16.10.2014 09:00 von Bertolt Brecht

Theater in Mörs: Mann ist Mann - eine Parabel auf die Austauschbarkeit menschlicher Identität

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Das Stück veranschaulicht in atemberaubender Geschwindigkeit und mit gnadenloser Ironie die Mechanik der Bestimmung menschlicher Identität durch den sozialen Kontext; Fotograf: Jakob Studnar

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Von: GFDK - Schlosstheater Mörs

Galy Gay, der Mann, der nicht „Nein“ sagen kann, geht morgens einen Fisch kaufen und ist am Abend zum kampfbereiten Soldaten Jeraiah Jip mutiert. 

Theater in Mörs

Bertolt Brechts frühes Lustspiel „Mann ist Mann“ ist eine Parabel auf die Austauschbarkeit menschlicher Identität. Es veranschaulicht in atemberaubender Geschwindigkeit und mit gnadenloser Ironie die Mechanik der Bestimmung menschlicher Identität durch den sozialen Kontext. Der Mensch, der nicht „Nein“ sagen kann, geht an dem Platz auf, an dem er gebraucht wird – allerdings erst, nachdem er aufgehört hat, ein Individuum zu sein.

“Das epische Theater Bertolt Brechts beruht zentral auf den Mechanismen der industriellen Moderne, die in den urbanen Metropolen ebenso greifen wie auf den technisierten Schlachtfeldern des Ersten Weltkrieges. Hier wie dort verliert die Masse der Individuen nach Brechts Worten »ihre Unteilbarkeit durch ihre Zuteilbarkeit«. Symbol und Vollstrecker der Vernichtung des Individuellen ist das Maschinengewehr, das den Tod massenhaft austeilt und die Aura des Einmaligen vernichtet.” Thomas Weitin

“Der Krieg gilt einigen Philosophen  als gesellschaftlicher Grundzustand und der Frieden ist nur eine temporäre Ausnahme. Jede Nachkriegsgeneration ist demnach immer schon eine Vorkriegsgeneration. Wir begreifen Krieg inzwischen nur mehr als weit entferntes abstraktes Geschehen, virtuell, medial in Grünlicht getaucht, ohne reale Anbindung. Das dem nicht so ist, davon könnten hunderte amerikanische und europäische Soldaten und tausende Opfer in Afghanistan und im Irak erzählen, wenn man sie denn fragen würde. Bert Brecht untersucht in “Mann ist Mann” aber nicht nur  die absurde Kriegslogik, sondern auch das Vorläufige jeder Identität. Der Soldat ist eine Konstruktion, eine Montage, die im Menschen das gewaltgeile Kriegsgerät freilegt. Schon Arthur Rimbaud meinte ‘Ich ist etwas Anderes’:  Identität ist demnach eine Illusion mit Ablaufdatum und die Verwandlungsmöglichkeiten und Optionen unserer Identitäten könnte man “Freiheit” nennen. Und die will gegen Gewalt verteidigt werden. Sei es mit Gewalt. Diese Freiheit nehmen wir uns.” Philipp Preuss

Freunde der Kunst

„Mann ist Mann“ ist Philipp Preuss’ vierte Inszenierung am Schlosstheater. Seine Interpretation von „Der Geizige“ nach Molière begeisterte drei Spielzeiten lang das Publikum und wurde beim NRW-Theatertreffen 2012 mit dem Publikumspreis und dem Preis der Jugendjury ausgezeichnet. Auch seine Inszenierung „Kein Licht. / Prometheus“ aus der vorigen Spielzeit wurde zum NRW-Theatertreffen eingeladen.

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