Unzulänglichkeiten und Gefühlen der Menschen manipulativ umgehen kann – und hier meint ‚Kirche‘ im Grunde jede Religion, die sich zu einer Art Macht-Gemeinschaft organisiert und pervertiert hat.“ Kušej beschäftigt sich in seiner Neuinterpretation vor allem mit dem Konflikt zwischen der katholischen Kirche und dem Islam.

Premiere am Sonntag, 22. Dezember 2013

Es wird die dritte gemeinsame Neuproduktion von zwei Sängern, die seit Jahren besonders eng mit der Bayerischen Staatsoper verbunden sind: Schon 2009 eröffneten Anja Harteros und Jonas Kaufmann in Richard Jones’ Neuinterpretation von Richard Wagners Lohengrin die Münchner Opernfestspiele. Im Juni 2013 folgte Olivier Pys Neuinszenierung von Giuseppe Verdis Il trovatore. In La forza del destino geben sie ihre Rollendebüts als vom Schicksal schwer gebeuteltes Liebespaar Donna Leonora und Don Alvaro.

Außerdem singen Nadia Krasteva (Preziosilla), Vitalji Kowaljow (Il Marchese di Calatrava und Padre Guardiano) und Ludovic Tézier (Don Carlo di Vargas). Am Pult des Bayerischen Staatsorchesters steht Maestro Asher Fisch, der damit seine erste Premiere an der Bayerischen Staatsoper dirigiert.

Das Werk basiert auf Ángel de Saavedra Duque de Rivas‘ Drama Don Álvaro o La fuerza del sino (1835) und Teile aus Friedrich von Schillers Wallensteins Lager (1798). Eine erste Fassung entstand für das Kaiserliche-Italienische Theater in St. Petersburg, wo das Werk 1862 uraufgeführt wurde. Für die Aufführung an der Mailänder Scala 1869 hat Verdi zahlreiche Überarbeitungen vorgenommen. Zentrale Änderung: Am Ende der zweiten Fassung bleibt Alvaro am Leben. Franz Werfel schlug in seiner berühmt gewordenen freien Nachdichtung von 1926 (Dresden; Dirigat: Fritz Busch) eine Kombination beider Versionen vor. Das Ende entspricht der Mailänder Fassung. Die große Chorszene mit Preziosilla findet wie in der St. Petersburger Fassung in der Mitte des dritten Aktes statt. Kušej und Fisch haben sich an der Szenenabfolge der Werfel-Fassung orientiert.

christoph.koch@remove-this.staatsoper.de