02.02.2015 08:00 Elfriede Jelinek

Theater in Linz: Winterreise - der Weg beginnt im Wahnsinn der unmittelbaren Gegenwart

theater linz

Ein Werk von so existenzieller Wucht, dass einem schwindlig werden kann; © Patrick Pfeiffer

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Von: GFDK - Landestheater Linz

Fremd in der Welt und fremd dem eigenen Leben gegenüber, folgt ­Elfriede Jelinek in der Winterreise den Spuren des Wanderers aus Franz Schuberts und Wilhelm Müllers gleichnamigem Liederzyklus.

Theater in Linz

Der Weg beginnt im Wahnsinn der unmittelbaren Gegenwart (Bankenskandale, Entführungsopfer, die eingekerkert aus der Zeit fallen) und führt immer deutlicher zu Stationen in Jelineks Biographie: die komplizierte Beziehung zur Mutter, die Einweisung des Vaters in die Psychiatrie, bis hin zu einer ebenso schonungslosen wie ironischen Selbstabrechnung Jelineks mit ihrer Rolle als Autorin, die „das immer gleiche Lied leiert“. Einer ­musikalischen Engführung gleich, ruft Winterreise in beeindruckender Klarheit und fast unheim­licher Dichte noch einmal all die Themen auf, die Elfriede Jelinek in den letzten Jahren und Jahrzehnten beschäftigt haben.

Grundton und Grundthematiken von Schubert/Müller wie die Sehnsucht nach Vergangenem, das Leiden unter Vergänglichkeit, der andauernde Schmerz der Erinnerung, das Heimweh des Getriebenen überführt die Meisterin der scharfzüngigen Polyphonie dabei unmerklich in aktuelle Ereignisse wie die Entführung von Natascha Kampusch und den Bankenskandal um die Hypo Alpe Adria. Die Zuschauer/-hörer werden von der Autorin auf eine Reise durch die Zeit, durch Vergangenheit und Gegenwart geschickt: Die eine bedingt die andere und doch verblasst das Vergangene, verschwindet, geht vorüber. Entstanden ist dabei eines der persönlichsten und anrührendsten Werke von Elfriede Jelinek überhaupt – ein Werk von so existenzieller Wucht, dass einem schwindlig werden kann.

Freunde der Kunst

Elfriede Jelinek erhielt früh eine umfassende musikalische Ausbildung. 1960 begann sie am Wiener Konservatorium Klavier und Komposition zu studieren, anschließend Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte an der Universität Wien. Nach Abbruch des Studiums 1967 begann sie zu schreiben und zählte bald zu den bedeutendsten deutschsprachigen Gegenwartsautoren. 2004 erhielt Elfriede Jelinek den Nobelpreis für Literatur. Nach Über Tiere 2010 im Eisenhand und In den Alpen 2011 in den Kammerspielen wird Regisseur Christian Wittmann seine Auseinandersetzung mit ihren Theatertexten am Landestheater Linz fortsetzen.

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