27.04.2014 09:00 Richard Wagner

Theater in Linz: Der Ring des Nibelungen - Die Walküre - ein Bühnenfestspiel für drei Tage und einen Vorabend

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„Wie macht' ich den Andren, der nicht mehr ich, und aus sich wirkte, was ich nur will?"; © Karl Forster

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Von: GFDK - Landestheater Linz

Wenn in Wagners Ring das patriarchalische und das matriarchalische Prinzip eine gemeinsame „Schnittstelle“ in personam haben, ein psychologisches Zwitterwesen, das Kampf und Krieg nicht scheut und zugleich im Verlauf der Tetralogie zur unbedingten und rückhaltlosen Liebe fähig werden wird, dann ist es Brünnhilde, die gemeinsame Tochter von Erda und Wotan.  

Theater in Linz

Die Eltern könnten nicht unterschiedlicher sein. Hier: das weiseste aller Weiber, das um die verborgenen Zusammenhänge der vergangenen und zukünftigen Weltzeit(en) aus Natur und Geschichte weiß, dort das Alphatier der Göttersippe, der sich und seinem „Clan“ die Weltherrschaft auf ewig sichern will – mit Macht, Gewalt, Vertragslist bzw. -bruch und mit der Hilfe von jenem „Freien“, der die Tat vollbrächte, die Wotan aufgrund seiner Abmachung mit den Riesen eben nicht selbst begehen darf: Fafner den Ring zu entwenden.   

So lange der Ring nicht (wieder) in Wotans Besitz ist, herrscht Krieg: „Durch Alberichs Heer droht uns das Ende“, bekennt Wotan gegenüber Brünnhilde, die mit ihren Walküren-Schwestern das Rekrutierungs-Programm zu Wotans Gegen-Armee durchführt. Walhall wird zur Krieger- Wiederaufbereitungsanlage für den Endkampf, falls der Plan mit dem „Freien“ nicht aufgeht.  
Das Schicksal dieses ersten „Freien“ ist somit von Anfang an für Brünnhilde ein hohes Gut. Wie eine gute Patin wacht Brünnhilde über Siegmund, als er auf der Flucht im Hause von Hunding, seinem Todfeind, Unterkunft findet, dort auf seine Schwester Sieglinde trifft und mit ihr jene Liebesnacht verbringt, aus der Siegfried hervorgehen wird … Siegmund im Kampf mit Hunding zu schützen, ist Wotans Auftrag an Brünnhilde.

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Diesen Auftrag will sie selbst dann noch erfüllen, als Wotan – aufgrund der Intervention Frickas – Siegmund fallengelassen hat. Und hier – in der Gehorsamsverweigerung gegenüber dem Vater und obersten Kriegsherrn – erweist sie sich zum ersten Mal ganz als Tochter ihrer Mutter Erda, weil sie sich männlichen Herrschaftsprinzipien verweigert. Noch ist sie nur Schutzherrin der Liebenden, im Siegfried wird sie selber lieben. Vom Häuten der Soldatin zur Frau erzählt Die Walküre. 

ardelt@landestheater-linz.at