24.09.2012 09:36 Woran glauben wir, und was lässt uns glauben?

Theater in Mannheim: "Heiden" thematisiert auf radikale Weise das Thema »Glauben« - Premiere am 27.9.2012

Fotos: Christian Kleiner

Von: Sandra Strahonja - 2 Bilder

Marina und ihr Ehemann Oleg leben mit ihrer 19-Jährigen Tochter Kristina zusammen in ärmlichen Verhältnissen. Marina arbeitet mit mäßigem Erfolg als Immobilien-maklerin, Oleg ist Musiker und hat dem Familienleben nahezu keine Einkünfte beizutragen. Eines Tages kommt Natalja Stepanowna zu Besuch, Olegs Mutter. Sie ist gläubige Christin und entsetzt über die Zustände in der ihrer Ansicht nach ungläubigen Familie, in der es für sie zum vollkommenen Sittenverfall gekommen ist. Sie bekehrt zunächst Bootsmann, einen versoffenen Nachbarn, den die Familie schon lange kennt, mit ihrem Glauben, und überzeugt ihn so dem Alkohol abzuschwören. Indem sie Marina und Oleg besser bezahlte Arbeit verschafft, bringt sie sie dazu, ihr in ihrer Gottesfurcht nachzueifern. Nur die Enkelin Kristina bereitet ihr ernstes Kopfzerbrechen: Die bekennende Agnostikerin weist jegliches Engagement der Großmutter sie zu bekehren, strikt von sich, und lässt sich nicht von ihren Lebensgewohnheiten abbringen – sie raucht, trinkt und »hurt« herum. Natalja ist klar, dass die sture Kristina von Dämonen besessen ist und dringend ein Exorzismus an ihr vollzogen werden muss. Der Priester, Pater Wladimir, soll ihr dabei helfen …

Heiden thematisiert auf radikale Weise das Thema »Glauben«. Woran glauben wir, und was lässt uns glauben oder eben nicht? Wozu bringt uns unser Glauben und wovon werden die Nicht-Gläubigen geleitet? Verblendet der Glaube gar den gesunden Menschenverstand? Die 29-Jährige ukrainische Dramatikerin Anna Jablonskaja galt als der Shootingstar unter den russischsprachigen Dramatikern und war eine große Hoffnung des osteuropäischen Theaters, bevor sie tragisch bei einem Terroranschlag am Flughafen Moskau-Domodedowo am 24. Januar 2011 ums Leben kam. Heiden war ihr letztes Stück, zuvor hatte sie bereits über ein Dutzend Dramen verfasst.

Anna Jablonskaja

Inszenierung Burkhard C. Kosminski
Bühne Florian Etti
Kostüme Lydia Kirchleitner
Musik Hans Platzgumer
Dramaturgie Katharina Blumenkamp

 

Termine bis 31.10.2012

 

Sandra Strahonja

-Pressereferentin Oper und Schauspiel-

 

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