15.05.2015 08:00 SZENISCHE LESUNG

Theater in Moers: Michael Kohlhaas - Frage nach der Grenze zwischen Rechtsgefühl und Fanatismus

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„Michael Kohlhaas“ ist weitaus mehr, als nur das dokumentarische Porträt eines „Wutbürgers“, dessen Rechtsfall außer Kontrolle gerät; (c) Helmut Berns

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Von: GFDK - Schlosstheater Moers

"Und wie denn die Wahrscheinlichkeit nicht immer auf der Seite der Wahrheit ist, so traf es sich, dass hier etwas geschehen war, das wir zwar berichten: die Freiheit aber, daran zu zweifeln, demjenigen, dem es wohlgefällt, zugestehen müssen.“

Theater in Moers

Zwei Pferde verliert der Rosshändler Michael Kohlhaas, „einer der rechtschaffendsten zugleich und entsetzlichsten Menschen seiner Zeit“, durch die willkürliche Schikane eines Adligen. Nachdem Kohlhaas auf legalem Weg kein Recht erfährt und seine Frau bei dem Versuch, eine Bittschrift am Hof einzureichen tödlich verwundet wird, wandelt sich sein privater Kampf für Gerechtigkeit in einen maßlosen Rachekrieg.

Heinrich von Kleist stellt mit seiner Novelle von 1810 die immer wieder aktuelle Frage nach der Grenze zwischen Rechtsgefühl und Fanatismus, in einer Welt, die immer instabiler scheint. Denn „Michael Kohlhaas“ ist weitaus mehr, als nur das dokumentarische Porträt eines „Wutbürgers“, dessen Rechtsfall außer Kontrolle gerät. Für Kleist steht die gesamte Ordnung der Welt zur Disposition und mit ihr der Mensch, der sich in ihr nicht mehr zurecht findet.

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Und so ist die Novelle zugleich eine Räubergeschichte, eine zutiefst ironische Politiksatire, ein tragisches Drama und ein Märchen voller absurder, unwahrscheinlicher und poetischer Wendungen, beherrscht von einer Sprache, die ebenso unerbittlich und obsessiv, wie Kohlhaas seiner Welt begegnet, die Geschichte weiter voran treibt.

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