19.02.2015 09:00 von George Orwell

Theater in Moers: 1984 - prognostizierte die Zukunft der totalen Überwachung

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Was George Orwell in „1984“ als eine Zukunft der totalen Überwachung prognostizierte, liest sich heute wie eine Wirklichkeit gewordene Vision; (c) Helmut Berns

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Von: GFDK - Schlosstheater Moers

Was George Orwell in „1984“ als eine Zukunft der totalen Überwachung prognostizierte, liest sich heute wie eine Wirklichkeit gewordene Vision.

Theater in Mörs

Dabei hat die Realität die im Roman geschilderten Prognosen aus dem Jahr 1948 in Technik und Umfang längst weit überholt. Auch die repressive Disziplinargesellschaft, die Orwell unter dem Eindruck von Stalinismus und Faschismus beschreibt, hat sich gewandelt: Heute geben wir angesichts von „freundlichen“ Maschinen unsere Privatsphäre freiwillig auf.

„Wir leben im Post-privacy- Zeitalter” verkündete Facebook-Gründer Marc Zuckerberg bereits vor einigen Jahren und meist stimmen wir der Sammlung von umfassenden Datenmengen über unser Leben recht bereitwillig zu. Denn unter dem Paradigma der freiwilligen Selbstoptimierung stabilisieren sich in der modernen Leistungsgesellschaft die Machtsysteme auch ohne die sichtbare Überwachungsinstanz eines “Großen Bruders”.

Im totalitären Staat Ozeanien, in dem das Ministerium für Überfluss für Rationierungen zuständig ist, das Ministerium für Wahrheit sämtliche Dokumente und Fakten fälscht, in der Dichter zuständig sind, die Sprache zu eliminieren und selbst die Jahreszahl der aktuellen politischen Lage unterworfen ist, gibt es keine sichere Grenze zwischen Realität und Propaganda.

Freunde der Kunst

Orwells Protagonist Winston Smith gerät zunehmend in Konflikt mit der offiziellen Darstellung des Systems. Aus der Suche nach seiner eigenen Wahrheit wird Widerstand gegen das System, das aber längst Teil seiner eigenen Identität ist und überall Zweifel und Verrat hinterlässt. Das ist – mit Orwells „Neusprech“ formuliert – „doppelplusungut”. Denn der “Große Bruder” will geliebt werden, ohne Einschränkung.

annika.stadler@schlosstheater-moers.de