05.10.2013 08:00 Wolfgang Amadeus Mozart

Theater in Linz: Die Zauberflöte - ist der Österreicher liebstes Opern-Kind

die zauberfloete am landestheater linz

intelligente wie widersprüchliche Dramaturgie; © Reinhard Winkler

Von: GFDK - Landestheater Linz

Ist’s ein Zaubermärchen oder ein dramatisierter Erziehungsroman, ein freimaurerisch inspiriertes „Credo“ aufklärerischen Geistes oder prall-buntes Volkstheater aus der Wiener Vorstadt? Oder gar der Vorläufer eines aktuellen PC-„Fantasy“-Spiels, in dem Tamino, Pamina, Papageno & Co schlichtweg Rollenangebote der „Second World“ sind, die den zur Masse verkommenen „Usern“ des 21. Jahrhunderts die Möglichkeit eines heroischen Lebens suggerieren?!

Theater in Linz

Wie auch immer die jeweilige Inszenierung diese „Gretchen-Frage“ beantworten mag: Mozarts Zauberflöte ist der Österreicher liebstes Opern-Kind – die Geschichte vom Prinzen Tamino, der sich in das „bezaubernd schöne“ Bildnis Paminens verliebt und von der Königin der Nacht ausgesandt wird, um die Geliebte aus den Händen Sarastros, des Beherrschers des Sonnentempels, zu befreien, wird durch eine ebenso intelligente wie widersprüchliche Dramaturgie zu einem vergnüglich-nachdenk­lichen Menschheitsdrama. – Die Grundfrage der Aufklärung: „Was ist der Mensch?“ – so formuliert von Immanuel Kant – wird von Mozart und Schikaneder überaus lebensnah beantwortet.

Oper in Linz

So verkörpern Tamino und Pamina das Ideal einer sittlich fundierten Lebens- und Liebesverbindung, während Papageno und Papagena sich ganz und gar metaphysikfrei den sinnlichen Freuden des Daseins hingeben dürfen. Doch die Frage, welches Lebensprinzip den Liebenden zu ihrem Glück verhilft, wird weit weniger eindeutig beantwortet. Die vermeintlich naheliegende Doppel-Gleichung: männlich + vernunftorientiert = objektiv + gut (das Prinzip ­„Sarastro“) bzw. weiblich + gefühls­orientiert = subjektiv + böse (das Prinzip „Sternflammende ­Königin“) geht nicht auf; vielmehr emanzipieren sich Tamino und Pamina von beiden Über-Eltern und versöhnen die scheinbar ­widerstreitenden Prinzipien: „Mann und Weib und Weib und Mann, reichen an die Gottheit an.“

Freunde der Kunst

Vom vielfach ausgezeichneten und weltweit inszenierenden ­Musical- und Opernregisseur Amon Miyamoto (unter anderem Tokyo, London, New York und Vancouver) und seinem interna­tional auf­gestellten Produktionsteam darf eine Zauberflöte erwartet werden, die im Hier und Jetzt des 21. Jahrhunderts verortet ist und die mit zeitgenössischen Bild­ästhetiken allen „Staub“ mittel­europäischer Aufklärungslust in schillerndes „Gold“ verwandeln wird: eine ­Zauberflöte für das dritte Jahr­tausend!

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